The Market Momentum ScreenDie Märkte sind zweigeteilt: Chiphersteller gewinnen, während viele andere Aktien an Schwung verlieren. Der Momentum Screen zeigt, welche Titel überzeugen. Darunter sind ein Schweizer Chipausrüster und ein Fussball-WM-Profiteur.Am Momentum Screen lassen sich die aktuellen Kräfteverhältnisse an den Aktienmärkten derzeit präzise ablesen. An der Spitze der Ranglisten behaupten sich weiterhin die Profiteure des Booms künstlicher Intelligenz (KI), allen voran Chiphersteller. Das gilt trotz des jüngsten Ausverkaufs im Technologiesektor und eines spürbaren Liquiditätsabflusses in Richtung SpaceX, dem grössten Börsengang aller Zeiten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am unteren Ende der Tabellen finden sich dagegen diejenigen Unternehmen, die besonders stark unter den Folgen der Sperrung der Strasse von Hormuz leiden. Das könnte sich mit der angekündigten Absichtserklärung der USA und Iran nun ändern. Das Abkommen soll am nächsten Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden. Danach müssen allerdings auch noch die Minen in der Meerenge geräumt werden, bevor es zu einer Normalisierung kommen kann.Auf Länderebene ist erneut der südkoreanische Leitindex Kospi Spitzenreiter, getragen vom Schwergewicht Samsung Electronics. Zu den abgeschlagenen Barometern zählt der indische Sensex, in dem das Konglomerat Reliance Industries prominent vertreten ist. Die Schwäche des indischen Aktienmarkts überrascht dabei kaum: Vor Ausbruch des Konflikts bezog Indien rund 40% seiner Rohölimporte über die Meerenge. Mit dem Anstieg der Ölpreise nahm der Inflationsdruck zu, während die Rupie zum Dollar abwertete. Da Rohöl überwiegend in Dollar fakturiert wird, verteuerten sich die Energieimporte zusätzlich – ein Belastungsfaktor für Unternehmen, Verbraucher und letztlich auch den Aktienmarkt.Der Trend ist der Freund des AnlegersLink zum Download der aktuellen Ausgabe Nummer 31Der Momentum Screen macht die Aktien sichtbar, die zuletzt gut gelaufen sind. Diese starken Titel setzen ihren Aufwärtstrend häufig fort – getreu der Börsenweisheit «The trend is your friend». Die Titel sollten zugleich allerdings auch noch vergleichsweise günstig bewertet sein, und das sind mit steigenden Kursen immer weniger Aktien.Die Idee des Momentum ScreenIn den Tabellen des Momentum Screen sind Aktien bekannter Indizes nach relativer Stärke sortiert. Je stärker das Kursmomentum, sprich, je nachhaltiger der Aufwärtstrend, desto weiter oben sind sie zu finden. Ein solcher Trend setzt sich häufig fort («The trend is your friend»). Messen lässt er sich anhand der relativen Stärke nach Levy (RSL). Die Kennzahl setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Durchschnittskurs der vergangenen 26 Wochen (multipliziert mit 100). Aktien, deren Kurs deutlich über dem Mittelwert liegt, haben Momentum. Gute RSL-Werte beginnen bei über 105 bis 110 (5 oder 10% über dem Durchschnittskurs) oder liegen über dem Mittelwert für den Gesamtmarkt. Um das Risiko der Methode abzufedern, sollten die Aktien zudem fundamental attraktiv bewertet sein, weshalb sich auch entsprechende Kennzahlen wie zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in den Tabellen wiederfinden. Der Momentum Screen kombiniert so Trendfolge mit Value Investing.Unter den Schweizer Valoren sticht nach wie vor der Vakuumventilhersteller VAT heraus. Er rangiert in der nach relativer Stärke sortierten Tabelle an erster Stelle vor dem Klimatechnik-Spezialisten Belimo und dem Technologiekonzern ABB.Das grösste Kursplus im SMI Expanded der vergangenen vier Wochen hat dabei Belimo verzeichnet; das Unternehmen profitiert ebenfalls vom Boom im Bau von Rechenzentren. Das ist auch der Grund, warum Morgan Stanley die Aktien auf «Overweight» hochgestuft hat. Belimo profitiere nicht nur generell vom Bau neuer Rechenzentren, sondern auch durch den strukturellen Vorteil, dass bei höherer Dichte der Server und Chips in ihren Regalen (Racks) der Kühlung eine besondere Rolle zukommt.The Market hat sich diesmal drei Titel genauer angeschaut und vier Beobachtungen im Momentum Screen gemacht.InhaltsverzeichnisVAT: vor dem nächsten WachstumsschubInfineon: das Risiko eines Kursrücksetzers steigtAdidas: Fussball-WM weckt MarkenbegehrlichkeitWas noch auffällig istVAT: vor dem nächsten WachstumsschubVAT beherrscht eine Nische: Mit einem weltweiten Marktanteil von rund 50% zählt das Unternehmen aus Haag im St. Galler Rheintal zu den führenden Anbietern von Vakuumventilen und Modulen. Rund 60 bis 65% des Umsatzes stammen aus dem Geschäft mit der Halbleiterindustrie. Und VAT stellt die Weichen auf weiteres Wachstum. Sie will die Erlöse in naher Zukunft um 20 bis 30% steigern – ein Ziel, das die Analysten der Grossbank UBS für realistisch halten. Der limitierende Faktor ist dabei weniger eine Rohstoffknappheit als die Kapazitäten. Um die Nachfrage zu bedienen, rekrutiert und schult VAT derzeit Zeitarbeitskräfte.Das Unternehmen geht davon aus, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur bis einschliesslich 2027 auf hohem Niveau bleiben. Mit mehr als 110 weltweit im Bau befindlichen Halbleiterfabriken dürfte die Nachfrage nach Fertigungsausrüstung weiter steigen. Für 2027 visiert VAT einen Umsatz von 1,5 Mrd. bis 1,75 Mrd. Fr. an (2025: 1,1 Mrd. Fr.), während der Konsens von 1,6 Mrd. Fr. ausgeht. Bei Vollauslastung liegt die maximale Umsatzkapazität bei rund 2 Mrd. Fr., rechnen die UBS-Analysten vor.Der starke Kursanstieg der Aktie ruft auch Leerverkäufer auf den Plan. Denn an der Börse wird VAT mittlerweile mit dem 54-Fachen des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinns gehandelt. Zum Vergleich: in den vergangenen zehn Jahren betrug das vorwärtsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Durchschnitt 36. Immerhin liegt die Bewertung damit noch innerhalb der zweiten Standardabweichung. Werte ausserhalb davon gelten als statistische Ausreisser und als überkauft. Ein Schnäppchen ist der Titel aber wahrlich nicht mehr.Am anderen Ende der Tabelle des Momentum Screen findet sich die Partners Group wieder, ausgelöst durch einen Kurssturz. Denn der Privatmarktspezialist musste bei einem seiner Private-Equity-Fonds die monatlichen Rücknahmen auf 5% des Nettoinventarwerts beschränken. Den Rücksetzer nutzen Insider und kauften kräftig zu. Aus Sicht von The Market sollten es Anleger den Insidern gleichtun und die Kaufgelegenheit nutzen.Den deutschen Leitindex Dax führt weiterhin Infineon an, vor Adidas und Symrise.Infineon: das Risiko eines Kursrücksetzers steigtBeim deutschen Chiphersteller ist – anders als beim Vakuumventilproduzenten VAT – die zweite Standardabweichung klar überflügelt: Denn der Dax-Wert ist mit einem KGV von 33 bewertet (Zehnjahresdurchschnitt: 20) und damit deutlich überkauft. Seit dem vergangenen Momentum Screen vor knapp einem Monat hat Infineon rund 20% zugelegt, zwischenzeitlich lag das Plus sogar mal bei gut 32%, bevor der Kurs korrigierte. Wer also seinerzeit eingestiegen ist, könnte jetzt beruhigt auch einmal (Teil-)Gewinne mitnehmen.Rückenwind bekam Infineon zuletzt durch STMicroelectronics. Der französisch-italienische Wettbewerber verdoppelte sein Umsatzziel für die Rechenzentrumssparte nahezu – auf 1 Mrd. €. Der Spitzenreiter im CAC 40 ist mit einem KGV von 39 bewertet (Zehnjahresdurchschnitt: 18). Die niederländische ASML, im Euro Stoxx 50 hinter Infineon zweitstärkster Titel, wird zum 43-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt (Zehnjahresdurchschnitt: 31).Auch Infineon rechnet für das Geschäftsjahr 2025/2026 (per Ende September) mit einer Verdopplung der KI-Erlöse auf 1,5 Mrd. € (prognostizierter Gesamtumsatz: rund 16 Mrd. €, +10%). Im darauffolgenden Jahr erwartet das Münchner Unternehmen dann 2,5 Mrd. € Umsatz mit den Spezialchips.Infineon kann zwar in die Bewertung hineinwachsen. Es besteht nun aber das Risiko einer vorübergehenden, starken Kurskorrektur, meint The Market.Adidas: Fussball-WM weckt MarkenbegehrlichkeitBeste Werbung bekam der Sportartikelhersteller Adidas Ende April durch den Marathon-Weltrekord des Kenianers Sabastian Sawe, der in London als erster Mensch in einem offiziellen Rennen weniger als zwei Stunden für die gut 42 km benötigte. Sawe trug den Carbonschuh Adizero Adios Pro Evo 3, der nur 97 Gramm wiegt.Auch bei der Fussball-Weltmeisterschaft ist Adidas Nutzniesser. Das Unternehmen rüstet 14 der teilnehmenden Nationalmannschaften aus (Nike: 12; Puma: 11) und stellt den offiziellen WM-Ball «Trionda», der in 104 Spielen zu sehen ist. 57% des Umsatzes erzielt Adidas mit Schuhen (Bekleidung: 35%; Accessoires: 8%).Der Sportartikelhersteller hat jedoch schon im Vorfeld durch den Launch von Trikots und Retro-Kollektionen profitiert. Im ersten Quartal stieg der Umsatz überraschend stark um 14% auf 6,6 Mrd. €, während der Konsens nur mit einem Plus von 9% gerechnet hatte. Das Betriebsergebnis wuchs um 16% auf 705 Mio. €, die operative Marge verbesserte sich auf 10,7%. Adidas rechnet mit einem direkten WM-Effekt auf den Umsatz von mehr als 1 Mrd. €.Besonders dynamisch entwickelte sich zuletzt der Direktvertrieb: Der Umsatz im DTC-Geschäft (Direct-to-Consumer) stieg um 22%, der im E-Commerce sogar um 25%. Adidas' Schwerpunkt bleibt jedoch auf dem Grosshandel. Das Unternehmen gewährt trotz angespanntem Marktumfeld weniger Rabatte und verknappt dafür Liefermengen künstlich. Beliebte Modelle gibt es ausschliesslich zum Vollpreis.Für das Gesamtjahr hält Adidas allerdings (noch) an der Prognose fest, wenngleich am Markt schon mit einer Erhöhung spekuliert worden war und die hohe Markenbegehrlichkeit positiv gesehen wird. Der Umsatz soll währungsbereinigt unverändert im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen, das Betriebsergebnis auf rund 2,3 Mrd. € steigen. Adidas erwartet zudem Belastungen von rund 400 Mio. € durch Zölle und Währungseffekte. Das halten einige Marktbeobachter für ein Worst-Case-Szenario.The Market hat Adidas am 27. Mai als einen von zehn attraktiven deutschen Börsenwerten empfohlen, die nicht vom KI-Boom abhängen. Seinerzeit lag der Kurs bei gut 160 €, zuletzt bei mehr als 175 €.Die Aktie ist mit einem KGV von 17 bewertet. Der Median der vergangenen zehn Jahre liegt bei 26.Was noch auffällig istAm anderen Ende der Dax-Rangliste ist der Rüstungskonzern Rheinmetall 📈 zu finden, dessen derzeit unbeliebte Aktie deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 1611 € notiert – ein technisches Verkaufssignal. Dabei gab es zuletzt zahlreiche gute Nachrichten, die den Abwärtstrend aber nicht aufhalten oder gar drehen konnten. Allen voran hat die Waffenschmiede einen Rekordauftrag für Panzer und Munition aus Rumänien erhalten. Der EU-Staat bestellte 300 Lynx-Panzer, diverse Gefechtsfahrzeuge und Flugabwehrsysteme, vier Marineschiffe und Munition im Gesamtwert von 5,7 Mrd. €. Die Bundeswehr orderte indes 2000 Militär-Lkw für insgesamt rund 1 Mrd. €, und das kriselnde Autozulieferergeschäft geht für 350 Mio. € an die Beteiligungsgruppe Aequita.Hochtief 📈 aus dem MDax steigt am 22. Juni erstmals in den Dax auf. Das Bauunternehmen aus Essen wird den Sportwagenbauer Porsche im deutschen Leitindex ersetzen. Gemessen an der relativen Stärke nach Levy wäre es heute auf Rang zwei im Dax. Das mehrheitlich zum spanischen ACS-Konzern gehörende Unternehmen profitiert vom Boom bei Rechenzentren in den USA, wo es 63% seines Umsatzes erzielt. Die Aktie ist nicht mehr günstig zu haben, doch die Rechenzentren rechtfertigen eine gewisse Prämie, meint The Market.Noch sind die deutschen Intralogistikspezialisten Kion 📈 und Jungheinrich im Momentum Screen weit abgeschlagen. Doch das könnte sich aber bald ändern, falls der Krieg im Persischen Golf ab Freitag der Geschichte angehört und die Konjunktur in der Folge anziehen sollte. Die Börsianer sind sich schon sicher: Die Aktie von Kion legte am gestrigen Montag nach Bekanntwerden der möglichen Einigung zwischen den USA und Iran zeitweise fast 10% zu. The Market hält Kion für attraktiver als Jungheinrich.Kein Halten mehr kennt der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S 📈, der ebenfalls KI-Gewinner ist. Mitte Mai hatte der Zulieferer von Apple und Intel ein Umsatzwachstum von 30 bis 35% prognostiziert nach einem Plus von 21% im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende März). Die Leiterplatten von AT&S werden für Smartphones, Tablets, Spielekonsolen und Medizinprodukte verwendet. Das Unternehmen produziert aber auch IC-Substrate, die in Notebooks als Verbindungselemente zwischen Leiterplatte und Chip dienen. Nun baut AT&S die Produktion dafür in Malaysia aus und investiert bis zu 2 Mrd. €, die vollständig durch langfristige Kundenzusagen gedeckt seien sollen. Daher erwartet der ATX-Konzern jetzt ein Umsatzplus von 45 bis 55% sowie eine Ebitda-Marge von 32 bis 37% (zuvor: 25 bis 29%).Über diesen Link gelangen Sie zum Dokument mit sämtlichen Tabellen.Haben Sie Anregungen zum Momentum Screen? Vermissen Sie eine Tabelle? Dann schreiben Sie uns: [email protected].Der Autor hält Aktien von Kion und Rheinmetall.