Gehört mittlerweile mit allen Nachteilen zum zivil-urbanen Leben wie das Smartphone. Getty Images Wenn ich sonntags wegen der Arbeit von meinem Wohnquartier zum Hauptbahnhof muss, zieht der ratternde Rollkoffer auf dem Pflasterstein die Blicke auf sich. Ist das Ziehen eines Trolleys in Wohngebieten am Wochenende ein Fauxpas? – Gerard T., BaselLieber Gerard, Rollkoffer sind ein Symbol der Hypermobilität, die die Gesellschaft uns abverlangt. Sobald das Schicksal uns einen Partner in einer anderen Stadt, einen Job in einem anderen Kanton oder einen zu pflegenden Vater im fernen Heimatort zugeteilt hat, kann jeder und jede zu dieser Rollkofferexistenz werden. Dann sind wir selbst einer dieser rotäugigen Getriebenen, die rumpelnd zum Billigflieger hetzen, in Airbnbs in gentrifizierten Wohngegenden einfallen und dann Business in einer fremden Stadt verhandeln.Aber da der Rollkoffer vor allem ein Vehikel der Emanzipation ist, mit dem auch Frauen, Untrainierte und orthopädisch Auffällige ohne Schlepperei auf Reisen gehen können, nehmen wir diese Geräusche würdevoll hin, verbuchen sie unter «Stadtgerumpel» und dem guten Gefühl, nicht allein auf der Welt zu sein. Stil hat der Lärm natürlich nicht, aber manchmal ist der Zeitgeist einfach stärker als wir selbst.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: hatdasstil@nzz.ch Namen können geändert oder anonymisiert werden: hatdasstil@nzz.ch Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.