Am 12. Juni war nur ein Zeuge im Prozess zum Mordfall Fabian am Landgericht in Rostock vorgeladen. Trotzdem war der Andrang so groß, dass nicht alle Zuschauer in den Großen Saal gelassen werden konnten und auch in der Doppelreihe für die Medienvertreter war fast jeder Patz besetzt.

Der Angeklagten Gina H. wird vorgeworfen, am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen den zur Tatzeit achtjährigen Fabian aus Güstrow ermordet zu haben. Sie soll der Meinung gewesen sein, der Junge würde der Wiederaufnahme ihrer Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. im Weg stehen. Matthias R. soll sich von ihr im August 2025 nach vier Jahren Beziehung getrennt haben. Anfang Oktober gab es noch einmal eine Annäherung zwischen den beiden, bevor Fabians Vater sagte, es sei endgültig vorbei. Gina H. schweigt bisher zu den Vorwürfen, deshalb werden vor Gericht Beweise gegen sie in einem Indizienprozess zusammengetragen.

Vier Wochen vor dem Mord plötzlich intensiver Kontakt

Der Zeuge Christian D., der am Freitag nun mehrere Stunden vernommen wurde, hat mit Gina H. seit zehn Jahren in demselben Dorf gelebt, in Reimershagen. „Man kannte sich vom Sehen“, sagte der 37-jährige verheiratete Vater zweier Kinder im Gerichtssaal. Doch plötzlich sei Mitte September 2025 ein intensiver Kontakt entstanden. Zuvor hatte Gina H. recht freizügige Fotos auf ihrer Facebookseite veröffentlicht, die Christian D. mit einem Smiley kommentierte. Daraufhin begann ein intensiver Nachrichtenaustausch. Innerhalb von vier Wochen tauschten die Dorfnachbarn 1432 Textnachrichten und mehr als 200 Sprachnachrichten aus, konnte die Polizei ermitteln. Dabei schickte Gina H. dem Zeugen auch freizügige Fotos von sich, unter anderem mit nacktem Oberkörper.