Der Spätsommer gibt an diesem Samstag noch einmal alles – und die Münchner Innenstadt quillt über vor Menschen. Die Internationale Automobil-Ausstellung lockt am finalen Wochenende noch einmal mit ihren Open Spaces Zehntausende ins Zentrum, und auch Hunderte Fans in Bayern-Trikots und Shirts des Hamburger SV sind bereits zur Mittagszeit unterwegs. Am Abend steht das „Topspiel“ der beiden Traditionsvereine an. Aber auch hinter dem Münchner Rathaus hat sich eine lange Schlange gebildet. Geduldig warten entlang des Bauzauns Hunderte Menschen, um einen Ort betreten zu können, der ihnen sonst verborgen bleibt: die Baustelle unter dem Marienhof.

Die Deutsche Bahn hat zum „Tag der offenen Tür“ geladen, was angesichts der Megabaustelle, die das Stadtbild hier noch auf Jahre hinaus prägen wird, sehr viel kleiner klingt als es tatsächlich ist. Meterhoch über dem Boden durchziehen blaue Rohre das Areal, Kräne ragen weithin sichtbar in den weiß-blauen Himmel auf, an der Landschaftstraße direkt am Rathaus prägt ein mehrere Stockwerke hohes Gebäude aus Containern die Szenerie. Die größte Attraktion auf der Baustelle aber befindet sich weit unter dem Marienhof – in 27 Meter Tiefe.

Die Bahn hat ihren nächsten Baufortschritt gekonnt in Szene gesetzt: Mit bunten Lichtern wird die Röhre ausgeleuchtet, ein Bagger steht für alle sichtbar hinter dem Bauzaun, der Besucherinnen und Besucher davon abhält, einfach weiterzulaufen. Würde es dennoch jemand über die Absperrung schaffen, käme er ziemlich genau 50 Meter weit und stünde vor einer Wand. Nur wenige Meter dahinter befindet sich der U-Bahnhof Marienplatz.