Die neuesten EntwicklungenDer Fall Epstein: Angeblicher Abschiedsbrief veröffentlichtDer Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gewinnt erneut an politischer Brisanz. Von Donald Trump über die Clintons bis hin zum britischen Adel geraten einflussreiche Weggefährten unter massiven Erklärungsdruck.NZZ-Redaktion21.05.2026, 09.12 Uhr8 LeseminutenAktualisiertDonald Trump und seine spätere Ehefrau Melania mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell im Mar-a-Lago in Florida im Februar 2000.Davidoff Studios Photography / Archive Photos / GettyDie neuesten Entwicklungen:Ein New Yorker Gericht hat einen angeblichen Abschiedsbrief Jeffrey Epsteins veröffentlicht. Es folgte damit am 6. 5. einem Antrag der «New York Times». Die Echtheit des Dokuments lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Bislang war es nicht Teil der Untersuchungen des Justizministeriums. Epstein soll es vor einem ersten mutmasslichen Suizidversuch im Juli 2019, wenige Wochen vor seinem Tod, verfasst haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.InhaltsverzeichnisWorum geht es im Fall Epstein?Inwiefern kann der Fall Epstein der Trump-Regierung politisch schaden?Was hat Ghislaine Maxwell mit den Vorwürfen gegen Epstein zu tun?Welche Personen sind sonst in den Skandal involviert?Worum geht es im Fall Epstein?Der amerikanische Investmentbanker und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist seit Jahren tot, aber sein Vermächtnis beschäftigt bis heute. Epstein baute ein System auf, das den Missbrauch Minderjähriger ermöglichte.Im Dezember 2025 und Ende Januar 2026 hat das amerikanische Justizministerium Millionen Seiten aus Ermittlungs- und Gerichtsakten veröffentlicht. Darin dokumentiert sind Verbindungen Epsteins zu zahlreichen mächtigen Personen aus Wirtschaft, Politik und Kultur: über Elon Musk zu Bill Gates bis zu Bill Clinton, Prinz Andrew, dem früheren Barclays-CEO Jes Staley oder dem ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon. Die Liste ist lang.Grundlage dafür ist die im Jahr 2025 verabschiedete «Epstein Transparency Act», die die Behörden zur vollständigen Offenlegung aller Ermittlungsakten verpflichtet, sofern keine Interessen der nationalen Sicherheit entgegenstehen.2019 war Epstein auf Bundesebene wegen Sexhandels mit Minderjährigen und Verschwörung dazu angeklagt worden. Zu einem Schuldspruch kam es in diesem Fall nicht. Epstein wurde am 10. August 2019 tot in seiner Zelle in New York aufgefunden; offiziell wurde sein Tod als Suizid eingestuft. Er starb mit 66 Jahren.Jeffrey Epstein soll laut einem Bericht vor seinem Suizid ein Abschiedsschreiben verfasst haben. Dies hat die «New York Times» Anfang Mai 2016 berichtet. Sie berief sich dabei auf einen Mitinassen, der das Schreiben nach einem ersten mutmasslichen Suizidversuch Epsteins im Juli 2019 in einem Comic-Roman gefunden haben will. Er habe das Schreiben seinen Anwälten übergeben, um Vorwürfe zu entkräften, wonach er Epstein angegriffen habe, berichtete die Zeitung.Wenige Tage nach der Veröffentlichung der «New York Times» hat ein New Yorker Gericht den angeblichen Abschiedsbrief Jeffrey Epsteins veröffentlicht. Es heisst darin: «Sie haben monatelang gegen mich ermittelt – UND NICHTS GEFUNDEN!!!». Es sei «ein Privileg, sich den Zeitpunkt für den Abschied selbst aussuchen zu können». Das Schreiben erwähnt weder Epsteins Namen noch ist es unterschrieben. Sollte das Schreiben authentisch sein, könnte es Einblick in den psychischen Zustand Epsteins in den Wochen vor seinem Tod geben.Bereits 2008 hatte Epstein wegen fast identischer Anschuldigungen vor Gericht gestanden. Damals wurde er allerdings nur zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt, von denen er rund dreizehn verbüsste, weitgehend mit privilegiertem Work-Release. Kritiker gehen davon aus, dass Epsteins weitreichende Kontakte zu einflussreichen Personen eine Rolle bei dem ungewöhnlich milden Deal mit der Staatsanwaltschaft spielten.Der damalige Vergleich mit der Staatsanwaltschaft gilt bis heute als einer der umstrittensten Justiz-Deals der jüngeren amerikanischen Geschichte. Epstein entging einer Anklage auf Bundesebene und verbüsste seine Haftstrafe unter vergleichsweise milden Bedingungen. Nun ist in den veröffentlichten Dokumenten zu lesen, dass auch nach der Anklage kaum jemand der Reichen und Mächtigen den Kontakt zu Epstein abbrach.Jeffrey Epstein wurde 1953 geboren und verbrachte einen Grossteil seiner Kindheit in New York. Er studierte Mathematik und arbeitete zunächst als Lehrer. 1982 gründete er die Firma J. Epstein & Co. Die Vermögensverwaltung spezialisierte sich auf Geldanlagen für Milliardäre, und er verdiente damit selbst viel Geld.Jeffrey Epstein auf einem Bild, das 2017 für das Sexualstraftäterregister in New York aufgenommen wurde.ReutersInwiefern kann der Fall Epstein der Trump-Regierung politisch schaden?Für die Regierung Trumps ist der Fall politisch heikel. Trump hatte im Wahlkampf umfassende Transparenz versprochen, sich nach seinem Amtsantritt jedoch davon distanziert. Laut einem Bericht der «Washington Post» soll Trump bei einem Treffen im Mai 2025 informiert worden sein, dass sein Name in den «Epstein files» auftauche.Auf X haben Demokraten diesen angeblichen Brief Donald Trumps an Jeffrey Epstein enthüllt.Democrats On The House Oversight via ReutersIn der Folge geriet die Justizministerin Pam Bondi unter Druck. Sie hatte im Februar angekündigt, die Epstein-Akten zu veröffentlichen. Im Umfeld der «Make America great again»-Bewegung kursieren seit Jahren Verschwörungstheorien zum Fall Epstein. Im Juli beantragte Bondi vor Gericht in New York die Teilfreigabe bislang geheimer Grand-Jury-Unterlagen in den Verfahren gegen Epstein und Maxwell.Mitte November forderten schliesslich Repräsentantenhaus und Senat, gegen den Widerstand der republikanischen Fraktionsführung, mehr Transparenz über die Ermittlungen gegen Epstein. Am 19. Dezember 2025 begann das amerikanische Justizministerium damit, Unterlagen zum Fall Epstein zu veröffentlichen. Die Dokumente, darunter Fotos, E-Mails und Gerichtsunterlagen, werden in mehreren Tranchen und teilweise zensuriert publiziert. Viele Dokumente sind stark geschwärzt. Zuvor waren bereits einige Dokumente aus einzelnen Gerichtsprozessen veröffentlicht worden. (Ende April 2026 wurde nach heftiger Kritik ein Bericht in Aussicht gestellt, in dem geprüft werden soll, ob die Schwärzungen der Dokumente dem Gesetz entsprechen).Ex-Prinz Andrew und Peter Mandelson auf einer undatierten Aufnahme bei Jeffrey Epstein.U.S. Justice Department / HandoutNach der Veröffentlichung von Akten im Januar 2026 berichteten die «Washington Post» und «Politico», dass Dateien, die unter anderem Details zu Flügen von US-Präsident Donald Trump mit Epsteins Flugzeug enthalten haben, zwar kurz online gewesen, jedoch wieder gelöscht worden seien.Im März hat das Justizministerium auf Druck der Öffentlichkeit weitere bisher zurückgehaltene Vernehmungsprotokolle aus den Epstein-Akten veröffentlicht. Dabei handelt es sich laut Medienberichten um FBI-Memos zu Befragungen einer Frau, die 2019 aussagte, als Minderjährige in den 1980er Jahren sexuelle Übergriffe unter anderem durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump erlebt zu haben.Kurz darauf geriet US-Justizministerin Pam Bondi wegen des Umgangs mit den Epstein-Akten massiv unter Beschuss. Kritiker haben ihr vorgeworfen, belastendes Material über den Präsidenten aktiv unterdrückt zu haben. Am 2. April 2026 wurde Bondi von Trump entlassen. Medien brachten die Entscheidung unter anderem mit dem Umgang des Justizministeriums mit den Epstein-Akten in Verbindung. Im April 2026 kündigte das interne Aufsichtsgremium des Justizministeriums eine Untersuchung an, in der der Umgang mit den Akten überprüft werden soll.Nur wenige Tage später hat Melania Trump bei einem eigens anberaumten Presseauftritt im Weissen Haus erklärt, sie sei nie mit Epstein befreundet gewesen, weder auf seiner Privatinsel noch in einem seiner Flugzeuge gewesen und habe von seinen Verbrechen nichts gewusst. Zudem spielte sie einen veröffentlichten E-Mail-Austausch mit Epsteins Vertrauter Ghislaine Maxwell als «lockere Korrespondenz» herunter. Warum sich Melania Trump ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt öffentlich äusserte, ist bislang unklar.Mehr zu Trump und Epstein:Was hat Ghislaine Maxwell mit den Vorwürfen gegen Epstein zu tun?Nach Epsteins Tod geriet seine ehemalige Partnerin Ghislaine Maxwell in den Fokus von Ermittlern und der Öffentlichkeit. Maxwell wird vorgeworfen, eine zentrale Rolle bei Epsteins sexuellem Missbrauch von Minderjährigen gespielt zu haben. Sie soll ihrem Ex-Partner jahrelang neue Mädchen zugeführt haben. Unter dem Vorwand, sie für Massagen einzustellen, lockte Maxwell die Mädchen wohl auf das gemeinsame Anwesen.Maxwell gilt als eine der wenigen Personen, die umfassende Kenntnisse über Epsteins Netzwerk haben könnten. Nach Epsteins Tod wurde sie daher zur zentralen Figur der strafrechtlichen Aufarbeitung des Missbrauchssystems Epsteins.2021 wurde Maxwell in mehreren Anklagepunkten für schuldig befunden. Die zwölf Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Maxwell von den sexuellen Missbräuchen ihres Partners an Minderjährigen nicht nur gewusst, sondern ihn zwischen 1994 und 2004 aktiv dabei unterstützt hatte. Zurzeit sitzt Maxwell ihre 20-jährige Haft ab.Donald Trump und seine heutige Frau Melania werden im Jahr 2000 zusammen mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell in Mar-a-Lago fotografiert.Davidoff Studios / GettyIm Juli 2025 besuchte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche die inhaftierte Ghislaine Maxwell. Dabei sagte Maxwell laut einem vom Justizministerium veröffentlichten Transkript der Befragung, dass sie Präsident Donald Trump nie in einer unangemessenen Situation beobachtet habe. Zudem wisse sie nichts von einer Kundenliste Epsteins.Dass ein hoher Justizbeamter wie Blanche eine mögliche Zeugin trifft, ist aber höchst ungewöhnlich, insbesondere weil Blanche zuvor als Trumps persönlicher Anwalt tätig war und ihn im New Yorker Schweigegeldprozess verteidigte. Die Demokraten befürchten einen «korrupten Deal» zwischen Trump und Maxwell.Die Anwälte von Maxwell behaupten, man mache ihre Mandantin zum Sündenbock für Epsteins Vergehen. Sie haben den Supreme Court ersucht, Maxwells Verurteilung zu annullieren. Das Oberste Gericht hat den Antrag im Oktober abgewiesen.Welche Personen sind sonst in den Skandal involviert?Bereits 2024 hatte ein Gericht die Namen von rund 170 Personen veröffentlicht, die mit dem Fall Epstein in Verbindung stehen. Dies im Zusammenhang mit dem Zivilstreit zwischen einem der Opfer, der Amerikanerin Virginia Giuffre, und Epsteins Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell. Giuffre gilt als Schlüsselfigur der Aufarbeitung: Mit ihren Klagen brachte sie das System Maxwell zu Fall und zwang unter anderem Prinz Andrew zu einem millionenschweren Vergleich.Wer mit Epstein in Verbindung stand, war nicht automatisch am systematischen Missbrauch junger Frauen beteiligt. Epstein pflegte Hunderte Kontakte zu zahlreichen Prominenten und mächtigen Personen. Alle Kontakte zu prüfen, wird nach Epsteins Tod wohl nicht mehr möglich sein. Das Justizministerium gab im Februar bekannt, vorerst keine neuen Anklagen zu erheben.Zur Übersicht von Epsteins Netzwerk:Bill Clinton: Eine prominente Person, die in den Akten genannt wird, ist der ehemalige demokratische US-Präsident Bill Clinton. Im Februar 2026 hat sich Clinton nach langem Schweigen bereit erklärt, vor dem amerikanischen Kongress dazu auszusagen. Bill und Hillary Clinton wurden Ende Februar 2026 getrennt vom House Oversight Committee vernommen.Zum Hintergrund:Peter Mandelson: Der britische Politiker Peter Mandelson wurde wegen seiner Verbindungen zu Epstein von seinem Botschafterposten in den USA abberufen. Er trat danach auch aus der Labour-Partei aus. Nach neuen Behauptungen über seine Verbindung zu Epstein wolle er der britischen Regierungspartei «weitere Peinlichkeiten» ersparen, schrieb der Politiker laut einem Bericht der Nachrichtenagentur PA.Dass Mandelson engen Kontakt zu Epstein pflegte, geht aus Dokumenten hervor, die die britische Regierung am 11. März veröffentlicht hat. Die Verbindung zwischen den beiden hielt offenbar auch an, nachdem Epstein in den USA 2008 wegen Sexualstraftaten verurteilt worden war und eine Gefängnisstrafe abgesessen hatte.Kurz darauf veröffentlichte der amerikanische Sender ITV News ein Foto, auf dem man Mandelson zusammen mit dem britischen Prinzen Andrew und im Bademantel sieht. Neben ihnen steht der voll bekleidete Epstein. Es ist das erste bekannte Foto, das die drei Männer zusammen zeigt. Laut ITV News stammt die Aufnahme von der Insel Martha’s Vineyard im Gliedstaat Massachusetts. Das Bild stamme aus der Zeit zwischen 1999 und 2000.Zum Hintergrund:Die Tech-Milliardäre: Auch die Namen des Microsoft-Gründers Bill Gates und des Tesla-Chefs Elon Musk finden sich prominent in den 2026 veröffentlichten Unterlagen. Während Gates bereits für eine Befragung im US-Kongress im Juni 2026 geladen wurde, sorgen bei Musk E-Mail-Wechsel über mögliche Besuche auf Epsteins Privatinsel für Aufsehen. Beide betonen, keine Kenntnis von Epsteins kriminellen Aktivitäten gehabt zu haben.Zum Hintergrund:Mette-Marit: Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit geriet im Zusammenhang mit dem Fall Epstein Anfang Februar ebenfalls in die Schlagzeilen: Der norwegische Hof bestätigte, dass sie Jeffrey Epstein im Jahr 2011 bei einem Treffen in London kennengelernt habe, ein weiteres Zusammentreffen soll 2013 stattgefunden haben. Nach Angaben des Königshauses sei der Kontakt nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Epstein abgebrochen worden. In einer Mitteilung der Königsfamilie von Anfang Februar heisst es, es sei Mette-Marit wichtig, «mich bei allen zu entschuldigen, die ich enttäuscht habe».Zum Hintergrund:Prinz Andrew: Was schon länger bekannt ist: Auch der britische Prinz Andrew, der jüngere Bruder von König Charles, kommt in den Akten vor. Der Duke of York war mit Jeffrey Epstein eng verbunden. 2022 entzog ihm das Königshaus nach einem Gerichtsprozess alle Ehrenämter, im Oktober 2025 gab Andrew alle seine royalen Titel auf. Im Februar 2026 musste Andrew auf Druck von König Charles aus dem royalen Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen. Kurz darauf nahm die Polizei ihn für einen halben Tag fest.Zum Hintergrund:
Das sind die neusten Entwicklungen und Hintergründe zum Fall Epstein
Der Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gewinnt erneut an politischer Brisanz. Von Donald Trump über die Clintons bis hin zum britischen Adel geraten einflussreiche Weggefährten unter massiven Erklärungsdruck.






