Am 22. Juni 1974 sehen die Zuschauer im Hamburger Volksparkstadion eine eigenwillige Aufführung. Bevor das Spiel der Fußballweltmeisterschaft angepfiffen wird, lässt das Orchester die Hymnen erklingen; doch alle 22 Spieler schweigen, zwei Lieder lang. Es tritt Deutschland gegen Deutschland an, Ost gegen West, und kaum einer verzieht eine Miene. Franz Beckenbauer nicht, Sepp Maier nicht. Jürgen Sparwasser nicht. Sparwasser wird Mitte der zweiten Hälfte das entscheidende 1 : 0 für die DDR schießen, weshalb die Partie in die Fußballgeschichte eingeht. Die zwei Minuten vor Anpfiff bleiben weniger in Erinnerung – dabei zeigen sie eindrücklich das vertrackte Verhältnis der Deutschen zu ihren Hymnen.
Deutsche Nationalhymne: Und was singen wir jetzt?
Das Gewicht der Geschichte drückt seit jeher auf das »Lied der Deutschen«. Warum unser Verhältnis zur eigenen Nationalhymne so kompliziert ist.
Beim WM-Spiel DDR gegen Westdeutschland (22. Juni 1974) verstummten alle 22 Spieler bei den Hymnen; Sparwasser erzielte das entscheidende 1:0. Dieses Ereignis offenbart Deutschlands vertracktes Verhältnis zu Hymnen und Identität.
















