Am 6. Juli 2019 landet Jeffrey Epsteins Privatjet aus Paris auf dem Flughafen Teterboro bei New York. Auf dem Rollfeld warten ein Dutzend FBI-Agenten. Noch im Terminal tippt Epstein eine letzte Nachricht an Trumps früheren Berater Steve Bannon: „Alles abgesagt.“ Auf der Fahrt nach Manhattan fragt er, ob es um Sexhandel mit Minderjährigen gehe. Es geht darum. „Oh, das ist schlimm“, sagt er bei der Aufnahme. „Das ist wirklich schlimm.“35 Tage später ist er tot. Am Morgen des 10. August 2019 findet ein Wärter ihn erhängt in seiner Zelle, an einer Schlinge aus orangefarbenem Knaststoff. Sieben Jahre danach hat ein Team der New York Times aus Millionen freigegebener Aktenseiten und mehr als 40 Gesprächen die bisher genaueste Rekonstruktion dieser Tage erstellt. Ihr Ergebnis ist ein Schluss, den die halbe Welt nicht hören will.

Vom Imperium zur Nummer 76318-054

Schon in der ersten Nacht fällt einer Mitarbeiterin der neue Häftling auf: „verstört, traurig und ein wenig verwirrt“, schreibt sie, man möge die Psychologie schicken. Dass dieser Mann eben noch über ein Imperium aus Luxus und Einfluss herrschte, ahnt niemand. Aus Jeffrey Epstein ist Insasse 76318-054 geworden.Sein Schicksalsort ist das Metropolitan Correctional Center, ein brutalistischer Betonklotz, berüchtigt für Verfall und Personalmangel, 2021 geschlossen. Einen geschützten Trakt für prominente Gefangene gibt es nicht. Also landet Epstein im Strafbereich SHU, wo Häftlinge 23 Stunden am Tag isoliert sitzen.