Mr MarketDie unerwartet heftige Prognosesenkung des Autoherstellers enthält zwei Warnungen auch für andere Industrie- und Konsumgüterfirmen. Allerdings ist die Kommunikation des ehemaligen Vorzeigekonzerns ein hausgemachtes Desaster.Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.BMW strapaziert die Nerven der Anleger mit einer Prognosesenkung. Der Autokonzern verspielt mit einer Schock-ad-hoc das Vertrauen der Anleger.Diese beiden Sätze könnten von heute sein, sind allerdings die Überschriften von The-Market-Artikeln zu zwei Gewinnwarnungen des Dax-Konzerns vom September 2024 und vom Oktober 2025. Am Dienstagabend ist die dritte Prognosesenkung innerhalb von zwei Jahren zum Leistungsnachweis von BMW-CFO Walter Mertl hinzugekommen.Installation des Künstlers A.A. Murakami mit dem BMW M760e xDrive anlässlich der Art Basel 2026.Gary Yeh / BMWAnalyst José Asumendi von JPMorgan sprach von einer «radikalen Prognosesenkung». Die Reaktion der Deutsche-Bank-Analysten um Tim Rokossa muss man als fassungslos beschreiben, und das Entsetzen ist verständlich. Eine erneute Gewinnwarnung war nach der schlechten Entwicklung des Aktienkurses und der Absage eines Treffens des neuen CEO Milan Nedeljković mit Analysten zwar erwartet worden. Das Ausmass übertraf die Erwartungen aber deutlich. «Wir sind noch immer etwas verblüfft vom Ausmass der Prognosesenkung und glauben nicht, dass wir in dieser Hinsicht allein sind», schreiben die Deutsche-Bank-Analysten.Die Anlegerreaktion spricht dafür, dass diese Einschätzung zutrifft: Der Kurs fiel bis Mittwochmittag um mehr als 6% auf rund 63 €. Zeitweilig war er bis auf 60.15 € gestürzt, nahe an das Tief vom US-Zollschock im April 2025. Das Fünfjahrestief aus der Corona-Epidemie stammt vom Juli 2022 und liegt bei 55.20 €. Der Kursrückgang seit Jahresbeginn beträgt mittlerweile rund ein Drittel.Die Zahlen zum Geschäftsausblick sind in der Tat heftig: BMW reduzierte die Prognose für den Gewinn auf Stufe Ebit um mehr als 3 Mrd. €, kalkulieren die Analysten. Sie erwarten für 2026 nurmehr 2,8 Mrd. € Ebit, nach zuvor 6,6 Mrd. €. Die Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) im Segment Automobile könnte auf 1% fallen (Prognosespanne nun 1 bis 3%, nach zuvor 4 bis 6%). Was Rokossa und Kollegen besonders irritiert, ist, dass BMW noch vor sechs Wochen eine nachvollziehbare Herleitung bereitstellte, wie das strategische, mittelfristige Margenziel von 8 bis 10% zu erreichen sei. «Das steht nun wegen der niedrigeren Ausgangsbasis infrage», urteilen die Analysten.Der Dax-Konzern nannte zwei Hauptursachen für die Gewinnwarnung. «Die negative Entwicklung im chinesischen Automobilmarkt hat sich im zweiten Quartal weiter beschleunigt – insbesondere bei nicht elektrifizierten Fahrzeugen», teilte BMW mit. Ausserdem dauerten die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten entgegen den bisherigen Annahmen des Unternehmens weiter an. Zum einen steigerten die unverändert hohen Energiepreise die Unternehmenskosten. «Zum anderen belastet die aus dem Konflikt resultierende Unsicherheit zunehmend das Konsumverhalten in zahlreichen Märkten weltweit.»BMW-Führung lässt Investoren wohl monatelang rätseln«Nach drei Gewinnwarnungen binnen zwei Jahren, alle weitgehend China-bezogen, hat der Nimbus von BMW als Musterschüler in der Autobranche eindeutig einen Schlag abbekommen», urteilen die Deutsche-Bank-Analysten.Mit der Horrormeldung konnte das Management des Autokonzerns nicht für Klarheit bezüglich der Geschäftsaussichten sorgen. «Leider hat uns die Telefonkonferenz mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen», kritisieren die Analysten. Sie haben den Eindruck gewonnen, dass BMW auch nicht bei den Investorentreffen in den USA Ende Juni für Klarheit sorgen will, genauso wenig wie bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses Ende Juli. Stattdessen habe das Management angedeutet, dass erst der Kapitalmarkttag im September ein umfassendes Update zu den Strukturen und Kosten des Unternehmens bringen soll. Eine derart lange Zeit der Ungewissheit ist schädlich und aus Anlegersicht nicht nachvollziehbar.Falls die Konzernführung nicht rasch besser aufklärt, droht sich ein negatives Narrativ festzusetzen, wie es Analyst Stuart Pearson vom Researchanbieter Oxcap formuliert. Die Herausforderungen von BMW fühlten sich an, als seien sie chronisch und würden nicht binnen ein oder zwei Jahren aufzulösen sein, warnt er. Obwohl Kostensenkungen ab 2027 etwas helfen sollten, sei der Weg zurück zu einer Marge oberhalb des mittleren einstelligen Prozentbereichs unklar.Schlechte Nachricht für Autotitel und andere BranchenDie erneute Gewinnwarnung von BMW ist auch ein Alarmsignal für andere Unternehmen und Branchen. Sie wirft ein grelles Licht auf die Konsumschwäche «in zahlreichen Märkten weltweit» wegen der gestiegenen Energiepreise und der Lage in China, die der Konzern als Hauptgründe für das schwache Geschäft nennt.Analyst Asumendi von JPMorgan spricht von einem «Weckruf für die gesamte Autobranche». Das Alarmsignal reicht sogar über den Sektor hinaus: Die Aussagen BMWs zur Konsumschwäche wegen der Folgen des Golfkriegs «werden wahrscheinlich weit und breit wiederhallen», konstatiert Oxcap-Analyst Pearson.Das Debakel von München legt nahe, dass der zweite China-Schock die deutsche Industrie noch heftiger treffen wird als ohnehin bereits befürchtet. Staats- und Parteichef Xi Jinping fördert unbeirrt die einheimische Produktion und unternimmt wenig zur Stärkung der Binnennachfrage.Bei Investitionsentscheidungen sollten Investoren nun noch stärker hinterfragen, ob ein Unternehmen stark unter der subventionierten Konkurrenz aus China, der schwachen dortigen Nachfrage oder der internationalen Konsumschwäche aufgrund der gestiegenen Energiepreise leidet.Herzlich grüsst im Namen von Mr MarketMark Böschen