Aus einem Schüler in Zürich wird ein brutaler General – und der Präsident IndonesiensAuf Instagram spielt er den Opa mit der Katze auf dem Schoss, im Militär liess er Menschen foltern und umbringen. Prabowo Subiantos unfassbarer Weg zur Macht.12.06.2026, 05.30 Uhr10 LeseminutenPrabowo Subianto, der auf verschlungenen Wegen zum Präsidenten Indonesiens aufgestiegen ist, will mit Korruption aufräumen, dafür braucht es «ein bisschen Autoritarismus», wie er sagte.Christian Liewig / ImagoPrabowo Subianto ist ein Mann, der Sehnsüchte stillen kann. Seine jungen Wähler wollten, dass er tanzt wie ein Tiktok-Star. Also tanzte er – bis er Präsident wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Brüder und Schwestern, haben wir Musik?», tönt es aus dem Lautsprecher. Ein Beat erklingt, laut, schnell. Die Menge johlt, schwenkt Fahnen und Smartphones. Sie kennt den Rap-Song. «Hebt die Hände in die Luft!» Partystimmung.Da betritt ein älterer Mann in hellblauem Hemd die Bühne. Seine Bewegungen sind etwas steif, aber er hat Rhythmus, formt die Hände zu Schaufeln, Schritt nach links, Schritt nach rechts. Das private Newsportal Liputan 6 zoomt auf das Publikum, stellt die Aufnahme später auf Youtube.Die Menge ist ausser sich.Der TanzbärPrabowo Subianto ist 72. Er will Präsident werden. Hier in der Stadt Semarang im Norden der Insel Java geht er auf Stimmenfang, es ist Ende Januar 2024. Prabowos Motto ist ein Slangwort: «Gemoy». Der Begriff bezeichnet Dinge, die so niedlich sind, dass man sie knuddeln möchte. Sein Marketing: der süsse Opa von nebenan, der seine Katze krault. Es gibt ihn sogar als Trickfilmfigur.Wahlen im viertgrössten Land der Welt sind ein Volksfest. Prabowo gibt der Menge das, was sie will: gute Unterhaltung und die richtigen Versprechen. Prabowo verspricht Jobs, kostenlose Mahlzeiten für Schulkinder und Schwangere, er will Korruption bekämpfen und Indonesien international gross machen. Wenige Wochen später wird er im ersten Wahlgang zum Präsidenten Indonesiens gewählt. Zigmal hat er das mächtige Amt begehrt, zigmal ist er gescheitert, und nun endlich: Erfolg.Aber wer Prabowo verstehen will, muss weiter zurück, viel weiter. Damals tanzte er nicht. Damals liess er Menschen töten.Prabowo stammt aus Jakarta, sein Vater ist Javaner. Der indonesische Volksmund spricht gerne von «Jawa halus», der feinen javanischen Art. Die Javaner schätzen Höflichkeit und gute Umgangsformen, Konflikte tragen sie lieber indirekt aus. Für manche Indonesier verbirgt sich dahinter aber das Bild einer dominanten politischen Elite im Staatsapparat, die ihre Vormachtstellung unbedingt verteidigt – notfalls mit Härte.Sumitro Djojohadikusumo, Ökonom und Vater von Prabowo Subianto, im Jahr 1973.PDDer KriegsherrDer Krieg in Osttimor steht wie kaum ein anderes historisches Ereignis für die Brutalität, mit der Jakarta seine Ordnung durchsetzte. Prabowo war mittendrin.Im Dezember 1975 besetzt Indonesien Osttimor. Die Bewohner der Insel wollen frei sein und dafür kämpfen. Ihr Anführer ist Nicolau Lobato.Der indonesische Diktator Suharto will seinen Kopf, und er setzt einen seiner aufstrebenden Leutnants ein, um ihn zu bekommen: Prabowo Subianto.Prabowo ist 26 Jahre alt, der jüngste Kommandant einer Spezialeinheit. Die besten Soldaten kämpfen für ihn: die Fallschirmjäger. Sie spüren Lobato auf, töten ihn und schicken seinen abgetrennten Kopf per Post an den Diktator.Prabowo wird noch viele Jahre in Osttimor kämpfen, bis Mitte der neunziger Jahre. Seiner Einheit wird vorgeworfen, Hunderte Zivilisten massakriert und gefoltert zu haben. Zeugen berichten, Prabowo habe selbst Hand angelegt. In den neunziger Jahren hat Prabowo, gedeckt durch das Regime, Schlägertrupps losgeschickt, vermummte Ninjas, die Mitglieder der Unabhängigkeitsbewegung verfolgten und töteten.José Ramos-Horta, Widerstandskämpfer, späterer Staatsmann und Träger des Friedensnobelpreises, bei einem Treffen mit dem ersten Präsidenten Osttimors, Francisco Xavier do Amaral, in Dili. Prabowo Subianto macht dort später als Kommandant Karriere. Indonesien besetzte Osttimor ab Dezember 1975 bis 1999.Penny Tweedie / Corbis / GettyWährend der indonesischen Besetzung Osttimors lässt das Regime laut Schätzungen 150 000 Menschen töten. Ein Völkermord, sagen westliche Genozidforscher.Prabowo wird die Vorwürfe gegen ihn als beleidigend und falsch zurückweisen und sagen, das sei ein Krieg gewesen, bei dem beide Seiten zu schmutzigen Mitteln gegriffen hätten. Es sei zwar zu «Exzessen» gekommen, aber ohne seine Beteiligung. Er habe nur als Soldat seinem Land gedient.Als er Jahrzehnte später nach seinem Wahlsieg gefragt wird, warum er es immer wieder versucht habe, Präsident zu werden, sagt er etwas Ähnliches. «Ich tat es aus Liebe zu meinem Land.» Er wolle nicht, dass Indonesien von einer anderen Nation mit Füssen getreten und geplündert werde. Er wolle das Beste für sein Volk, sagt er dem Fernsehmoderator. Es ist sein Antrittsinterview und wird im ganzen Land ausgestrahlt. Noch etwas verrät er dem Moderator: sein Lieblingslied. «One Moment in Time» von Whitney Houston.Der Refrain: «Gib mir diesen einen Moment, wenn das Schicksal es gut mit mir meint, dann, in diesem einen, kurzen Moment, fühl ich sie, die Ewigkeit.»Prabowo versteht jedes Wort des Liedtexts. Sein Englisch ist gut, er soll laut zuverlässigen Berichten auch Deutsch, Arabisch, Französisch und Holländisch sprechen. Prabowo fühlt sich wohl auf der Weltbühne, als Teil der internationalen Elite. Da wurde er sozialisiert. Er hat fast seine gesamte Jugend in amerikanischen und britischen Schulen verbracht. Unfreiwillig.Der ExilantPrabowo stammt aus einer Familie, in der Geld, Macht und Bildung zählten. Sein Grossvater gründete eine Bank. Seine Mutter Dora Marie Sigar wurde mit zwölf Jahren in die Niederlande geschickt, sie besuchte dort die Schule und liess sich zur Krankenpflegerin ausbilden. Später heiratete sie den bekannten Ökonomen und Minister Sumitro Djojohadikusumo. 1949 erkannten die Niederlande Indonesiens Unabhängigkeit an. Zwei Jahre später kam Prabowo Subianto als zweitjüngstes von vier Kindern zur Welt.Als kleiner Bub habe er es geliebt, Krieg zu spielen, berichten indonesische Medien. Sein verstorbener Onkel war sein Vorbild, er war Jahre vor seiner Geburt in der indonesischen Nationalrevolution als Soldat gefallen. Prabowo Subianto wurde nach ihm benannt. «Seit meiner Kindheit wollte ich Soldat werden», sagte er der Nachrichtenplattform Liputan 6.Aber Prabowo Subianto war keine zehn Jahre alt, als seine gesamte Familie Indonesien 1958 verlassen musste. Sein Vater hatte sich an einer Rebellion gegen Sukarno, den ersten Präsidenten Indonesiens, beteiligt. Was folgte, war ein unstetes Leben, zwei Jahre hier, zwei Jahre da.Die Familie ging erst nach Singapur, dann nach Hongkong, später nach Malaysia.1964 zieht die Familie weiter nach Zürich. Die American International School of Zurich war kurz zuvor in der schmucken Villa Spinnergut in Kilchberg gegründet worden. Zwei Jahre besucht Prabowo dort die Oberstufe, einen Abschluss habe Prabowo nicht gemacht, sagt eine Sprecherin der Schule, die mittlerweile «Zurich International School» heisst und in Adliswil steht. Die indonesische Botschaft in Bern antwortet nicht auf mehrfache Anfragen der NZZ. Von Prabowos Aufenthalt in Zürich ist erstaunlich wenig bekannt, aber dass er Deutsch spricht, ist belegt. Prabowo selbst erwähnt seinen Aufenthalt in Zürich nur selten, auf Instagram teilt er 2018 ein Jahrbuchfoto von sich als Vierzehnjähriger in Zürich, auf Tiktok 2023 ein Schwarz-Weiss-Bild der Villa Spinnergut.Prabowo macht in London sein internationales Abitur, bewirbt sich an mehreren Universitäten in den USA, wird von drei angenommen – und lehnt alle ab. In Indonesien ist Sukarno gestürzt worden, nun herrscht der Diktator Suharto mit seiner «Neuen Ordnung». Nach über zehn Jahren im Exil kehrt Prabowos Familie zurück. 1970 tritt er in die Militärakademie ein.Der PutschistÜber diese Zeit kursieren wilde Gerüchte: heimliche nächtliche Ausbrüche, Prügeleien, ein wiederholtes letztes Jahr. Man sagt Prabowo nach, er habe im Unterricht zerstreut aus dem Fenster geblickt und selten mitgeschrieben, was er später dementierte. Prabowo galt als intelligent, aber disziplinlos. Seiner Karriere in der Armee schien das rebellische Verhalten sogar zu nützen.1974 verliess er die Militärakademie als Leutnant und trat den elitären Spezialkräften bei. Dort – unter anderem in Osttimor – bewies er sich. Prabowo liess sich in Deutschland im Jahr 1981 bei der Anti-Terror-Einheit GSG 9 weiterbilden, in den USA besuchte er in Fort Benning (heute Fort Moore) einen Lehrgang. Dort schulte die amerikanische Armee Offiziere in Infanterie- und Führungstaktik. Bis 1995 stieg er zum Generalmajor und Kommandanten der Spezialkräfte auf. Drei Jahre später wurde er Befehlshaber der strategischen Reserve. 11 000 Soldaten dienten unter ihm.Prabowo war der Macht so nah wie nie zuvor. Doch er würde noch alles verlieren, seinen Ruf, seine Ehefrau, seine Heimat.1981 hatte Prabowo geheiratet: Titiek Suharto, die Tochter des regierenden Diktators. Damit wurde er Teil der mächtigsten Familie des Landes. Ihr gemeinsamer Sohn, Didit, wurde später ein weltbekannter Modedesigner, Persönlichkeiten wie Carla Bruni trugen seine Kleider.Prabowo lernte Titiek Suharto durch seinen Vater kennen, den Ökonomen Sumitro. Dieser hatte die Wirtschaftsfakultät der wichtigsten Universität des Landes mitbegründet, der Universitas Indonesia in Jakarta, er diente als ihr Dekan, später war er Professor und Dozent. Titiek Suharto studierte Buchhaltung an der Universität, Sumitro sei einer ihrer Dozenten gewesen, so berichtet es CNN Indonesia.Ausgerechnet Sumitro entzweite später die beiden wieder. Mitte der neunziger Jahre kritisierte er die Politik des Diktators Suharto und das System öffentlich. Er war nicht allein damit. Der Unmut gegen das Regime wuchs und kumulierte Ende 1997 und 1998 in Massenprotesten im ganzen Land.Der Offizier Prabowo liess mit seinen Spezialeinheiten Demokratieaktivisten und Studenten verfolgen und entführen. Aber das Ende der Diktatur war nicht mehr aufzuhalten. Schliesslich besetzten Studenten das Parlament. Im Mai 1998 trat Suharto zurück.Der Vizepräsident unter Suharto rückte nach. Im Folgejahr fanden die ersten freien Parlamentswahlen statt.Doch noch im chaotischen Ende der Diktatur wittert Prabowo seine Chance. Er marschiert zum Präsidentenpalast und verlangt, dass er zum Armeechef ernannt wird, so verraten es damals Insider dem amerikanischen «Time Magazine». Auch den Posten des Oberbefehlshabers der Streitkräfte will er neu besetzen, und zwar mit einem seiner Loyalisten. Der neue Präsident sagt, das sei eine Entscheidung der Armee. Am nächsten Tag zieht Prabowo wieder zum Präsidentenpalast, aber dieses Mal mit Truppen. Die Sicherheitsleute befürchten einen Coup und eskortieren den Präsidenten in den Nebenpalast. Noch in derselben Nacht wird Prabowo mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt entlassen.Bis heute bestreitet Prabowo, einen Putsch geplant zu haben. Er habe die Truppen nur zum Schutz des neuen Präsidenten verlegt, sagt er.Auch privat kam es damals zum Bruch. Prabowo und Titiek liessen sich 1998 scheiden. Später wird erzählt, dass seine Schwiegerfamilie ihm eine Mitverantwortung am Sturz Suhartos angelastet habe. Er solle die Proteste absichtlich nicht verhindert haben und sei ein Verräter. Seine Frau Titiek soll ihn aus dem Haus ihrer Familie geworfen haben.1998 untersuchte der militärische Ehrenrat Prabowo genauer. Er warf ihm schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Im Abschlussbericht steht: «Er befahl (. . .) die Aufspürung, Verhaftung und Inhaftierung von Aktivisten (. . .), wohl wissend, dass dies nicht in seine Zuständigkeit fiel.»Der General Prabowo Subianto im Februar 1998. Wenige Monate später verliert er sein Kommando; Militärkreise verdächtigen ihn, Entführungen von Demokratieaktivisten angeordnet zu haben.Muchtar Zakaria / APDer Ehrenrat des Militärs fällte ein vernichtendes Urteil: Prabowo habe die Gewohnheit, «das Einsatzsystem, die Hierarchie, die Disziplin und das Gesetz zu missachten». Der Militärchef machte die Demütigung öffentlich und entliess Prabowo aus der Armee.Die Armee regelte die Sache selbst. Prabowo war mächtig und gut vernetzt. Ein Strafprozess hätte wohl die Armee gespalten. So wurde der Konflikt disziplinarisch gelöst, anstatt dass sich in der ohnehin instabilen Phase nach dem Sturz Suhartos ein militärischer Machtkampf entwickelt hätte.Doch auch die Absetzung war für Prabowo Schande genug. Noch bevor er fünfzig Jahre alt wurde, war er ein gescheiterter, geächteter und geschiedener Mann. Erneut ging er ins Exil. In die USA konnte er nicht, dort wurde er ab 2000 wegen Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen an der Einreise gehindert, erst 2020 erhielt er wieder ein Visum. Prabowo verbrachte die Jahrtausendwende in Jordanien bei seinem Freund König Abdallah II.2001 kehrte er zurück nach Jakarta.Der StrategePrabowo nutzte die Geschäftskontakte seines Bruders, der unter anderem mit einem Erdöl-Deal in Kasachstan reich geworden war, und gründete ein eigenes Firmenimperium, die Nusantara Group. 2004 stieg er in die Politik ein. Er wollte sich sofort als Präsidentschaftskandidat der Golkar-Partei aufstellen lassen, konnte sich aber nicht gegen den Konkurrenten durchsetzen. 2008 trat er aus und gründete seine eigene Partei, die Gerindra-Partei, ihr voller Name: Partei der Bewegung Grosses Indonesien. Es ist eine Partei mit einem nationalistischen Programm, sie fordert mehr Souveränität und Unabhängigkeit vom Ausland, betont Disziplin, starke Führung, Volksnähe, die Wichtigkeit von Glaube und Religion für die Werte der Indonesier.2009 stellte sich Prabowo als Vizepräsidentschaftskandidat auf und führte seine erste landesweite Kampagne. Er verlor. 2014 erst kommt der Durchbruch zur grossen Partei, Gerindra holte fast 12 Prozent der Parlamentssitze. Immer mehr Wähler aus Java, aber auch darüber hinaus fühlten sich vom Versprechen eines «grossen Indonesien» mit der starken Führerfigur Prabowo angezogen, vom Versprechen einer Partei «für das Volk», die für Ordnung sorgt.Prabowo mobilisiert seine Partei Gerindra vor den Parlamentswahlen 2014. Prabowo positioniert sich als Alternative zu Jokowi – und als «starker Mann» für ein «grosses Indonesien». Wenige Monate später verliert er die Präsidentenwahl gegen Joko Widodo.ImagoPrabowo zeigt sich als einer, der hart durchgreifen und befehlen kann, gegen Korruption vorgehen und die Nation beschützen will. Statt vager Versprechen wird er konkret, schlägt Sozialprogramme vor. Aber er spaltet die Indonesier. Die einen sehen ihn als Retter, die anderen als gefährlichen Hardliner.Wieder und wieder nahm Prabowo Anlauf und scheiterte. 2014 und 2019 trat er gegen Joko Widodo an, den alle Jokowi nennen, als Präsidentschaftskandidat. Die Indonesier liebten Jokowi, er ist ein Aufsteiger. Prabowo dagegen schien mit seinem privilegierten Hintergrund und seiner zweifelhaften Militärkarriere abgehoben. Prabowo verlor zweimal deutlich. Er war ein schlechter Verlierer.2019 kann er seine Enttäuschung und seinen Frust nicht mehr verstecken. Er weigert sich, die Niederlage anzuerkennen, und wirft seinem Erzrivalen Wahlbetrug vor. Damit stachelt er seine Anhänger an, die in ihm den grossen Heilsbringer für Indonesien sehen. Auf den Strassen Jakartas werden Hunderte verletzt; acht Menschen sterben. Prabowo zieht vor das Verfassungsgericht und klagt wegen Wahlmanipulation. Das Gericht weist die Klage einstimmig ab.Nun lenkt Prabowo ein. Wenn das Volk Jokowi will, dann soll das Volk Jokowi eben bekommen. Prabowo versöhnt sich mit seinem Erzrivalen und wird Verteidigungsminister.Machtübergabe in Jakarta: Prabowo Subianto und Joko Widodo im Oktober 2024 – der Moment, in dem Indonesiens populärster Politiker das Land an einen Ex-General übergibt.Willy Kurniawan / ReutersDer Autokrat2024 greift er zu einem Schachzug, der ihm endlich den lang ersehnten Sieg bringen soll. Er kandidiert mit Jokowis Sohn Gibran Rakabuming Raka. Gibran ist 37, wirkt nahbar und verleiht Prabowo noch das letzte Puzzleteil, das ihn mehrheitsfähig macht: Kontinuität. Wenn er mit Prabowo auf der Wahlkampfbühne tanzt, jubeln die Leute. Dass Prabowo ein geächteter Ex-General ist, dem schwere Verbrechen vorgeworfen werden, tritt in den Hintergrund. Prabowo ist nun der niedliche Opa und der starke Staatsmann zugleich, der Jokowi gar nicht so unähnlich ist.Das Versprechen von Kontinuität: Prabowo und Jokowis Sohn Gibran wenige Monate vor dem Wahlsieg. Die Allianz machte Prabowo, den früheren Rivalen Jokowis, plötzlich mehrheitsfähig.Bagus Indahono / EPAAn der Spitze der Macht angekommen, greift Prabowo aber zu altbekannten Methoden. Als im August 2025 jene gegen Privilegien für Parlamentarier und die schlechte Wirtschaftslage auf die Strasse gehen, die Prabowo zu grossen Teilen gewählt hatten – die Jungen – lässt die Polizei über Tausend von ihnen festnehmen. Manche wurden als vermisst gemeldet, einer stirbt in Haft. Im Strafgesetzbuch gelten seit Anfang Jahr Bestimmungen, die Angriffe auf die Würde des Präsidenten oder des Vizepräsidenten unter Strafe stellen. Prabowos Neffe wird zum stellvertretenden Gouverneur der Zentralbank.Ein bisschen Autoritarismus brauche das Land vielleicht, um Korruption zu bekämpfen, sagt Prabowo im Februar, scherzhaft.Die lauten Beats sind verklungen, die Party vorbei. Der General ist zurück.Passend zum Artikel