3485 Eltern, ein Fragebogen, ein zunächst verstörend klares Ergebnis: 41 Prozent der Mütter und Väter in Deutschland trauen einem Sprachmodell zu, ihren Kindern Empathie, Respekt und Fairness besser zu vermitteln als sie selbst. Das ist keine Randnotiz aus einem Tech-Magazin, sondern die im März 2026 erhobene, repräsentative Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ der Pronova BKK.
Drei von vier Befragten nutzen KI inzwischen privat, 58 Prozent der Eltern minderjähriger Kinder als Erziehungsratgeber, knapp jede vierte Person zwischen 18 und 29 als Dating-Coach. 45 Prozent dieser Altersgruppe können sich eine erotische Beziehung mit einem Chatbot vorstellen, 65 Prozent sogar als Ersatz für eine menschliche Beziehung.
Die Zahlen beschreiben einen Befund, der sich kaum noch ignorieren lässt: Künstliche Intelligenz ist in den intimsten Bereichen des Privatlebens angekommen – und die gesellschaftliche Sprache dafür fehlt fast vollständig.
Eine paradoxe Übergangsphase
Die Studie dokumentiert eine doppelte Bewegung. Einerseits eine massenhafte, leise, alltägliche Nutzung: Menschen fragen ChatGPT abends nach Schlafproblemen, nach Beziehungsrat, nach Erziehungstipps für das trotzige Kind. Andererseits eine massive Tabuisierung im öffentlichen Raum.










