PfadnavigationHomeICONISTFitness & WellnessAromawasser-Trend„Es muss aufgemotzt werden“ – warum pures Wasser nicht mehr reichtStand: 08:07 UhrLesedauer: 3 MinutenEs schmeckt nach etwas, hat aber kaum KalorienQuelle: Getty Images/Nugroho RidhoFrüher trank man Wasser. Heute braucht es Birne, Pfirsich oder andere Sirup-Sorten für den Geschmack. Über den Boom aromatisierter Getränke, die Angst vor Langeweile – und die Frage, warum selbst H₂O nicht mehr naturbelassen sein darf.Puristen haben es gerade schwer. Alles gibt es gefühlt nur noch mit Zugaben. Matcha mit Mango. Schokolade mit Pistazienfüllung. Matcha-Schokolade mit Erdbeerfüllung. Pizza mit Trüffel. Fisch mit Trüffel. Dauernd wird zu irgendwas Trüffel oder Trüffelöl hinzugefügt. Nur nicht im Wasser. Aber das kommt vielleicht noch. Denn Wasser mit Aroma ist gerade sehr beliebt. „Flavored Water“ habe ich zum ersten Mal in den USA kennengelernt, wo mein Partner, ein New Yorker, seinen Kühlschrank mit Zwölferpacks Dosen einer Marke namens Lacroix füllte. Ich sprach den Namen französisch aus, er sagte „Lakroi“. Es gibt Lacroix in Sorten wie Pfirsich, Cranberry oder Wassermelone. Ich mag Grapefruit und Limette. Das Versprechen hinter dem Aromawasser: Es schmeckt nach etwas, hat aber kaum Kalorien, weil dieses „etwas“ letztlich aus Aromastoffen und manchmal Süßungsmitteln zusammengemischt wird. Lesen Sie auchKürzlich saß ich mit einer Freundin beim Japaner, als sie ein kleines, buntes Fläschchen neben ihr Wasserglas stellte. Sah nach Kaugummipackung aus, war aber ein hochkonzentrierter Sirup, den sie sich tropfenweise ins Wasser träufelte. Ihre Variante (Birne) stammte von der Firma More Zerup, aber wie ich wenige Wochen später von einer Freundin meiner Großmutter erfuhr, gibt es so etwas auch bei Aldi („Peach“). Und als ich vergangene Woche am Berliner Flughafen meine Trinkflasche am Wasserspender auffüllen wollte, wartete ich auf das junge Mädchen vor mir, das gerade noch einen Schuss Sirup in seine fliederfarbene Flasche spritzte.Alle Generationen scheinen sie zu lieben, die kompakten, leicht zu transportierenden Zaubertränke, die langweiliges H₂O in einen alkoholfreien Fruchtcocktail verwandeln. Es gibt auch Flaschen mit Aufsätzen, sogenannten Aroma-Pods, die den Geschmackssinn über Düfte beeinflussen, ohne das Wasser selbst zu aromatisieren. Lesen Sie auchEinerseits scheinen Menschen besessen davon zu sein, genug Flüssigkeit aufzunehmen, und tragen Stanley-Cups so groß wie Kaffeekannen mit sich herum. Andererseits darf Wasser nicht mehr nur nach Wasser schmecken. Es muss aufgemotzt, aufgepimpt, veredelt werden. Sonst ist es „langweilig“. Meinem Großvater war Wasser auch zu langweilig. Er trank Bier. Das ist auf die Dauer natürlich nicht so gesund. Aber ich weiß nicht, ob Fake-Früchte-Flavors in Mini-Plastikampullen die beste Alternative sind. Lesen Sie auchEin Start-up namens Wild & Water, das im März in der Sendung „Höhle der Löwen“ auftrat und zuckerfreie Wasserzusätze aus Tee-Extrakten, Kräutern und Früchten verkauft, bietet sein Produkt immerhin in Glasflaschen an. Die Firma aus Berlin sagt, sie verzichte auf künstliche Süß- und Zusatzstoffe. Die Investoren der Sendung überzeugte sie nicht. Der Fitness-Influencer Christian Wolf, Unternehmer hinter der Firma More Nutrition und ihren Zerup-Sirups, macht derweil Milliardenumsätze. Und verkauft auch Geschmackspulver in Sorten wie „Fudge Brownie“ und „Raspberry Panna Cotta“, die man sich in den Joghurt mischen kann. Die Geschmacksrichtung Trüffel gibt es nicht. Noch nicht. Silvia Ihring schreibt in ihrer Kolumne „Körpereinsatz“ über das Streben nach der richtigen Balance zwischen Fitness-Trends, sportlichem Ehrgeiz und Spaß an der Bewegung.