In der deutschen Automobilindustrie breitet sich schlechte Stimmung aus. Am Dienstagabend korrigierte der Automobilhersteller BMW seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten. Als Gründe nannte das Dax-Unternehmen die schlechte Lage am chinesischen Automarkt und die Folgen des Krieges im Nahen Osten. Bisher hatten die Münchner mit einer operativen Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von vier bis sechs Prozent in diesem Jahr gerechnet. Nun gab der Vorstand um den neuen Vorsitzenden Milan Nedeljković das neue Ziel von einem bis drei Prozent aus.Die Nachricht traf die Aktien von BMW fast umgehend. Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate fielen BMW-Papiere um gut fünf Prozent. Und auch am Mittwochmorgen kehrte keine Ruhe ein. In der Spitze fiel der Kurs um zwölf Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Dienstag. Im Handelsverlauf dämmte sich der Verlust aber wieder auf rund sieben Prozent und 63,18 Euro ein. Vor zwölf Monaten standen die Aktien noch bei 73,44 Euro und damit 14 Prozent höher.Analyst Henning Cosman von der britischen Investmentbank Barclays sprach infolge der korrigierten Prognose von einer „dicken Margenwarnung“ der Münchner. Das schiere Ausmaß spreche dagegen, dass die Prognosesenkung als entlastendes Großreinemachen empfunden werde. Cosman sieht auch negative Signalwirkung für andere deutsche Autohersteller, gerade für Mercedes-Benz.Andere deutsche Hersteller werden in Mitleidenschaft gezogenFür die Aktien der Stuttgarter ging es am Mittwochmorgen ebenso drei Prozent bergab. Seit Juni vergangenen Jahres hat die Aktie rund 4,5 Prozent verloren. Für Mercedes und BMW wie für alle deutschen Autohersteller ist die Problemlage ähnlich: In China verlieren die Hersteller Marktanteile, der Wandel hin zur Elektromobilität ist noch nicht so profitabel, wie er sein müsste, und in Deutschland wird mit Personalabbau und Werksschließungen die Standortfrage immer offener gestellt. Die Verwerfungen wegen des Krieges in Iran kommen erschwerend hinzu. Und selbst die angekündigte Rahmenvereinbarung zwischen den USA und Iran, die auf Frieden hoffen lässt, scheint deutschen Autoaktien nicht den gleichen Aufwind zu geben, den sie anderen Bereichen verschafft hat.Aktien von Volkswagen kamen im Verlauf des Mittwochs mit einem Minus von 2,2 Prozent noch glimpflich davon. Auf Jahressicht tritt die VW-Aktie mit 0,8 Prozent Verlust auf der Stelle. Für die Wolfsburger steht am Donnerstag die digitale Hauptversammlung an. Der Redetext des Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume machte vorab schon klar, dass Volkswagen weiter um Einsparungen bemüht ist. „Bis 2030 arbeiten wir an jährlichen Netto-Einsparungen von sechs Milliarden Euro“, heißt es im Text. Fast symptomatisch erscheint die Nachricht vom Mittwoch, dass die Produktion des Modells T-Roc Cabrio im Werk in Osnabrück zeitweise gedrosselt würde.Analysten bewerten die Aktien der deutschen Autohersteller im internationalen Vergleich eher skeptisch. Laut dem Finanzdienst Bloomberg empfehlen momentan elf Analysten den Kauf von BMW-Papieren. Zehn raten zum Halten der Aktie, sieben zum Verkauf. Den Kauf der Volkswagen-Aktien empfiehlt immerhin noch etwas mehr als die Hälfte ihrer Beobachter. Die mittelfristigen Kursziele der Analysten für alle drei Aktien liegen dennoch zwischen 25 und 29 Prozent über den aktuellen Kursen.Ähnliche Schwierigkeiten im europäischen AuslandWie stehen aber die Aktien der internationalen Konkurrenz da? Die Papiere des zweitgrößten Automobilherstellers Europas, Stellantis, wurden am Mittwoch ebenso in Mitleidenschaft gezogen. Das Minus betrug im Handelsverlauf etwa 1,8 Prozent. Auf Jahressicht waren die Aktien des Konzerns allerdings eine wesentlich weniger gute Investition als die der deutschen Branchenvertreter: Fast ein Drittel ihres Wertes haben Stellantis-Aktien in den zurückliegenden zwölf Monaten verloren.Analysten sind auch hier skeptisch. Nur ein Drittel der von Bloomberg aufgelisteten empfiehlt den Kauf. Das durchschnittliche Kursziel von 7,72 Euro steht dennoch etwa 32 Prozent über dem aktuellen Kurs. Die Problemlagen des Unternehmens sind neben den allgemeinen Branchenproblemen vielschichtig. Zuletzt hatte Stellantis aber mit seinen Strategiewechseln hin zum Elektromotor und zurück zum Verbrenner sowie der Konzentration auf den amerikanischen Markt und einer schwachen Modellpalette zu kämpfen.Toyota, der größte Automobilhersteller der Welt, genießt indes das Vertrauen von Anlegern und Analysten, zumindest auf lange Sicht. Aktien der Japaner kosten an der Börse heute zwar etwa 16 Prozent weniger als noch zum Jahresanfang. Wer vor einem Jahr investierte, steht heute aber noch immer zehn Prozent besser da. Auch empfehlen hier mehr als drei Viertel der Analysten, sich die Papiere ins Portfolio zu holen.
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