ErklärtLeitungswasser erfüllt hohe Standards. Zwei einfache Massnahmen erhöhen die Qualität nochZwei Fachleute halten Wasserfilter für überflüssig und haben bessere Tipps für alle, die Wasser aus dem Hahn trinken.Nina Himmer17.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIllustration Simon Tanner / NZZLeserfrage: Welches Wasser ist besonders gesund? Und sollte man es vor dem Trinken filtern?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das beste Trinkwasser gibt es meist ganz in der Nähe: «Einfach den Wasserhahn aufdrehen, kurz laufen lassen und abfüllen», sagt der Umweltökonom Siegfried Gendries, der früher für einen Wasserversorger arbeitete und heute als unabhängiger Berater tätig ist. Für ihn liegen die Vorteile von Leitungswasser auf der Hand: «Es ist günstig, ökologisch nachhaltig und gesund.»Wohl & Sein antwortetIn der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz und in Österreich gehört Leitungswasser zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln, es wird nach strikten Vorgaben gereinigt, gefiltert und auf Grenzwerte hin überprüft – nicht nur am Wasserwerksausgang, sondern auch im Leitungsnetz. «Die Analysedaten kann jeder beim zuständigen Wasserversorger einsehen, ein Blick auf die Website genügt dafür», sagt Gendries. Zwar komme es hin und wieder zu Verunreinigungen, zum Beispiel, infolge von Wasserrohrbrüchen oder nach schweren Regenfällen. «Das sind aber Einzelfälle, die schnell erkannt und behoben werden.»Für den Wasserexperten gibt es deshalb keinen Grund, auf Wasser in Flaschen auszuweichen – zumal es Mikroplastik enthalten kann. Auch von Wasserfiltern für die Küche hält er wenig: «Die meisten bieten keinen Mehrwert und wiederholen einfach nur Filterprozesse, die ohnehin durchgeführt wurden.» Zwei Tipps für gesunden Wassergenuss hat er dennoch.Das Wasser aus dem Hahn kurz laufen lassen«Den Wasserhahn kurz laufen lassen, bis der Strahl merklich kühler wird», rät Siegfried Gendries. So vermeide man, Schadstoffe aus Rohren oder Armaturen aufzunehmen, die ins Wasser gelangen können, wenn es länger in den Leitungen stehe.Diese Empfehlung deckt sich mit einer der ETH Zürich, die 2024 das Trinkwasser älterer Gebäude auf Schwermetalle untersuchte – und dabei vereinzelt erhöhte Werte von Blei und Nickel fand. Diese stammten aus Materialien, die in verchromten Armaturen oder solchen aus Messing oder Rotguss verbaut waren. Wer das Wasser kurz laufen lässt, entgeht diesem Problem. Nach ETH-Angaben genügen dafür meist wenige Sekunden. «Gerade nach längerer Standzeit, etwa nach den Ferien, dürfen es bei älteren Gebäuden aber durchaus ein paar Minuten sein», rät Gendries.Für die Ernährungswissenschafterin Dagmar von Cramm kommt das Wasser der Wahl ebenfalls aus dem Hahn: «Man kann sich darauf verlassen, ein sicheres und gesundes Lebensmittel zu erhalten.» Je nach Region könne allerdings der Geschmack stark variieren. In diesem Fall könne sie durchaus verstehen, wenn Menschen Filter nutzten, um Wasser zum Beispiel zu enthärten.«Aus gesundheitlicher Sicht ist das aber nicht notwendig», betont sie. Im Gegenteil können Filter sogar Gefahren bergen, weil sie Hygieneprobleme mit sich bringen: «Die Filterkartuschen müssen regelmässig getauscht werden, um die Keimbelastung gering zu halten.» Von Filtern, die den pH-Wert beeinflussen, hält von Cramm nichts: «Das schafft unser Körper wunderbar allein, für Säure hat er eigene Puffersysteme.» Und wie steht es um die Mineralstoffversorgung? «Auch Leitungswasser enthält Mineralien. Wer sich ausgewogen ernährt und Leitungswasser trinkt, ist in der Regel gut versorgt.»Siegfried Gendries ergänzt zum Thema Wasserfilter: «Viele lassen sich aus Sorge um die Wasserqualität aus der öffentlichen Leitung zum Kauf von Wasserfiltern verleiten, vergessen aber die viel wichtigere Hausinstallation.» Hinter dem Wasserzähler etwa befinde sich oft ein hauseigener Filter, den man regelmässig durchspülen sollte.Ausnahmen für Sportler, Senioren, Veganer und BabysDie Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm würde nur in wenigen Fällen zusätzlich zu Mineralwasser aus Flaschen raten – in Glasflaschen wohlgemerkt, um allzu viel Mikroplastik im Wasser zu vermeiden. «Für Sportler, Senioren und Veganer kann Mineralwasser eine sinnvolle Ergänzung sein, um an bereits gelöste und damit für den Körper gut verwertbare Mineralstoffe wie Kalzium oder Magnesium zu kommen», sagt sie.Sportler haben dafür einen erhöhten Bedarf, weil sie viel schwitzen. Veganer brauchen zusätzliche Kalziumquellen, weil sie auf Milchprodukte verzichten. Und ältere Menschen essen oft nicht genug, um ihren Nährstoffbedarf zu decken. Als kalziumreich gilt Wasser ab 150 Milligramm pro Liter, als magnesiumreich ab 50 Milligramm pro Liter. Die Expertin würde zusätzlich darauf achten, dass Mineralwasser reich an Bicarbonat, aber eher natriumarm ist.Besonders wichtig ist jedoch, das richtige Wasser für Babys zu wählen: In manchen Regionen sind die Nitratwerte zu hoch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung. Und nagelneue oder sehr alte Wasserrohre im Haus können erhöhte Schwermetallwerte enthalten. «In beiden Fällen sollte man geeignetes Wasser aus Flaschen verwenden», so die Expertin. Für alle anderen hat sie einen Leitungswasser-Tipp: Auch sie würde das Wasser kurz laufen lassen – und es danach kühl halten, um der Keimbelastung vorzubeugen. «Thermosflaschen kann man ruhig auch im Sommer nutzen, nur eben zum Kühlen.»Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].Passend zum Artikel
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