Maximalismus ist zurück. Das Interessante daran ist nicht der Trend selbst, sondern sein Timing. Der Goldpreis bewegt sich seit Monaten in Höhen, die selbst die abgebrühtesten Beschaffungsmanager nervös machen dürften.Was tun Designer, wenn das wichtigste Edelmetall für Schmuck unbezahlbar wird? Sie weichen auf Alternativen aus, und ihre Antwort ist erstaunlich kreativ: Labordiamanten, Silber, Kristalle, Lack, Harz. Alles, was den Preis drückt, ohne dabei die große Geste zu opfern.

Der Ursprung: Woher kommt die große Geste überhaupt?

Manhattan, frühe Zwanziger. Im Oktober 1919 hatte der US-Kongress den „Volstead Act“ verabschiedet – Herstellung, Vertrieb, Verkauf und Konsum von Alkohol waren fortan verboten. Allerdings änderte das Gesetz an der Trinklust der Amerikaner wenig. Bald florierten Speakeasies, jene versteckte Bars, in die man nur über persönliche Empfehlung und ein an der richtigen Stelle geflüstertes Passwort gelangte. Mit dem Cocktail kam die Cocktailparty, mit der Cocktailparty kam der Cocktailring - ein großzügig dimensionierter, meist farbiger Stein als unangefochtener Mittelpunkt, typischerweise umrahmt von anderen Steinen.Ebenfalls neu zu dieser Zeit: Erstmals besuchten auch Frauen Bars. Sie trugen Make-up, kürzeres Haar und skandalös kurze Röcke. Der Cocktailring saß stets an ihrer rechten Hand, am Zeige- oder Mittelfinger, um Verwechslungen mit einem Verlobungsring zu vermeiden. Ganz wichtig nämlich: Diesen Ring kauften Frauen sich selbst. Schmuck verließ in diesem Moment zum esten Mal die Sphäre des Geschenkten, Vererbten, des Notnagels fürs Verlassenwerden – Selbstermächtigung mit funkelnder Strahlkraft also.