Welche Aktienkurse fliegen mit SpaceX zum Mond – oder gar zum Mars? Wenn ein Raumfahrtunternehmen den größten Börsengang aller Zeiten hinlegt und seine Aktien auch in den darauffolgenden Tagen noch erhebliche Kursgewinne verbucht, möchte man meinen, dass auch andere Aktienwerte in diesem Bereich mit auf der Börsenrakete fliegen könnten. Immerhin bringen die Falcon-Raketen von SpaceX auch vielerlei Satelliten anderer Hersteller in den Orbit.Für SpaceX liefen die ersten Tage wunderbar. Die Aktien des Unternehmens wurden am vergangenen Freitag für 135 Dollar ausgegeben. Am Dienstag gingen sie in New York mit 205,90 Dollar aus dem Handel. Damit sind die Aktien um die Hälfte mehr wert als noch am Freitag.Ein Blick auf die Börsenkurse im gesamten Raumfahrtbereich bringt jedoch Ernüchterung: Investoren scheinen mit der Versprechung, dass SpaceX einen ganzen Sektor beflügeln könnte, einer Euphorie aufgesessen zu sein, die nun wieder abflaut – wenngleich die langfristige Betrachtung noch immer positiv aussieht. Viele Chart-Kurven des Raumfahrtsektors sind in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen und erreichten ihre Höhepunkte Ende Mai, nachdem SpaceX den Antrag für seinen Börsengang an der Technologiebörse Nasdaq gestellt hatte. Seither fallen die Kurven aber wieder ab.Was machen kleinere Konkurrenten im Windschatten von SpaceX?In der Größenordnung von SpaceX und seiner Dienstleistungen gibt es keine Konkurrenten, die an der Börse notiert sind. Daneben tummeln sich aber viele kleinere Hersteller und Dienstleister, die an eigenen Satellitennetzwerken und Raketen werkeln. Einer ist zum Beispiel das amerikanische Unternehmen Rocket Lab, das in etwa den Weltraum-Dienstleistungen von SpaceX nacheifert, allerdings im kleineren Maßstab.Im Jahr 2021 ging Rocket Lab per Börsenmantel an die Nasdaq. Seither konnten sich Anleger über Kursgewinne freuen. In den vergangenen zwölf Monaten belief sich das Kursplus auf rund 320 Prozent. Wer sich die Papiere aber im Mai im Windschatten der SpaceX-Ankündigungen ins Depot geholt hat, dürfte nun mit einem Verlust dastehen. Seit dem Kurshoch von rund 150 Dollar am 27. Mai ist der Kurs wieder um rund 27 Prozent auf etwa 109 Dollar zurückgefallen. Zwar soll Rocket Lab ab 22. Juni in den Index Nasdaq 100 aufgenommen werden. Aber selbst diese Nachricht konnte die Aktien des Unternehmens vor dem SpaceX-Abwärtssog nicht bewahren.Auch die Aktien des Satellitenherstellers AST Space Mobile ereilte ein ähnliches Schicksal. Am 28. Mai wurden die Papiere für rund 133 Dollar gehandelt, am Dienstag nur noch zu rund 89 Dollar, also gut ein Drittel günstiger. AST Space Mobile arbeitet an einem eigenen satellitengestützten Mobilfunknetz. Dafür bedient sich das Unternehmen auch der Startdienstleistungen von SpaceX. So zeigt sich allerdings, dass auch eine Zusammenarbeit mit Elon Musks Unternehmen nicht vor dem leichten Abebben der Weltraum-Euphorie bewahrt.Kurzlebige Euphorie oder langanhaltender Trend?Die gleiche Bewegung zeichnen Fonds und Indizes nach. Mit der Index-Reihe „Kensho“ will der Indexanbieter S&P Global die abbilden, wie sich aufstrebende Wirtschaftsbereiche an der Börse entwickeln. Sowohl die amerikanische Variante als auch die globale für den Bereich Raumfahrt verzeichneten einen Anstieg bis Ende Mai, der dann abrupt endete. Dasselbe gilt für Fonds wie den Van Eck Space Innovators ETF.Die Vermutung, dass es im Bereich der Raumfahrt eine leicht überzogene Euphorie gab, wird noch durch den Vergleich mit marktbreiten Indizes erhärtet. Der amerikanische Russell Midcap Index steht zum Beispiel heute rund zwei Prozent höher als noch am 28. Mai.Ist nach dem SpaceX-Beben also die falsche Zeit, um in den Sektor zu investieren? Ein gewisser Appetit scheint weiterhin vorhanden. Wie die F.A.Z. berichtete, will der Finanzinvestor KKR Anteile am Bremer Satellitenhersteller OHB an der Börse platzieren. Zudem kündigte OHB eine Kapitalerhöhung um etwa 500 Millionen Euro an. Die Eigentümerfamilie und KKR hoffen offenbar darauf, dass eine neue Platzierung von Aktien im Zuge der Weltraum-Rally institutionelle Investoren und Fonds anlockt.Derzeit halten sich Analysten, die von der F.A.Z. mit der Bitte für ein Gespräch über Weltraum-Aktien kontaktiert wurden, noch mit ihren Einschätzungen zurück. Manche dürfen gar wegen der Beteiligung ihrer Bankhäuser am SpaceX-Börsengang noch nicht über das weitere Geschehen am Weltraum-Markt sprechen. Dazu muss sich offenbar erst der Nebel an der Börse nach dem Raketenstart wieder lichten.