KommentarTrumps löchriges Abkommen mit Iran: Im Nahen Osten wird es unruhig bleibenDer amerikanische Präsident wollte Geschichte schreiben: das Regime in Teheran stürzen oder zumindest sein Atom- und Raketenprogramm sowie die Unterstützung für ausländische Milizen stoppen. Nun endet der Krieg vorerst in einer vagen Einigung.15.06.2026, 20.30 Uhr4 LeseminutenEine Frau geht in Teheran am Sonntag auf dem Platz der Revolution (Enqelab Square) an einer Plakatwand mit der iranischen Nationalflagge vorbei.Abedin Taherkenareh / EPAFür eine endgültige Bilanz des amerikanisch-israelischen Kriegs ist es noch zu früh. Der vollständige Text über die Verständigung zwischen Washington und Teheran ist offiziell noch nicht bekannt. Donald Trump versuchte zwar, einen Sieg für sich zu reklamieren. Auf Truth Social schrieb er: «Viele (amerikanische) Präsidenten versuchten mit Iran Frieden zu schliessen, und alle vor mir sind gescheitert.» Sein «grossartiger Deal» werde Frieden für die ganze Region bringen. Bei allen Unklarheiten über das Abkommen scheint dies jedoch Wunschdenken zu sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gemäss iranischen Quellen umfasst die «Absichtserklärung» (Memorandum of Understanding) insgesamt 14 Punkte: unter anderem ein sofortiger und umfassender Waffenstillstand inklusive Libanon, die Freigabe von eingefrorenen iranischen Vermögenswerten über 24 Milliarden Dollar, eine iranische Verzichtserklärung für die Entwicklung einer Atombombe und die Öffnung der Strasse von Hormuz innerhalb von 30 Tagen. Die Unterzeichnung soll am Freitag in der Schweiz stattfinden, hiess es zunächst. Das unveröffentlichte Memorandum sei indes bereits am Sonntag elektronisch signiert worden, sagte der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance am Montag. Details zur Atomfrage sollen allerdings erst innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Dokuments ausgehandelt werden. Vor Beginn dieser Verhandlungen soll Teheran bereits Zugang zur Hälfte der Vermögenswerte erhalten.Viele ungelöste DifferenzenRegierungsmitarbeiter in Washington bestritten am Montag, dass Iran die Hälfte der 24 Milliarden Dollar bedingungslos zugesichert worden sei. Die von Teheran verbreiteten Informationen über das Abkommen hätten nichts mit der tatsächlichen Einigung zu tun, erklärte Trump bereits am Freitag. Dies allein aber zeigt, wie steinig der Weg zu einem stabilen Frieden im Nahen Osten noch ist. Zumal Iran auch immer noch über rund 400 Kilogramm an hochangereichertem Uran verfügt. Gemäss der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA könnte diese Menge zur Herstellung von zehn Sprengköpfen ausreichen.Während der Schiffsverkehr womöglich bald wieder freier durch die Strasse von Hormuz fliessen kann, scheinen die anderen zentralen Streitpunkte ungelöst zu bleiben. Trump wollte das Regime in Teheran stürzen oder es zumindest zu grossen Zugeständnissen zwingen. Iran sollte ganz auf eine Urananreicherung verzichten, sein Raketenprogramm einschränken und die Finanzierung ausländischer Milizen im Nahen Osten einstellen. Doch bisher scheint das Regime in keiner dieser Fragen substanzielle Zugeständnisse gemacht zu haben.Das Memorandum werde deshalb vermutlich nur temporär für weniger Gewalt, mehr Schiffsverkehr und mehr Zeit für eine diplomatische Lösung sorgen, erklärte der amerikanische Iran-Experte Nate Swanson von der Denkfabrik Atlantic Council am Sonntag. «Es braucht eine vertiefte Verständigung zur Strasse von Hormuz, um die Wiederaufnahme des maritimen Handels zu gewährleisten. Sonst könnten die Vereinigten Staaten wieder leicht in einen Krieg mit Iran abgleiten.»Die Nahost-Expertin Victoria Taylor bezeichnete den Krieg gegen Iran am Sonntag bereits als «strategischen Fehler». Die Einigung mit Iran sei vermutlich das «bestmögliche» Resultat. «Aber sie ist wohl nicht besser, als was die Vereinigten Staaten ohne Krieg auf diplomatische Weise hätten erreichen können.»Vermutlich nur eine PauseDas iranische Regime war bereits vor dem Krieg geschwächt. Mit dem Sturz von Bashar al-Asad in Syrien verlor Teheran im Dezember 2024 den zentralen Brückenkopf seiner «schiitischen Achse» des Widerstands. Israel gelang es zudem, die schiitische Hizbullah-Miliz in Libanon stark zu schwächen. Und intern brachen Ende des vergangenen Jahres landesweite Proteste aus. Trotzdem bewies die iranische Theokratie nach dem israelisch-amerikanischen Angriff im Februar und der Tötung des Revolutionsführers Ali Khamenei ihre Überlebensfähigkeit. Die USA fanden keine militärischen Mittel, um die Schliessung der Strasse von Hormuz zu verhindern oder ihre Verbündeten und die eigenen Militärbasen im Nahen Osten ganz vor iranischen Raketenangriffen zu schützen.Gleichzeitig stieg die Inflation in den USA in den vergangenen Monaten auf über 4 Prozent. Trumps Unterstützung in der eigenen Bevölkerung sank gemäss Umfragen auf unter 40 Prozent. Dabei entstand der Eindruck, dass Trump eine baldige Verständigung mit Iran mehr wollte als das Regime in Teheran. Nach erneuten israelischen Angriffen auf Ziele in Beirut am Sonntag musste der amerikanische Präsident den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu massregeln, um einen iranischen Vergeltungsschlag zu verhindern und die Waffenruhe zu retten. In einem Interview mit der «New York Times» nannte er Netanyahu am Sonntag «einen sehr schwierigen Kerl».Solange das iranische Regime weiter existiert und auch der Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern ungelöst bleibt, dürfte im Nahen Osten deshalb keine baldige Ruhe einkehren. Die vage Verständigung zwischen Washington und Teheran ist womöglich nur eine Kampfpause im Hinblick auf die amerikanischen Zwischenwahlen, bevor die nächste Runde beginnt.Passend zum Artikel
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Der amerikanische Präsident wollte Geschichte schreiben: das Regime in Teheran stürzen oder zumindest sein Atom- und Raketenprogramm sowie die Unterstützung für ausländische Milizen stoppen. Nun endet der Krieg vorerst in einer vagen Einigung.












