Ein Wumms im Stollen. Dann bricht Erdreich aus der Wand heraus, und ein Loch klafft auf, durch das plötzlich das helle Licht mehrerer Scheinwerfer dringt. Der Durchbruch ist geschafft an diesem Mittwochvormittag unter der Gotthardstraße an der Grenze der Stadtviertel Laim und Pasing – und auf der Baustelle der Verlängerung der U5 in den Münchner Westen ist der nächste Meilenstein erreicht.Als einer der Ersten durchschreitet – nachdem der Bagger den Durchbruch deutlich erweitert hat – Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) die frisch geschaffene Lücke. Und der OB spart nicht mit Lob für den Fortschritt bei den Bauarbeiten: Was die Arbeiter an dieser Stelle seit 2022 ablieferten, so Krause, sei eine „Meisterleistung“. Und zwar eine dringend gebotene, trotz der angespannten Haushaltslage der Landeshauptstadt. Denn die U-Bahn, betont Krause, mit Helm und gelber Weste ausgestattet, sei nichts weniger als das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in München.Mit dem Durchstich ist das in sogenannter Schlitzwand-Deckelbauweise errichtete Bauwerk unter der Erde nun auf einer Länge von etwas mehr als einem Kilometer durchgängig begehbar – vom Bahnhof Laim bis zu der im Bau befindlichen Station Baumschule Laim. Und genau dieser Abschnitt der Verlängerung soll auch als Erster in Betrieb gehen – voraussichtlich im Jahr 2031. Die Aussichten hierfür stünden nicht schlecht, sagt Münchens Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer. „Wir sind bei den Arbeiten nicht nur im Plan, sondern momentan sogar vier Monate voraus.“Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Mitte) macht sich selbst ein Bild von den Bauarbeiten unter der Erde. Robert HaasAllerdings gehört zur Wahrheit auch, dass sich das Projekt seit Baubeginn vor vier Jahren zwischenzeitlich verzögert hatte – um etwa zwölf Monate. Denn vor allem die Absicherung vor Grundwasser stellte die Ingenieure und Bauarbeiter vor große Herausforderungen; der Einbau von sogenannten Dükern soll nun verhindern, dass Wasser in die unterirdische Baustelle dringt.Der Durchstich unter der Gotthardstraße ist aber auch für die Anwohnerinnen und Anwohner darüber eine gute Nachricht. Denn damit nähern sich die oberirdischen Arbeiten am Tunnel ihrem Ende, seit April ist die Baustelle sogar komplett zugedeckelt. „Die Anwohner freuen sich sehr“, sagt dementsprechend Baureferentin Ehbauer. „Und ich bin ihnen dankbar, dass sie es ausgehalten haben.“ Denn die Arbeiten hätten teilweise bis an die Balkone und Haustüren der Menschen in Laim herangereicht. Die Belastungen seien enorm gewesen.Nach und nach kann damit begonnen werden, die Oberfläche der Gotthardstraße wieder herzustellen und neu zu gestalten. Damit endet auch die Zeit ständig wechselnder Baustellenverkehrsführungen, über Nacht verschwundener Fußgängerübergänge und provisorischer Radwege. Vor allem den Fahrradfahrern, betont Ehbauer, werde mit der Umgestaltung der Gotthardstraße mehr Platz an den Rändern eingeräumt – die Autospuren würden wieder in die Straßenmitte gesetzt.Die Baugrube für die Tunnelbohrmaschine, die sich von 2029 an bis nach Pasing fräsen soll, ist bereits ausgehoben. Florian PeljakDer Abschnitt vom Laimer Bahnhof bis zur neuen Station Baumschule Laim, benannt nach Deutschlands größter städtischer Einrichtung dieser Art an der Willibaldstraße, ist weit fortgeschritten. Aber auch die Arbeiten am Bahnhof Am Knie sowie dem U-Bahn-Halt am Pasinger Bahnhof laufen. Und auch etwas weiter westlich des neuen Bahnhofs Baumschule sind die Vorbereitungen für den nächsten, aufwendigen Bauabschnitt losgegangen. Im Jahr 2029 wird in die bereits ausgehobene Baugrube die etwa 80 Meter lange Tunnelbohrmaschine eingesetzt, die sich dann von der Baumschule bis nach Pasing fräsen wird. Sieben Meter am Tag, und das im 24-Stunden-Betrieb.Grund zum Strahlen hat an diesem Tag auch Matthias Würfel, Projektmanager und Sachgebietsleiter für U-Bahn-Bau im Baureferat. Schon beim Hinabsteigen in den Stollen sagt er, dies sei ein großartiger Tag. Würfel ist nahezu täglich auf der Baustelle, einmal in der Woche hält er gemeinsam mit seinen Kollegen im Besucherpavillon an der Willibaldstraße eine Bürgersprechstunde ab – Transparenz sei wichtig bei diesem gigantischen Vorhaben, so Würfel.Oberbürgermeister Dominik Krause erlebt, wie er selbst sagt, an diesem Mittwoch seinen ersten Durchstich. Die Dimension des Vorhabens und die Geschwindigkeit zu erfassen, fällt ihm aber nicht schwer: Das Vorhaben U5-Verlängerung verlaufe auch im bundesweiten Vergleich mit anderen Projekten „tipptopp“, so der OB. An welche er dabei denkt, verrät Krause nicht – aber einen Bahnhof in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart könnte er im Hinterkopf haben.Für Baureferentin Jeanne-Marie Erbauer entsteht hier im Münchner Westen nicht nur die Verlängerung einer U-Bahn-Linie; dies sei ein „Jahrhundertbauwerk“, bei dem alles passen müsse. Bei oberirdischen Vorhaben könne bei Fehlern schnell noch reagiert werden, so Ehbauer – im Untergrund aber müsse alles sofort sitzen.Das gilt auch für die beiden Abzweigungen, die am Bahnhof Baumschule Laim vorsorglich eingebaut worden sind – als sogenannte Vorhaltemaßnahmen. Denn irgendwann, wenn sich der Münchner Stadtrat dafür entscheidet, könnte von hier aus die Trasse weiter bis in die Blumenau geführt werden. Das aber ist noch ferne Zukunftsmusik.