PfadnavigationHomePolitikDeutschlandMartin BlessingInvestoren fürchten Enteignungsdebatten mehr als AfD, sagt der Merz-BeraterStand: 21:04 UhrLesedauer: 2 Minuten„In Österreich sitzt die FPÖ in mehreren Landesregierungen, und die wirtschaftliche Lage hat sich dadurch nicht eingetrübt“, sagt Martin BlessingQuelle: Andreas Gora/dpaEnteignungsforderungen schrecken Investoren dem Bundesbeauftragten für Investitionen zufolge stärker ab als ein möglicher Wahlerfolg der AfD. Die Partei sei in Gesprächen weniger ein Thema – die Forderung der Linkspartei dagegen umso mehr.Dem Beauftragten der Bundesregierung für Investitionen, Martin Blessing, zufolge betrachten Investoren Debatten über Eingriffe in Eigentumsrechte deutlich kritischer als die hohen Umfragewerte der AfD. „Deshalb schauen viele Investoren mehr auf die Wahl in Berlin als auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt“, sagte er dem „Handelsblatt“. Unter anderem die Linkspartei in Berlin fordert die bundesweite Enteignung privater Wohnungskonzerne. Er wisse nicht, ob Investoren die Risiken der AfD unterschätzten. Viele von ihnen würden sich mit der Partei im Detail aber nicht auseinandersetzen. „In Österreich sitzt die FPÖ in mehreren Landesregierungen, und die wirtschaftliche Lage hat sich dadurch nicht eingetrübt“, sagte Blessing weiter.Generell würden ausländische Geldgeber Deutschland positiver sehen, als man das hierzulande selbst sehe. „Deutschland gilt als politisch stabil, verfügt als einziges G7-Land über das beste Kreditrating AAA und hat eine starke Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.“ Er habe in den vergangenen Monaten mit einer „mittleren dreistelligen Zahl“ an Investoren gesprochen. Lesen Sie auchMit deutlichen Worten kritisierte Blessing, dass die Rente nicht längst an den Kapitalmarkt angebunden sei. „Es war ein schwerwiegender Fehler mit fatalen Folgen, dass wir den deutschen Rentnern nicht die Möglichkeit gegeben haben, am Kapitalmarkt fürs Alter vorzusorgen. Ich hielte es für geradezu verantwortungslos, diesen Fehler für die künftigen Generationen nicht schleunigst zu korrigieren.“Es gehe an den Aktienmärkten zwar immer wieder auf und ab, auf lange Sicht seien die Renditen dort aber höher und würden über den Zinseszinseffekt helfen, zusätzliches Rentenkapital zu bilden. „In Dänemark verfügen Rentner über ein deutlich höheres Vermögen als in Deutschland, weil sie im Rahmen ihrer Altersvorsorge seit 30 Jahren in den Kapitalmarkt investiert haben“, sagte Blessing.Lesen Sie auchIn Bezug auf China plädiert Blessing bei Wirtschaftsfragen für einen mutigeren Umgang. Er erklärte: „Ich bin grundsätzlich für Wettbewerb und freien Handel. Aber wenn wir uns beim Fußballspielen immer an die Regeln halten und die anderen uns umtreten, wenn der Schiedsrichter wegguckt, dann muss man sich entscheiden: Verlieren wir das Spiel, oder grätschen wir bei nächster Gelegenheit auch mal rein?“ Er empfehle daher, „auch mal pragmatisch“ zu sein und nicht „nur vorbildlicher Vertreter der reinen Lehre“.nw