Wenn an diesem Freitag das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) der EU in Kraft tritt, können die Bundesländer neue Asylzentren eröffnen. In ihnen sollen Asylbewerber untergebracht werden, für die ein anderer EU-Staat zuständig ist oder die schon als Schutzberechtigte in einem anderen Land der EU anerkannt wurden. Während die meisten Bundesländer noch abwarten, wie sich die Reform entwickelt, hat Sachsen schon von Freitag an ein solches sogenanntes Sekundärmigrationszentrum zur Verfügung. Es ist das bisherige Landesausreisezentrum im Norden Dresdens.Offiziell vom 1. Juli an soll es als Aufnahmeeinrichtung betrieben werden, um Verfahren bei Sekundärmigration durchzuführen. Maximal 400 Personen können dort aufgenommen werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) werde die dort befindlichen Ausländer zur freiwilligen und geförderten Ausreise beraten, teilte das sächsische Innenministerium der F.A.Z. mit. Es gibt in dem Zentrum Anwesenheitspflichten. Wer dagegen verstößt, muss mit Leistungskürzungen rechnen. Die Bewohner werden aber nicht durch Zwangsmaßnahmen am Verlassen des Zentrums gehindert.Die Reform sieht auch vor, dass die Asylverfahren an den Außengrenzen der EU durchgeführt werden, an denen die Schutzsuchenden ankommen. Menschen mit geringen Aussichten sollen dort festgehalten und abgeschoben werden, wenn ihr Antrag abgelehnt wird.Platz für bis zu 400 Menschen: Auf dem Gelände der Landesdirektion Sachsen stehen die Container eines Landesausreisezentrums.Picture AllianceMit der Einführung von GEAS erwarte man eine systematische Reduzierung der irregulären Migration bereits an der Außengrenze und „eine Rückkehr zu einem funktionierenden Dublin-System“, sagte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) der F.A.Z. Er warnte jedoch davor, die Einführung von GEAS unmittelbar mit einem Ende der Grenzkontrollen zu verbinden. „Wenn wir sehen, dass das neue System funktioniert, und wir sehen künftig einen nochmal deutlich reduzierten Zugang nach Deutschland, dann und erst dann bestünde die Chance, auch über einen veränderten Modus der Grenzkontrollen zu sprechen“, sagte Schuster.Die Regeln im Zentrum bleiben weitgehend gleichSachsen hatte das Landesausreisezentrum an der Staufenbergallee in Dresden vor einem Jahr als Pilotprojekt gegründet. Die Einrichtung des Zentrums war im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD verankert worden. Zu Beginn hielten sich 26 Personen dort auf, Anfang Juni 2026 waren es 66 Personen. Dorthin kamen Asylbewerber, die ausreisepflichtig waren und keine Duldung hatten. In ganz Sachsen betrifft das etwa 2000 Menschen.Die Regeln ähneln denen, die nun im neuen Sekundärmigrationszentrum gelten sollen: Es gab strenge Meldepflichten und überwiegend Sachleistungen statt Bargeld. Die Bewohner mussten verpflichtend zur Rückkehrberatung im Zentrum gehen. Wer das Gelände verließ, musste seinen Aufenthaltsort angeben. Bei längerem Fernbleiben drohten außerdem Leistungskürzungen. In dem Dresdner Landesausreisezentrum waren bisher ausschließlich alleinreisende Männer untergebracht.Größere Baumaßnahmen sind für das neue Sekundärmigrationszentrum nicht notwendig. Im Grunde wird dort ein neues Schild angebracht, und das Zentrum wird auf neuer Rechtsgrundlage weiter betrieben.Auch Sachsen-Anhalt will im Sommer ein solches Zentrum in Halberstadt für 150 Personen einrichten. Dort war schon im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt gestartet worden, um abgelehnte Asylbewerber aufzunehmen, für die ein anderer EU-Staat zuständig ist. Schleswig-Holstein will sein Kompetenzzentrum für Ankunft, Verteilung und Rückkehr für das neue Sekundärmigrationszentrum nutzen.Andere Bundesländer prüfen noch, wie sie die neuen Zentren einrichten. Das sind laut einer Umfrage der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) Bayern, Hessen und Brandenburg, das schon ein ähnlich ausgerichtetes Dublin-Zentrum eingerichtet hat. Auch andere Bundesländer wie etwa Niedersachsen zeigen sich grundsätzlich bereit, solche Zentren einzurichten. In Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen sind gegenwärtig keine solchen Sekundärmigrationszentren geplant.
Ein Sekundärmigrationszentrum für Sachsen
Die Bundesländer sollen mit der europäischen Asylreform neue Asylzentren einrichten. Die meisten Länder warten damit noch ab – Sachsen hat bereits eins.












