An Russlands Tankstellen wird Benzin inzwischen mancherorts rationiert, Raffinerien brennen nach ukrainischen Drohnenangriffen, und nun drohen auch noch neue US-Sanktionen gegen das wichtigste Exportgut des Landes. Ausgerechnet die Ölindustrie, das wirtschaftliche Rückgrat des Kremls, gerät zunehmend unter Druck.

Noch ist zwar im geografisch größten Land der Erde von einem landesweiten Versorgungsnotstand keine Rede. Doch die Hinweise auf strukturelle Probleme in der Energiebranche mehren sich. Seit Mitte Mai häufen sich nämlich Berichte über Engpässe bei Benzin und Diesel, inzwischen haben die Probleme zahlreiche Regionen des Landes erreicht. In mehreren Gebieten wurden beispielsweise Verkaufsbeschränkungen eingeführt, große Mineralölkonzerne begrenzten zudem die Abgabemengen, und die Regierung in Moskau sah sich gezwungen, Raffinerien vorübergehend die Produktion von Kraftstoffen geringerer Qualitätsstandards zu erlauben.

Angriffe treffen das Herz der russischen Ölindustrie

Ein wesentlicher Auslöser der Entwicklung sind die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen. Nach Angaben von Bloomberg wurden allein im Mai mindestens acht der zehn größten russischen Raffinerien attackiert, einige davon mehrfach. Im Juni kamen weitere Anlagen hinzu.