Als vor 32 Jahren die WM in Amerika startete, war die deutsche Fußballwelt noch intakt. Deutschland, der Titelverteidiger und Weltmeister, galt als großer Favorit und auf Jahre unschlagbar. Doch schon das Eröffnungsspiel in Chicago erdete die deutschen Überflieger schnell. Deutschland tat sich unerwartet schwer, was an zwei Gegnern lag: Bolivien und der extremen Hitze auf dem Platz. Jürgen Klinsmann, der in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer schoss, sagte, er habe bereits nach zwanzig Minuten das Gefühl gehabt, bei brutaler Schwüle und Mittagssonne gegen eine Wand zu rennen. Zur Halbzeit verweigerte er das Trinken, um sich keine Magenprobleme zuzuziehen. Nach dem Spiel mussten die Deutschen an den Tropf. Die Hitze als Gegner begleitete die Deutschen damals durch das Turnier, Rudi Völler, aktueller Sportdirektor des DFB, verzichtete beim dritten Vorrundenspiel bei der Hitzeschlacht von Dallas sogar freiwillig auf einen Starteinsatz. „Es wird niemals mehr ein Spiel geben, wo es so heiß war wie damals in Dallas“, sagte er kürzlich bei einer Pressekonferenz. Wenn er sich da mal nicht täuscht. Klimaforscher warnen in einer aktuellen Studie vor noch extremeren Bedingungen als vor 32 Jahren. Das Risiko von Spielern und Fans, extremer Hitze und strapaziöser Schwüle ausgesetzt zu sein, habe sich seit der WM 1994 beinahe verdoppelt, schreibt die Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) in einer Analyse aller WM-Spielorte. Der Grund hierfür sei eindeutig: der Klimawandel. Das Risiko, unter extremen Bedingungen zu spielen, ist überwiegend auf die vom Menschen verursachte Erwärmung zurückzuführen, schreiben die Forscher.