Herr Alfani, Elon Musk ist schon heute der reichste Mensch der Welt und könnte nach dem SpaceX-Börsengang noch reicher werden. Ist er auch der reichste Mensch, der je gelebt hat?Solche Vergleiche zwischen den Superreichen verschiedener Epochen, etwa zwischen dem alten Rom und heute, sind schwierig. Man kann aber vergleichen, wie viele normale Arbeitskräfte ihrer jeweiligen Zeit die Reichen mit den Einkünften aus ihrem Vermögen bezahlen könnten. Und da ist Elon Musk definitiv der reichste Mensch aller Zeiten. Der reichste Mann im alten Rom, Marcus Licinius Crassus, hätte 32.000 Arbeitskräfte bezahlen können, der erste Milliardär John D. Rockefeller 116.000. Musk hätte sich im vergangenen Jahr mehr als 550.000 Arbeitskräfte leisten können.Ist es heute einfacher als früher, große Reichtümer anzuhäufen?Ja. Zwei Dinge spielen dabei eine Rolle. Früher haben die Superreichen ihr Vermögen auf nationaler Ebene gemacht. Auch John D. Rockefeller hat sein Geld mit Öl vor allem in Amerika verdient. Heute sind die Unternehmen der Reichsten global aktiv. Wir haben eine sehr integrierte Weltwirtschaft. Der zweite Grund ist, dass wir diese Menschen so reich werden lassen.Wie meinen Sie das?Anfang des 20. Jahrhunderts, als Leute wie Rockefeller große Reichtümer anhäuften, gab es in Amerika die Sorge, welcher politische Einfluss mit solchen Vermögen einhergeht. Dann wurde etwas unternommen, um das zu verhindern. Rockefellers Unternehmen Standard Oil wurde aufgespalten, um die Konsumenten zu schützen, aber auch die amerikanische Demokratie. Heute ist das anders: Im Jahr 2000, als Bill Gates der reichste Mensch der Welt war, gab es ein Gerichtsurteil, das Microsoft als Monopolisten einstufte. Aber die Firma wurde nicht zerschlagen. Das war das Signal an die gesamte Branche, dass sie ungehindert wachsen kann.