Für sie: Power PantoffelDie erste Hitzewelle liegt hinter uns, die geschwollenen Füße waren also schon mal an der Luft, aber die Frage ist aus Modesicht natürlich, wie. Flipflops, die Zehentrenner aus Gummi mit dem lustigen Flop-Geräusch tragen wir nur heimlich zu Hause im Garten oder auf dem Balkon, weil sich nichts mehr nach Freiheit anfühlt. Aber in der Öffentlichkeit waren sie bis vor Kurzem noch ein No-Go, sie wirkten zu nackt, zu nachlässig, zu Ballermann. Der Klassiker von Havaianas wurde dann spätestens voriges Jahr von Fashion People ironisch getragen, weil das New Yorker Label The Row eine Luxusversion lanciert hatte. Das kann man getrost weiterhin so machen. Ganz vorne dabei ist man in Sachen Latsche allerdings erst, wenn man sich in die Details einarbeitet. Phoebe PhiloPhoebe Philo, die ehemalige Céline-Designerin, setzt bekanntlich seit zwei Jahren mit ihrem eigenen Label Trends – ganz leise, weil sie auf Fashion-Show-Spektakel verzichtet. In ihrem Online-Shop also wartet nun ein Flipflop mit besonders breiten Stoffriemen und einer extradicken, abgerundeten Gummisohle – eine klassische Surfer-Pantoffel, die man mit etwas Glück und gutem Auge auch für einen Bruchteil des Preises (480 Euro) bei einem Outdoor-Spezialisten kriegt. Wer jetzt aber denkt, in alten Shorts und Tanktop einen auf entspannt machen zu können, irrt: Diese Funktionsschlappe sollte nicht auf dem Weg zum Strand, sondern zu echten Stadtklamotten getragen werden, also zum Hosenanzug oder zum eleganten Rock. Der Witz liegt ausschließlich im Kontrast, niemals im Aufgeben.Für ihn: O Sohle mio!Es ist eine gängige Versuchsanordnung in der Mode: ein eigentlich banales Objekt mit hochwertigen Komponenten aufzuladen und dann zu schauen, was damit passiert. Wurde schon oft gemacht, diesen Sommer versucht es Prada mit dem guten alten Zehentrenner, der hier jetzt mit Riemen aus gebürstetem Kalbsleder angeboten wird, für luftige 650 Euro. In diesem Fall ist das Ergebnis recht eindeutig – luxuriöse Materialien erhöhen zwar die Qualität, verändern aber nicht die Grundform und damit das Grundproblem, das viele Gentlemen-Ratgeber mit diesem Leichtschuh haben: zu viel Zehen, zu wenig Rahmung für den Fuß, zu viel quakendes Geräusch für einen männlichen Gang. PradaAlso, auch die Prada-Version ändert nichts daran, dass das stilsichere Einsatzgebiet der Latsche auf Poolterrassen und sehr private Umgebungen eingeschränkt bleibt. Ist ja eigentlich auch nicht schlimm, es gibt mit all den Loafers, Mokassins und Espadrilles dieses Jahr ausreichend Alternativen in jeder Förmlichkeit für den männlichen Sommerfuß, die alle modisch viel mehr Spaß machen als die flachen Plastiksohlen. Aber es gibt auch noch einen anderen, vielleicht nicht ganz so ausgiebig besprochenen Modetrick, der gerade bei Männern gelegentlich sehr gut wirkt: IYKYK (if you know, you know). Oder auch: Exzellenz für Eingeweihte. Klassischerweise wäre es das dezente Monogramm auf einem leicht abgewetzten Hemd, als Hinweis auf Maßarbeit. Oder der alte Porsche-Schlüssel, der ganz nebensächlich mit Quittungen und Bonbonpapier auf den Schreibtisch purzelt. Ähnlich wäre es vielleicht mit Prada-Flipflops, ganz leger in Bibione neben der Sandburg ausgezogen. Wenn man es weiß, weiß man es.
Flipflops und Zehentrenner in der aktuellen Sommermode von Prada und Co.
Der Artikel beleuchtet den Wandel der Flipflops von Garten- zu Stadtmode und zeigt, wie Luxusmarken wie Prada und Designer wie Phoebe Philo das einfache Schuhwerk neu interpretieren.












