Die großen Goldkäufe der Notenbanken sind noch nicht vorbei. Das legt eine Umfrage unter Zentralbanken aus aller Welt nahe, die am Dienstag von der Branchenorganisation World Gold Council (WGC) veröffentlicht wurde. 89 Prozent der befragten Notenbank-Manager gaben an, sie rechneten für die nächsten zwölf Monate mit einem weiteren Anstieg der Notenbank-Goldreserven in alle Welt.45 Prozent der Befragten sagten darüber hinaus, dass sie auch von einem weiteren Anstieg der Goldreserven ihrer eigenen Institution in diesem Zeitraum ausgingen. Nach Angaben der Branchenorganisation war Letzteres der höchste Wert in der Geschichte dieser seit 2018 erhobenen Umfrage.Im vergangenen Jahr erwarben die Notenbanken rund 863 Tonnen Gold. Das war im historischen Vergleich viel, wenn auch weniger als in den drei vorangegangenen Jahren mit jeweils mehr als 1000 Tonnen je Jahr. Der World Gold Council rechnet damit, dass die Notenbankkäufe in diesem Jahr in ähnlicher Größenordnung wie im vorigen liegen werden, zwischen 700 und 900 Tonnen. Ein zentrales Motiv der Notenbanken ist dabei die diversifizierte Anlage von Währungsreserven und eine stärke Unabhängigkeit vom Dollar.74 Prozent rechnen mit geringeren Dollar-ReservenIn der Umfrage sagten 74 Prozent der Befragten, sie rechneten damit, dass die Bestände an Dollar in den internationalen Währungsreserven in den kommenden fünf Jahren „moderat“ oder sogar „deutlich“ zurückgehen werden. Die Befragten glaubten zudem, dass die Anteile anderer Währungen wie des Euro oder Renminbi an den Währungsreserven in aller Welt im gleichen Zeitraum eher unverändert bleiben werden, während die Goldbestände zunehmen dürften.„Wir gehen davon aus, dass der Anteil der in Dollar gehaltenen Währungsreserven insgesamt zurückgehen wird“, berichteten die befragten Notenbanken weiter. „Dieser Rückgang wird vor allem aus Ländern stammen, deren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten voraussichtlich von der US-Außenpolitik und den politischen Beziehungen beeinflusst werden.“ Unterschiede gibt es dabei offenbar zwischen Notenbanken in Industrie- und in Schwellenländern. Während in den Schwellen- und Entwicklungsländern 91 Prozent der Befragten angaben, ihre Notenbank halte jetzt mehr Gold als vor fünf Jahren, war es in den Industrieländern nur 78 Prozent.Länder wie Deutschland beispielsweise kaufen seit vielen Jahren kein Gold mehr. Die Bundesbank trennt sich höchstens mal von kleineren Mengen für die Herstellung von Gedenkmünzen. Auf die Frage, welche Kriterien für ihre Entscheidung über die Währungsreserven eine Rolle spielten, nannten die Portfolio-Manager der Notenbanken an erster Stelle die verschiedenen Zinsniveaus, an zweiter Stelle die geopolitische Unsicherheit und an dritter Inflationssorgen.Der Goldpreis steigt wieder etwasDie Europäische Zentralbank (EZB) hatte gerade berichtet, dass Gold die amerikanischen Staatsanleihen als größte Währungsreserve der Welt abgelöst habe. Die EZB hatte aber selbst einschränkend hinzugefügt, dass dies stark von Bewertungseffekten durch den hohen Goldpreis bestimmt sei. Zudem stimmt diese Aussage von Gold auf Platz eins der Währungsreserven nur, wenn man amerikanische Staatsanleihen getrennt von sonstigen Dollarreserven als eigene Kategorie führt.Der Goldpreis hatte zuletzt mit den Nachrichten über eine Einigung im Irankonflikt wieder etwas zugelegt. Am Dienstag belief er sich zeitweise auf 4345 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Im Verlauf des Krieges hatte der Goldpreis lange von hohem Niveau aus nachgegeben, weil aufgrund des höheren Ölpreises und der gestiegenen Inflation mit tendenziell höheren Zinsen in den Vereinigten Staaten gerechnet wurde. Höhere Zinsen sind unter sonst gleichen Umständen schlecht für das unverzinste Gold, zudem verteuern höhere US-Zinsen über den Dollar das Edelmetall.