Umfragen sind ja nicht mehr als eine Momentaufnahme. Einstellungen und Gewohnheiten können sich mitunter schnell ändern. Und dennoch ist es interessant, was Meinungsforscher gerade über die Mediennutzung der Deutschen herausgefunden haben. Demnach meiden die Menschen hierzulande mehrheitlich künstliche Intelligenz, wenn sie wissen möchten, was in der Welt vor sich geht. Fehlendes Vertrauen in die Ergebnisse spielt dabei eine wichtige Rolle. Nur fünf Prozent der Befragten nutzen KI-Chatbots, um sich über aktuelle Nachrichten auf dem Laufenden zu halten. Und das, obwohl künstliche Intelligenz mittlerweile immer öfter genutzt wird.Wenn Angebote wie Chat-GPT oder die KI-Suche von Google zum Einsatz kommen, dann vor allem, um Nachfragen zu Nachrichten zu stellen, Inhalte zusammenzufassen oder Quellen zu bewerten. Nachzulesen ist das alles im Reuters Digital News Report – einer weltweiten, jährlichen Umfrage zum Nachrichtenkonsumverhalten.Transparenzblog:Wie die SZ im Jahr 2025 künstliche Intelligenz einsetztKI entwickelt sich rasant weiter. Die „Süddeutsche Zeitung“ nutzt die neue Technologie überall dort, wo sie den Qualitätsjournalismus unterstützt und Arbeit erleichtert oder verbessert.Eine weitere bemerkenswerte Erkenntnis der Studie ist die Bedeutung der sozialen Medien. Auch wenn mittlerweile zu lesen ist, dass die großen Plattformen teilweise ihren Reiz verlieren, so ist ihre Bedeutung als Nachrichtenquelle gestiegen. 36 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland kommen in einer gewöhnlichen Woche über soziale Medien mit Nachrichten in Kontakt. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt der Anteil bei 60 Prozent. Für 44 Prozent dieser Altersgruppe sind soziale Medien inzwischen die wichtigste Nachrichtenquelle.„Tatsächlich waren wir auch ein bisschen überrascht über den teilweise doch großen Ansprung der Anteile der Bevölkerung, die soziale Medien als Quelle für Nachrichten nutzen und auch als ihre Hauptquelle bezeichnen“, sagt Sascha Hölig. Er hat als Co-Autor beim Leibniz-Institut für Medienforschung den deutschen Teil der Studie mitverantwortet. Soziale Medien würden aber in aller Regel ergänzend zu anderen Nachrichtenangeboten genutzt. „Die Nutzenden sind angestiegen, aber nicht diejenigen, die sich nur auf soziale Medien als Nachrichtenquelle verlassen.“Den Zahlen zufolge wird Nachrichten, die über Suchmaschinen vermittelt werden – die also über Links zu klassischen Nachrichtenseiten führen – mehr Vertrauen entgegengebracht als News in sozialen Medien oder Antworten von KI-Chatbots. 24 Prozent der Nutzer im Alter ab 18 Jahren gaben an, Nachrichten in Suchmaschinen meist vertrauen zu können. Jeweils 13 Prozent sagten, dass sie Nachrichten in sozialen Medien und in Antworten von KI-Chatbots vertrauen.Debatte:Macht man das jetzt so?Ministerpräsident Mario Voigt sieht im Einsatz von generativer KI in seinen Reden kein Problem. Und offenbart damit seine Lustlosigkeit, politische Kernkompetenzen unter Beweis zu stellen.Den etablierten Nachrichtenmedien werde nach wie vor zu großen Teilen vertraut, unterstreicht Hölig. „Man weiß, was man dort bekommt.“ 35 Prozent der Nutzer gehen regelmäßig direkt auf die Website oder App eines Nachrichtenangebots. In sozialen Medien gebe es hingegen ein breites Feld: etablierte Nachrichtenangebote, aber auch Influencer und andere Akteure mit ganz unterschiedlichen Perspektiven. „Das ist für viele Menschen interessant als Ergänzung, aber eben nicht als einzige Quelle. Gerade in Deutschland erwarten viele Menschen von Nachrichten weiterhin eine möglichst neutrale Berichterstattung“, so Hölig.Vertrauen in Nachrichten bleibt stabilDas allgemeine Vertrauen in Nachrichten bleibt auf einem stabilen Niveau. 46 Prozent der Befragten sind der Ansicht, man könne dem Großteil der Nachrichten in Deutschland meist vertrauen. Am geringsten ist das allgemeine Vertrauen bei den 18- bis 24-Jährigen ausgeprägt. In dieser Gruppe stimmen lediglich 37 Prozent dieser Aussage zu. Knapp die Hälfte der Befragten äußert der Befragung zufolge Bedenken, bei Onlinenachrichten zwischen Fakten und Falschmeldungen unterscheiden zu können. Dies ist ein deutlicher Sprung nach oben im Vergleich zu den Jahren 2024 und 2025, in welchen jeweils 42 Prozent der abgefragten Aussage zugestimmt haben. Die Werte sind in allen Altersgruppen angestiegen.Nachrichten im linearen Programmfernsehen werden von 59 Prozent der Befragten regelmäßig gesehen; in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es 32 Prozent. 34 Prozent aller Befragten hören regelmäßig Nachrichtensendungen im linearen Radio und 17 Prozent lesen gedruckte Zeitungen oder Magazine. Auch wenn es leicht rückläufig ist, so bleibt das allgemeine Interesse der Deutschen an Nachrichten doch hoch.Für den Reuters Institute Digital News Report wurden im Januar in 48 Ländern rund 2000 Menschen zu ihrer Nachrichtennutzung befragt. Die deutsche Teilstudie wurde vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg vorgenommen. Das Reuters Institute ist eine Forschungseinrichtung der Universität Oxford in Großbritannien und wird unter anderem vom Digitalkonzern Google finanziell unterstützt.Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, epd und KNA.