PfadnavigationHomePanoramaNeuer ORF-Generaldirektor„Ekelhafte Inszenierung“ – Wirbel um Wahl bei Österreichs öffentlich-rechtlichem SenderStand: 03:57 UhrLesedauer: 2 MinutenClemens Pig soll den ORF ab 2027 führen – hier gratuliert ihm die aktuelle Leiterin Ingrid ThurnherQuelle: Elisabeth Mandl/REUTERSDer ORF wählt in einer 15-stündigen Marathonsitzung einen neuen Chef. Erstmals seit Jahrzehnten kommt der neue Generaldirektor von außen. Ein Beteiligter kündigt aber an, die Wahl anfechten zu wollen.Der Medienmanager Clemens Pig wird Österreichs öffentlich-rechtlichen Sender ORF ab 2027 als neuer Generaldirektor leiten. Der ORF-Stiftungsrat wählte den 51-Jährigen nach einer rund 15-stündigen Marathonsitzung zum künftigen Chef, wie das größte Medienunternehmen des Landes mitteilte. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass der Sender mit seinen 4000 Mitarbeitern einen Generaldirektor von außen bekommt.Pig leitete in den vergangenen zehn Jahren die österreichische Nachrichtenagentur APA als Geschäftsführer. Er gilt als technologieaffiner Medienmanager und integre Führungsfigur. TV-Erfahrung hat er nicht. In seiner ersten Stellungnahme betonte Pig, die Herausforderungen für den ORF seien „groß, vielfältig und gleichzeitig“. Er wolle den Sender „vom Rundfunk zur Plattform der Gesellschaft“ weiterentwickeln. Insbesondere im Streamingbereich sei eine digitale Offensive notwendig. Auch müsse der Fokus auf dem jungen Publikum liegen, das den ORF als digitale Plattform nutzen wolle. Lesen Sie auchMehr als 70 Kandidaten und Kandidatinnen hatten sich auf den Spitzen-Job beworben. Im Hearing am Donnerstag stellten sich neun Bewerberinnen und Bewerber vor. Die Wahl dürfte juristisch überprüft werden. Zumindest kündigte Stiftungsrat Peter Westenthaler, der der rechten FPÖ nahesteht, eine Anfechtung der Wahl an. Der ehemalige Politiker sprach vor Journalisten von einer „ekelhaften Inszenierung“. Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP hätten sich bereits vor Ausschreibung des Postens auf einen Kandidaten verständigt.Der ORF verfügt über ein Gesamtbudget von rund 1,1 Milliarden Euro. Der Sender betreibt mehrere TV-Programme, zwölf Radioprogramme und ein umfangreiches Online-Angebot. Die Bedeutung des ORF in Österreich ist immens. Auch deshalb flammen immer wieder Diskussionen um die politische Unabhängigkeit des Senders auf.Turbulenzen im ORF-ManagementDer künftige Intendant übernimmt einen Sender, der mit Turbulenzen im Management kämpft. Im März trat der damalige ORF-Intendant Roland Weißmann nach Vorwürfen zurück, die zunächst als „sexuelle Belästigung“ kommuniziert, später dann als „unangemessenes Verhalten“ bezeichnet wurden. Eine ORF-Mitarbeiterin hatte gegenüber dem ORF-Stiftungsrat Anschuldigungen erhoben. Weißmann bestreitet die Vorwürfe. Seit seinem Rücktritt wird der Sender von der ORF-Journalistin Ingrid Thurnher geleitet, die die Aufgabe bis zum Jahresende weiterführen soll. Kurz nach Weißmanns Abgang wurde der Chef der ORF-Werbevermarktung wegen möglicher Compliance-Verstöße beurlaubt. Vor wenigen Tagen wurde dann ein weiterer Spitzenmanager vom Dienst freigestellt.Lesen Sie auchEine weitere Herausforderung sind die knapperen Finanzen. Seit 2024 ist die wichtigste Einnahmequelle – ähnlich wie bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland – die sogenannte Haushaltsabgabe, die geringer als die vorher erhobene Rundfunkgebühr ausfällt und in ihrer Höhe von 15,30 Euro bis 2029 festgeschrieben ist. Darauf hat der Sender mit einem Sparkurs reagiert. Obendrein drohen weitere Einschnitte.luwi/dpa
ORF: „Ekelhafte Inszenierung“ – Wirbel um Wahl bei Österreichs Öffentlich-rechtlichen - WELT
Der ORF wählt in einer 15-stündigen Marathonsitzung einen neuen Chef. Erstmals seit Jahrzehnten kommt der neue Generaldirektor von außen. Ein Beteiligter kündigt aber an, die Wahl anfechten zu wollen.






