In der Vergangenheit haben Eröffnungsspiele einer Fußball-Weltmeisterschaft meist einen Vorgeschmack darauf gegeben, was die Fans während des weiteren Turnierverlaufs erwartet. In Deutschland 2006 gab es ein rauschendes Fußball-Fest beim 4:2 der Deutschen gegen Costa Rica, in Brasilien 2014 ging der Stern von Neymar beim 3:1 der Hausherren gegen Kroatien auf. In Mexiko-Stadt aber lieferten sich der Co-Gastgeber und Südafrika beim 2:0 ein eher durchschnittliches Spiel, das wohl kaum in Erinnerung bleiben wird, sieht man von drei Roten Karten ab. Ein Rekord im Eröffnungsspiel einer WM.Mexiko profitierte vor allem von den vielen Unzulänglichkeiten der Südafrikaner, die in dieser Form gegen die Konkurrenz aus Südkorea und Tschechien kaum bestehen werden. Südafrikas belgischer Trainer Hugo Bross lobte zwar nach dem Spiel während der Pressekonferenz die „außergewöhnliche Qualität“ der Mexikaner, doch die mussten nur die Schwächen von „Bafana Bafana“ ausnutzen. Die mexikanische Zeitung „El Universal“ schrieb am Abend von einem „grauen Sieg Mexikos“.Unzufriedenheit im PublikumAuch die Zuschauer hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Während einiger langweiliger Ballpassagen waren laute Pfiffe zu hören. Viele der Fans hatten bis zu 2000 US-Dollar für eine Eintrittskarte bezahlt. Zu sehen bekamen sie einen wenig ansehnlichen Arbeitssieg des mexikanischen Teams gegen eine Mannschaft, die wenig Argumente dafür liefern konnte, dass die Aufstockung des WM-Teilnehmerfelds auf 48 Teams der Qualität des Turniers nicht schadet. Mexikos Trainer Aguirre zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit des Publikums, die Zuschauer hätten ein 4:0 erwartet. Ein Spektakel gab es dagegen vor der Partie, als Shakira und weitere Stars mit einer Latino-Party die Stimmung anheizten.Mit einem schweren Patzer leitete Sphephelo Sithole, der ein Zuspiel seines Torwarts Ronwen Williams abprallen ließ, die schwache Vorstellung der von der Kulisse beeindruckten Südafrikaner ein. Julián Quiñones traf in der achten Minute mit einem strammen Schuss durch die Beine des Torhüters. Die Mexikaner ließen das legendäre Aztekenstadion erbeben. Die Fans schleuderten Wasserflaschen in die Luft und warfen ihre zuvor verteilten Plastik-Sombreros von den Rängen. Zweimal war die Mannschaft des erfahrenen Trainers Javier Aguirre nahe dran, bereits vor der Pause das zweite Tor zu erzielen. Doch einmal klärte Torhüter Williams und einmal „rettete“ der Pfosten: „Uns fehlte das zweite Tor vor der Pause“, sagte Aguirre.Nach der Pause fiel dann früh die Entscheidung. Sphephelo Sithole sah wegen einer „Notbremse“ gegen Brian Gutiérrez die erste Rote Karte (49. Minute). Anschließend wirkte das dezimierte südafrikanische Team zwar mutiger, scheiterte aber am Unvermögen. Lange Pässe landeten im Aus, technische Fehler zerstörten das Aufbauspiel. Mit dem besten Spielzug der Partie kam Mexikos Stürmer Raul Jimenez vom FC Fulham in der 67. Minute per Kopf zum 2:0. Prompt reckte er den rechten Zeigerfinger in den Himmel, um seinen verstorbenen Vater zu ehren.Südafrika steht nun unter DruckIn Erinnerung werden vor allem die Platzverweise bleiben. Der eingewechselte Themba Zwane leistete sich einen Schlag ins Gesicht seines Gegenspielers und musste ebenso das Spielfeld verlassen wie Mexikos Kapitän César Montes in der Nachspielzeit. Seine Abwehraktion legte der brasilianische Schiedsrichter Wilton Sampaio zurecht als „Notbremse“ aus. Sampaio hätte auch den Spielraum gehabt, weniger streng zu sein. Wenn seine Linie der Grundhaltung der WM-Schiedsrichter entspricht, dann werden einige Spieler frühzeitig unter die Dusche geschickt werden.Die erstmals fest angeordnete Trinkpause in der Mitte der Halbzeit für die Spieler nutzten übrigens auch viele tausend Zuschauer, um schnell zu den Getränkebuden zu eilen. Vor den Toren des Stadions kam es indes zu Ausschreitungen. Am „Engel der Unabhängigkeit“ machten während des Spiels Mütter von verschwundenen Menschen auf ihr Anliegen aufmerksam. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum jubelte im Herzen von Mexiko-Stadt beim Public Viewing medienwirksam. Sie hatte kurzfristig einen Feiertag angeordnet, um das Verkehrschaos zu mindern. Das gab es im Umfeld des Stadions trotzdem, genauso wie die technischen Probleme mit denen die vielen Hundert Journalisten im überfüllten Pressezentrum zu kämpfen hatten. Sportlich und organisatorisch ist vieles noch ausbaufähig.Südafrika steht nun schon unter Druck und muss in den nächsten beiden Spielen gegen Tschechien (18. Juni) und Südkorea (25. Juni) punkten, um in die Runde der letzten 16 einzuziehen. Mexiko verpasste es in der Schlussphase gegen dezimierte Südafrikaner auf das dritte Tor zu drängen, um über das Torverhältnis bereits einen großen Schritt in Richtung Weiterkommen zu machen. Ein Punkt gegen Südkorea (19. Juni) oder Tschechien (25. Juni) dürfte aber schon reichen.