Die „Verachtung für die Deutschen“ hielt sich im Bundestag die Waage: Auf der einen Seite ist es der Schlachtruf für die Verachtung der AfD, die immerhin zur stärksten Partei dieser Deutschen zu werden scheint; auf der anderen Seite der Schlachtruf für die Verachtung der Deutschen, die derzeit Regierungspolitik machen und immerhin die Mehrheit dieser Deutschen repräsentieren. Ob Reformen, ob Europa, ob Ukraine: Der Weltanschauungskrieg hat das Parlament erfasst.Es wird kein leichtes Unterfangen sein, zu erreichen, dass am Ende allseits festgestellt wird, dass das Ergebnis gerecht sei. So wünschte es sich der Kanzler in seiner Regierungserklärung zu Europa, und so wünschten es sich die Fraktionsführer der Koalition. Weder auf der Rechten noch auf der Linken ist aber die leiseste Bereitschaft dazu zu erkennen. Währenddessen wird die Mitte, die zu spät erkannt hat, was sie da selbst heraufbeschworen hat, immer schmaler.Wer wird die Lasten tragen müssen?Der „Abgesang eines Gescheiterten“, wie die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel behauptete, war die Rede von Friedrich Merz aber nicht. Allenfalls war es die nächste in einer ganzen Reihe von Ouvertüren eines Unerschütterlichen. Merz steht immer noch am Anfang seiner Bemühungen, wie er sagte, ein Fundament für das nächste Jahrzehnt zu schaffen. Mit „mehr für alle“ wird das nicht zu haben sein. Ob die Lasten, die zu tragen sind, gerecht verteilt werden, wird der Schlüssel für seinen Erfolg sein.Die AfD hat leichtes Spiel, solange sie die Opfer der Reformpolitik unter der bürgerlichen Klientel der Union ausmachen kann. Das kann sie derzeit gut, und deshalb wächst sie. Für Merz wird die Kunst darin bestehen, die „Einschränkungen“, wie er sie ganz nebenbei erwähnte, nicht nur auf diejenigen zu verteilen, die ohnehin viel zu tragen haben. Anders, als die SPD das meint, ist das nicht die Unter-, sondern die Mittelschicht. Wenn von der „Verachtung der Deutschen“ gesprochen wird, ist sie es, die sich vor allem angesprochen fühlt.
Ouvertüren des unerschütterlichen Friedrich Merz
Merz steht immer noch am Anfang seiner Bemühungen. Die Last wird nicht kleiner: Der Weltanschauungskrieg hat das Parlament im Griff.









