Wenn man die Schlagzeilen der vergangenen Monate liest, könnte man meinen, die Künstliche Intelligenz sei der neue Leibhaftige im Kinderzimmer. 41 Prozent der Eltern trauen ChatGPT mehr Erziehungskompetenz zu als sich selbst, Jugendliche verlieben sich in Chatbots, junge Männer üben Dirty Talk mit Sprachmodellen, und in den Feuilletons wird der Untergang der Bildung beschworen.
Atmen Sie tief durch. Vieles davon kennen wir schon – nur in anderem Gewand.
Erinnern Sie sich an den Taschenrechner-Streit?
1975 wurden in der Bundesrepublik über zwei Millionen Taschenrechner importiert, und in Lehrerzimmern tobte ein Glaubenskrieg: Würden die Kinder das Kopfrechnen verlernen? Würde sich die soziale Schere weiter öffnen? In Nordrhein-Westfalen war das Gerät anfangs nur erlaubt, wenn die gesamte Klasse damit ausgestattet war. Heute lächeln wir darüber.
Dasselbe Muster sehen wir bei Fernsehen, Internet, Smartphone – und jetzt eben bei KI. Die Soziologie nennt das eine Übergangsphase: Eine Technik ist materiell längst da, kulturell aber noch nicht eingeordnet. Die Folge: diffuse Angst, die sich in moralischen Skandälchen entlädt.







