Die reichsten Menschen der Welt: Mansa Musa verschenkte so viel Gold, dass er eine Währungskrise auslöste, Jakob Fugger bestimmte, wer Kaiser wird, und Elon Musk baut eine Stadt auf dem MondElon Musk ist der erste Billionär der Geschichte. Aber ist er auch der reichste Mensch aller Zeiten? Das kommt darauf an, wie man rechnet.17.06.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenSo reich wie sonst niemand: Elon Musk im Januar 2025 vor der Amtseinführung von Donald Trump in der Rotunde des Kapitols in Washington.Chip Somodevilla / Pool-Foto / APEine Eins. Und dann zwölf Nullen. Das sind eine Million Millionen. Tausend Milliarden. Oder eine Billion. So viele Dollar hat Elon Musk. Genau genommen sind es ein bisschen mehr, aber in diesen Grössenordnungen spielt das schon fast keine Rolle mehr. Eine immense Summe. Bereits vor dem Börsengang seiner Firma SpaceX war Musk der reichste Mann der Welt. Aber jetzt ist er der erste Mensch, dessen Vermögen die magische Grenze von 1 Billion Dollar überschreitet. Das ist etwa so viel wie das Bruttoinlandprodukt der Schweiz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In Hundert-Dollar-Noten aufgeschichtet, würde der Turm von Musks Vermögen rund tausend Kilometer in die Höhe ragen. Bis in den Weltraum, wo Satelliten still ihre Kreise ziehen. Gäbe Musk jeden Tag eine Million davon aus, würde es mehr als zweitausendsiebenhundert Jahre dauern, bis das Geld aufgebraucht wäre. Aber es wäre auch dann nicht aufgebraucht. Denn während er es ausgäbe, würde das Vermögen weiter wachsen. Durch Zinsen.Mit dem SpaceX-Deal hat sich Musk von der Spitzengruppe der Superreichen abgesetzt. Und zwar deutlich. Der Google-Mitgründer Larry Page, nach den gängigen Listen der zweitreichste Mann der Welt, wird auf etwas über 300 Milliarden geschätzt, Jeff Bezos auf 270 Milliarden. Bill Gates’ Erspartes von rund 100 Milliarden wirkt daneben schon fast bescheiden. Aber klar, das kann sich rasch ändern. Die Vermögen bestehen zu grossen Teilen aus Aktien und Anteilen an Unternehmungen, deren Wert sich von Tag zu Tag ändern kann. Möglich also, dass Elon Musk übermorgen erwacht und kein Billionär mehr ist.Gab es je einen Menschen, der so reich war wie Elon Musk? Ist er nicht nur der reichste Mensch der Gegenwart, sondern der reichste Mensch aller Zeiten? Das kommt darauf an, wie man rechnet. Geldwerte sind historisch schwer zu vergleichen. Vermögen noch schwieriger, weil sie aus Geld, Guthaben, Finanzanlagen, Immobilien, Kunstwerken, Lizenzen und anderen Gütern bestehen, deren Wert über die Zeit stark variieren kann. Bewegt man sich im Industriezeitalter, ist der Fall noch einigermassen klar. Jedenfalls wenn man sich an den Wert hält, den die Vermögen in ihrer Zeit hatten.Wer die Wirtschaft kontrolliertJohn D. Rockefeller, der als Gründer der Standard Oil Company zeitweilig 90 Prozent der amerikanischen Ölindustrie kontrollierte, verfügte 1916 über ein Vermögen von 1 Milliarde Dollar. Das schätzte jedenfalls die «New York Times» aufgrund einer Einkommenssteuererklärung. Eine Milliarde sind viel weniger als Musks Billion. Aber noch immer anständig viel. Nach heutiger Kaufkraft wären es um die 30 Milliarden. Aufgerechnet auf die heutige Wirtschaftsleistung der USA rund 400 Milliarden Dollar.John D. Rockefeller beschenkt an Weihnachten 1930 in seiner Winterresidenz in Florida Kinder.Keystone-France / Rapho / GettyRockefellers Vermögen entsprach damals rund 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts der USA. Elon Musks Vermögen beläuft sich auf gut 3 Prozent der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung Amerikas. Bei Andrew Carnegie, dem Stahl-Tycoon des 19. Jahrhunderts, sieht es ähnlich aus. Er verkaufte seine Firma US Steel 1901 für 480 Millionen Dollar an eine Investorengruppe um den Bankier J. P. Morgan. Heute wären das fast 20 Milliarden. Weit weg von Musks Billion.Der Industrielle John Davidson Rockefeller (1839–1937) kontrollierte zeitweilig fast die gesamte Ölindustrie Amerikas.Orbis / GettyDoch es kommt nicht nur darauf an, wie man Reichtum berechnet, sondern auch darauf, was man darunter versteht. Reichtum ist nicht nur Geld, sondern auch Macht, die Wirtschaft zu kontrollieren. Gemessen daran, halten einige Ökonomen Josef Stalin für den reichsten Mann aller Zeiten. Nicht wegen seines Eigentums und schon gar nicht wegen der Werte, die er selbst erarbeitet hat. Aber er übte die Kontrolle über eine der grössten Volkswirtschaften der Welt aus. 1950 erbrachte die Sowjetunion fast 10 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet wären das 7,5 Billionen Dollar. Deutlich mehr, als Elon Musk besitzt.Vor dem 19. Jahrhundert sind es nur noch Könige und Fürsten, die Musk den Titel des reichsten Menschen aller Zeiten streitig machen könnten. Mit einer Ausnahme: Jakob Fugger. Ohne Hilfe des Augsburger Kaufmanns und Bergbauunternehmers, der zugleich Bankier der Habsburger war, hätte Karl V. Anfang des 16. Jahrhunderts seine Wahl zum Kaiser nie finanzieren können. Schliesslich mussten die Kurfürsten bestochen werden. Das kostete. Ausserdem bezahlte Fugger dem Königshaus grosszügig Kriegszüge und den Kauf von Ländereien.Politik mit dem Checkbuch: Jakob Fugger verbrennt die Schuldverschreibungen Kaiser Karls V. im Haus der Fugger, Augsburg, 1535, nach einem Gemälde von Karl Becker.ImagoGold für EuropaAuf moderne Verhältnisse hochgerechnet, belief sich Fuggers Vermögen auf rund 400 Milliarden Dollar. Damit stellt er die meisten Superreichen von heute in den Schatten. Elon Musk würde Fugger schlagen, jedenfalls in absoluten Zahlen. Aber setzt man ihre Vermögen in Beziehung zur Volkswirtschaft ihres Landes, schneidet Fugger deutlich besser ab. Er kontrollierte zeitweise rund 10 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Heiligen Römischen Reiches. Allein durch sein Monopol im Silber- und Kupferbergbau führte kein Weg an ihm vorbei.Ohne Fugger ging nichts im Heiligen Römischen Reich. Er betrieb Politik mit dem Checkbuch. Dass die Habsburger über kostspielige Heiraten die Königreiche Böhmen und Ungarn übernehmen konnten, verdankten sie Fuggers Geld. Mit Krediten an den Vatikan steuerte er die Vergabe von Bistümern, und die Wahl des spanischen Königs Karl I. zum Kaiser unterstützte er mit einem Betrag, der heute rund 100 Millionen Euro entsprechen würde. Musk gab eine Viertelmilliarde Dollar an Trumps Wahlkampf. Ob das entscheidend zur Wahl beitrug, weiss niemand.Jakob Fugger, porträtiert von Lorenzo Lotto (um 1520).ImagoRockefeller, Carnegie, Fugger: So reich wie Elon Musk war keiner. Ausser man geht noch weiter zurück in der Geschichte. Zu Mansa Musa. Der König von Mali aus dem 14. Jahrhundert war Billionär, soweit man seinen Besitz mit modernen Vermögen vergleichen kann. Bereits zu Lebzeiten galt er als «König der Könige» und reichster Mensch der Welt. Schon sein Reich war riesig. Es erstreckte sich von der Sahara bis zu den tropischen Regenwäldern und von der Küste des Atlantischen Ozeans bis weit in den Osten Afrikas.Noch grösser als das Reich war Mansa Musas Reichtum. Er beruhte auf Bodenschätzen: Kupfer und vor allem – Gold. In Europa war das damals begehrt. Und Mangelware. Seit dem späten 13. Jahrhundert wurden immer mehr Goldmünzen geprägt. Die europäischen Goldminen waren weitgehend erschöpft und vermochten den Bedarf der aufstrebenden Wirtschaft bei weitem nicht zu decken. Man war auf Goldimporte aus Afrika angewiesen und bezahlte teuer. Über Handelsrouten und Zwischenhändler kam das afrikanische Gold ins Mittelmeergebiet und sicherte Europas Liquidität.Sechzigtausend BegleiterDie zeitgenössischen Berichte über Mansa Musa erinnern an «Tausendundeine Nacht». Doch man kann sie nicht einfach als Legenden abtun. Dafür sind die Nachrichten über die Handelsbeziehungen zu konkret. Auch wenn es in den Erzählungen über seinen Hofstaat nur so funkelt von Gold, Silber und Edelsteinen. Auf seiner Pilgerreise nach Mekka soll Mansa Musa von einer Karawane von rund sechzigtausend Untertanen begleitet worden sein. Achtzig Kamele führte er mit sich, von denen jedes mit dreihundert Pfund Gold bepackt war. Gegen zwanzig Tonnen Gold soll er insgesamt im Gepäck gehabt haben. Nach heutigem Wert wären das mehr als 2 Milliarden Franken.Der König der Könige: Im Katalanischen Weltatlas von 1375 wird Mansa Musa als Herrscher mit goldenem Zepter und einer goldenen Kugel dargestellt.Hulton Archive / GettyMansa Musa war grosszügig. Sehr grosszügig. Würdenträger und Beamte, denen er begegnete, beschenkte er mit Gold. In Kairo liess er dem Sultan 5000 Gold-Dinar zukommen. Einfach so, als Begrüssungsgeste. Und er verteilte sein Gold so verschwenderisch, dass es in Ägypten zu einer Währungskrise kam. Der goldgestützte Dinar verlor rasant an Wert, weil Gold auf einmal allgegenwärtig war, und soll sich erst Jahre nach Mansa Musas Besuch wieder erholt haben.Mansa Musa zelebrierte seinen Reichtum. Ganz im Gegensatz zu Fugger, Carnegie oder Rockefeller, die betont bescheiden lebten und Prunk ablehnten. Alle verstanden ihren Reichtum als Verpflichtung, ihr Vermögen zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen. Auch Mansa Musa förderte Kunst, Literatur und Bildung. Zeitgenössische Darstellungen zeigen ihn auf einem Thron mit einer goldenen Krone, in der einen Hand ein Zepter aus Gold, in der anderen eine goldene Kugel. Gold war seine Macht, doch sie erwies sich am Ende als brüchig. Nach Musas Tod zerfiel das Reich, wurde geplündert. Heute ist Mali eines der ärmsten Länder der Welt.Karawane ohne Ende: Auf seiner Pilgerreise nach Mekka soll Mansa Musa von sechzigtausend Untergebenen begleitet worden sein. Kupferstich nach einem Gemälde aus dem 16. Jahrhundert.ImagoVielleicht war Mansa Musa tatsächlich der reichste Mann aller Zeiten. Möglicherweise war der reichste Mensch aller Zeiten aber eine Frau: Königin Hatschepsut. Sie regierte als erste weibliche Pharaonin im 15. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten, herrschte über eines der grössten Reiche der Geschichte, kontrollierte den Handel im gesamten östlichen Mittelmeerraum und verfügte über immense Vorkommen an Gold, Kupfer und anderen Edelmetallen, deren Wert sich nach heutigem Stand locker auf über 2 Milliarden Dollar belief.Über die Welt hinausNach einer Berechnung, die das «Time Magazine» vor einigen Jahren angestellt hat, betrug der Anteil von Hatschepsuts Vermögen am damaligen weltweiten Bruttoinlandprodukt rund 20 Prozent. Absolut unerreicht also. Aber auch schon sehr lange her. Nach dreieinhalbtausend Jahren lassen sich die Positionen der königlich ägyptischen Buchhaltung nicht mehr bestimmen. Preise schwanken, der Wert von Waren verändert sich genauso wie die Lebensgewohnheiten der Menschen.Ägypten im Jahr 1460 v. Chr., Mali im 14. Jahrhundert, das Heilige Römische Reich und die USA im Jahr 2026 – das sind verschiedene Welten, auch und gerade, was Geld betrifft. Also ist vielleicht doch Elon Musk der reichste Mann aller Zeiten. Er ist zumindest der erste Multimilliardär, der seinen Einflussbereich über die Welt hinaus ausdehnen will. Auf dem Mars will er eine Aussenstation der Erde bauen. Allerdings erst in ein, zwei Jahrzehnten. Zuerst einmal soll eine Stadt auf dem Mond entstehen.Sie herrschte über ein Riesenreich und verfügte über immense Bodenschätze: die ägyptische Königin Hatschepsut, etwa 1479–1458 v. Chr.The Metropolitan Museum of Art, New YorkPassend zum Artikel