PfadnavigationHomeSportFußballWMBenedikt Höwedes„Bei Leroy Sané denkt der Fan, er habe keinen Bock. Aber das ist nur der Schein“Stand: 07:15 UhrLesedauer: 6 MinutenDie deutsche Nationalmannschaft setzt beim WM-Auftakt ein Ausrufezeichen. Gegen Curacao wird das DFB-Team seiner Favoritenrolle mehr als gerecht. Sehen Sie die Highlights der Partie hier im Video.Benedikt Höwedes wurde 2014 mit Deutschland Weltmeister. Im Podcast WELTMeister spricht er über den aktuellen WM-Kader und hält ein Plädoyer auf Leroy Sané. Während des Turniers bedürfe es eines ganz bestimmten Moments. An den Titel glaubt er aber nicht.Er bestritt alle sieben WM-Spiele – und alle sieben auch noch über die volle Zeit. Als Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister wurde, überraschte Benedikt Höwedes als Rechtsverteidiger auf der linken Seite. Auf den ehemaligen Profi, der jahrelang für den FC Schalke und dann auch noch für Juventus Turin spielte, war beim Turnier damals Verlass. Er überzeugte und hatte großen Anteil am Titelgewinn.Der 38-Jährige, der bei Prime Video als Experte durch die vergangene Champions-League-Saison führte, ist Stargast in der aktuellen Folge des WELT-Podcasts WELTMeister. Knapp eine Stunde nahm sich der 44-malige deutsche Nationalspieler Zeit für das Gespräch. Höwedes sprach unter anderem über... ... die Zusammenstellung des WM-Kaders 2026„Als Trainer musst du immer auch schauen, wer wie in die Gruppe passt. Wer spielt denn überhaupt unter den ersten Elf, wer sind meine ersten 16 Spieler, und wer sind potenziell eigentlich meine Ergänzungsspieler? Jogi Löw hat es in all seinen Jahren immer großartig geschafft, immer wieder eine Gruppe zusammenzustellen, die gut funktioniert hat. Wir hatten auch Spieler dabei, die vielleicht nicht für die erste Elf vorgesehen waren, aber die waren trotzdem wichtig für unsere Gruppe. Du nimmst als Trainer nicht immer ausschließlich einen guten Typen, sondern einen guten Typen mit einer guten Trainingsmoral, der ein totaler Teamplayer ist und bei dem du weißt, dass du ihn immer reinwerfen kannst und der dann auch funktioniert. Wir alle müssen da schon Vertrauen haben, dass Julian Nagelsmann weiß, wen er braucht, da er den Kader am besten kennt.“Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.... die Stärken der aktuellen Nationalmannschaft...„Die Stärken sind in der Kreativität, in der Offensive. Wirtz und Musiala gehören zum erweiterten Kreis der Weltklasse. Ich hoffe sehr, dass sie sich in einen Rausch spielen, weil das unsere absoluten Garanten für einen möglichen Erfolg sind. Wir haben neben ihnen noch ein paar Spieler, die aber funktionieren müssen, damit das Gefühl entsteht, dass bei der WM etwas gehen kann.“... und die Schwächen „Ich finde, wir sind auf jeder Position sehr ordentlich besetzt. Wir haben aber vielleicht nicht ganz so viele Weltklasse-Spieler wie alle anderen. Deshalb muss viel über das Kollektiv – glaube ich – passieren. … Ich habe kürzlich die Doku über die WM 2006 gesehen. Mit dieser Mannschaft hat damals niemand gerechnet. Doch in einem Turnier gibt es immer den einen Moment, wo es kippen kann. Wir hatten das 2014 zum Beispiel im Spiel gegen Algerien, wo wir danach geglaubt haben, wir können über Wasser laufen. 2006 war es das Spiel gegen Polen, als Oliver Neuville mit seinem Tor eine Euphorie im Land erzeugt hat, die die ganze deutsche Mannschaft getragen hat. Und so einen Moment brauchst du, um Kräfte freizusetzen. Ich hoffe und wünsche der deutschen Mannschaft, dass sie diesen Punkt irgendwie erreicht, dass die über diesen schwierigen Punkt gehen können als Mannschaft – und dann ist irgendwie auch alles möglich.“... Leroy Sané„Als reiner Fußballfan sieht man ihn auf dem Platz und denkt: Ey, du, der hat doch keinen Bock mitzuspielen. Aber das ist der äußere Schein. Natürlich ärgert er sich, wenn er ein Spiel verliert, und natürlich ärgert er sich über schlechte Spiele, die er macht. Das ist einfach der Schein, aber solche Typen muss man annehmen. Mesut Özil war ein ähnlicher Fall, der hat auch nicht immer mit der größten Körpersprache punkten können, und trotzdem war das ein absolut genialer Fußballer. Und auch Leroy hat Qualitäten, die kein anderer in diesem Kader hat, und ich finde schon, dass er, wenn er bereit ist, sich auch in dieser Gruppe vernünftig einfügen und der Unterschiedspieler sein kann. Immer noch.“ ... das, was die Mannschaft erreichen kann„Ich glaube persönlich nicht, dass wir Weltmeister werden können oder dass wir Weltmeister werden. Und trotzdem ist das Schöne im Fußball, dass alles möglich ist. Auch wenn wir vielleicht individuell nicht so gut aufgestellt sind wie viele andere Nationen, können wir uns trotzdem in etwas reinspielen, wo wir dann unberechenbar werden. Und dann halte ich es auch nicht für ausgeschlossen, dass wir weit kommen im Turnier.“… politische Begleiterscheinungen einer WM „Ehrlicherweise will ich darüber nicht reden. Ich war bei der WM in Katar dabei, und da hat es mich so unfassbar gestört, dass nur über Politik gesprochen wurde, dass sich Deutschland immer wie ein Moralapostel, mit gehobenem Zeigefinger hingestellt hat, als wüssten wir, wie alles funktioniert. Ich habe auch gemerkt, was das in einer Mannschaft machen kann, wenn sie den Fokus auf den Fußball, auf das Wesentliche verliert und sich auf einmal über politische Dinge äußern muss, was aber nicht Aufgabe eines Fußballspielers ist. Das muss man einfach so klar sagen. Dafür gibt es andere Funktionäre, dafür gibt es Politiker, die solche Themen regeln müssen. … Als Fan und als ehemaliger Fußballer will ich einfach nur Spaß an einem Fußballgroßereignis haben. Und das bekomme ich nicht, wenn ich nur noch über Politik rede und über Dinge, die da nicht funktionieren. … Man muss auch sagen, nicht jeder Spieler ist in der Lage, sich ein komplettes Bild über die politische Lage machen zu können. So wie auch nicht jeder deutsche Staatsbürger dazu in der Lage ist, sich über Politik zu äußern. Weil es auch viele einfach gar nicht interessiert oder weil sie auch vielleicht gar keine Ahnung haben. Aber man verlangt von den Spielern, die eigentlich was anderes zu tun haben, irgendwie eine politische Meinung zu haben. Das finde ich nicht in Ordnung.“ ... den Zeitvertreib eines Spielers bei einem Turnier„Mein erstes Turnier war in Polen und der Ukraine, die EM 2012. Ich habe keine Sekunde gespielt, Per Mertesacker auch nicht. Wir waren in einem Camp, in dem man echt wenig machen konnte, auch nicht drumherum. Wir haben uns die Zeit an einem Spielautomaten totgeschlagen. Ich glaube, das Spiel hieß ‚Finde den Fehler‘. 2014 bei der WM war das komplett anders – das Campo Bahia war sensationell. Wir waren direkt am Strand, hatten super Wetter und auch noch einen Pool. Es gab Tischtennisplatten, wir haben Darts oder Karten gespielt, draußen gegessen. Da passte alles. Da kam ein ganz anderes Gefühl auf, zumal Per und ich da auch gespielt haben.