Elon Musk will juristisch gegen das ZDF vorgehen. Der US-Unternehmer und Milliardär wehrt sich gegen die Berichterstattung des Senders über ausländerfeindliche Ausschreitungen in Belfast und schrieb am Montagabend auf X: „Gegen das ZDF wird wegen seiner ungeheuerlichen Lügen rechtlich vorgegangen.“ Er antwortete damit auf einen Post von Julian Reichelt, früherer Bild-Chefredakteur und heute beim Portal Nius, der das ZDF dafür kritisiert, in einer Sendung behauptet zu haben, Musk hätte „zur Jagd auf Migranten aufgerufen“.In mehreren Sendungen hatte das ZDF über die Krawalle in Belfast berichtet, darunter im „Heute-Journal“ vom 10. Juni, den „Heute“ Nachrichten am 11. Juni sowie in der „ZDF Heute live“-Sendung „Wie Musk die Proteste befeuert“ am 12. Juni. Reichelt und Musk beziehen sich vor allem auf letztere. In ihrer Anmoderation sagt Christina von Ungern-Sternberg über die Folgen der Messerattacke eines Sudanesen, der nun wegen Mordes angeklagt ist: „Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten. Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk.“ Was damit genau gemeint ist, wird im Belfast-Beitrag in der Sendung vom 10. Juni eingeblendet.Es geht also auch um die Frage: Ist das Teilen eines Protestaufrufs ein Aufruf zum Protest?Musk teilte am 9. Juni auf X einen Post des britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson, der auf Proteste um 19 Uhr desselben Tags in zahlreichen britischen Städten und „Massenprotest“ in Belfast verweist, mit den Worten „It’s time“. Musk, der 240 Millionen Follower auf seiner Plattform X hat, teilte den Post und versah ihn darüber hinaus mit einem eigenen Kommentar: „Only by protesting REPEATEDLY and LOUDLY will there be any change!!“ Also sinngemäß: „Nur indem wir immer wieder und laut protestieren, können wir etwas verändern.“ Vergangene Woche hatte Musk außerdem Beiträge des Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Restore Britain, Rupert Lowe, weiterverbreitet.Plattform XDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Plattform X angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Plattform X angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Auf der Sendungsseite zu „Heute live“ in der ZDF-Mediathek steht inzwischen an prominenter Stelle ein Hinweis, in dem es heißt, dass die Formulierung zu Beginn der Moderation des verlinkten Videos „unpräzise und deshalb missverständlich“ gewesen sei. Tommy Robinson habe nach dem Messerangriff in Belfast zu Protesten aufgerufen. Der Post sei von Elon Musk geteilt worden.Es geht also auch um die Frage: Ist das Teilen eines Protestaufrufs ein Aufruf zum Protest? Zumal Musk Robinsons Post nicht nur geteilt hatte, sondern ihn durch seinen eigenen Kommentar noch verstärkte. Andererseits geht es in den Posts von Robinson und Musk um Proteste. Dass sie zur „Jagd auf Migranten“ aufriefen, wie es in der Anmoderation im ZDF hieß, ist für eine Nachrichtensendung durchaus zugespitzt formuliert. Julian Reichelt bezeichnete das ZDF als „Festung der Lügen“. Doch selbst von öffentlich-rechtlichen Kollegen kommt scharfe Kritik: NDR-Journalist Sebastian Eberle schreibt auf X: „So können und so dürfen wir nicht arbeiten. Das ist völlig inakzeptabel.“Reichelt teilte ein Foto des ZDF-Korrekturhinweises auf X und legte mit seiner Schelte gegen den Sender nach: „Dieser Laden ist unreformierbar und gehört zerschlagen.“ Einem Nutzer, der unter Reichelts Beitrag postete, antwortete Musk: „Im Laufe des Verfahrens gegen sie werden wir herausfinden, welcher Idiot diese fürchterliche Lüge verfasst hat.“ Das ZDF hat sich am Dienstag auf SZ-Anfrage bislang nicht weiter zu dem Vorgang geäußert.