Klimaschutz, Diversity, der Aufstieg rechter Parteien: CEOs sind häufig in Versuchung, sich zu umstrittenen politischen Themen zu äußern. Nicht immer kommt dieser Impuls von ihnen selbst; oft geben sie dem Drängen verschiedener Stakeholder nach. Woher kommt dieser Druck? Das wollten die BWL-Professorin Kimberly Whitler von der Darden School of Business und Thomas Barta, CEO des Marketing Leadership Institute, wissen. Sie befragten 121 Führungskräfte aller Hierarchiestufen aus Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum.Die Managerinnen und Manager nannten insgesamt 14 Einflussfaktoren (siehe Tabelle) in vier Kategorien: 1. Mitarbeitende im Unternehmen, 2. externe Stakeholder, 3. externe Influencer und 4. die eigenen Überzeugungen der Führungskraft.

Ranking nach Intensität des Einflusses auf FührungskräfteKundenEigene ÜberzeugungenVorgesetzteKollegen aus der eigenen AbteilungFür Diversity und Nachhaltigkeit zuständige MitarbeitendeMedienMitarbeitende aus anderen AbteilungenInvestoren/EigentümerRegierung/AufsichtsbehördenAgenturen/UnternehmensberaterInfluencer (Social Media, Promis, Experten)AktivistenFamilie und FreundeUnternehmensanalysten

Zur Überraschung des Forschungsteams hatten externe Influencer wie Medien, Social Media und Investoren nur einen geringen Einfluss auf Manager-Aktivismus. Jedoch belegten die wichtigsten externen Stakeholder jedes Unternehmens Platz eins im Ranking: die Kunden; gefolgt von den eigenen Überzeugungen sowie unterschiedlichen Gruppen aus dem eigenen Haus.„Wenn Angestellte sich bei einem Thema zusammentun, können sie große Macht ausüben“, betonen Whitler und Barta – auch weil Topmanager jeden Tag in Meetings mit ihren Forderungen konfrontiert seien. „In unseren Seminaren erinnern wir daran, dass die Ansichten der Mitarbeitenden selten die Bandbreite der Stakeholder eines Unternehmens abbilden.“ Tatsächlich wichen diese oft stark von den Meinungen der Kunden und Investoren ab.Auch persönliche Werte und Überzeugungen – hier auf Platz zwei – sollten nach Ansicht der Forschenden nicht allein den Ausschlag für politische Äußerungen geben. Vor allem jüngere Führungskräfte glaubten oft, dass ihre Meinung ein legitimer Faktor bei wirtschaftlichen Entscheidungen sei. Bei Boardmitgliedern schaffte es dieser Punkt sogar auf Platz eins. Ein ranghoher Manager habe in einem Workshop erklärt: „Es ist mir egal, ob es dem Unternehmen schadet, wenn ich nur nachts ruhig schlafen kann.“ Whitler und Barta halten dies für einen Fehler. Sie ermutigen Führungskräfte, mit Demut aufzutreten und anzuerkennen, dass ihre persönliche Ansicht möglicherweise mit den Ansichten Tausender Aktionäre kollidiert.