Oh nein – erwartet uns jetzt eine Kampen-isierung der Mode?! Labels wie Miu Miu, JW Anderson oder Bottega Veneta bringen den klassischen Bootsschuh auf den Laufsteg, der damit sein natürliches Habitat verlässt.Seien wir mal ehrlich: Der Bootsschuh steht wie kein Zweiter für eine ziemlich klischeebelastete „Bro Culture“. Für Privatschulprivilegien, für Sommer in Papas Ferienhaus, für Karrieren, in denen man gegenseitige Gefallen ganz lässig beim casual Business-Lunch verhandelt, Dresscode: beigefarbene Chinos, dunkelblaue Westen – und Bootsschuhe aus braunem Leder.

Alles nur Stereotype? Eben nicht. Zugehörigkeit über optische Codes herzustellen, das ist schon immer Teil eines elitären Selbstverständnisses. Im „Official Preppy Handbook“, einer Art Standardwerk für Elitenkultur, deklarierte Co-Autorin Lisa Birnbach schon 1980 den Bootsschuh zur Insigne bürgerlichen Distinktionsstrebens: „Der richtige Schuh eröffnet Erfolgschancen.“Man könnte auch sagen: Wer die „richtigen“ Schuhe trägt, scheint das „richtige“ Leben zu führen. Eines, in dem schon alles seinen Gang geht. Bloß keine Experimente auf dem Weg zur eigenen Jacht.Mit Individualität hat das alles natürlich nicht so viel zu tun. Dennoch schlurfen diesen Spätsommer plötzlich braune und dunkelblaue Sebagos, Sperrys und Timberlands durch hippe Großstadtviertel, in denen man sich sonst mit selten erhältlichen Sneakermodellen von der Masse abzusetzen versuchte.Der Bootsschuh-Hipster trägt vielleicht eher Hawaii- statt Polohemd zum Schuh – und trotzdem fragt man sich bei seinem Anblick unwillkürlich, warum man in Berlin-Mitte eigentlich so tun muss, als hätte man das Segelboot direkt um die Ecke vor Anker liegen.