Es gibt kein besseres Klimaschutzinstrument als den Emissionshandel. Er versieht den CO₂-Ausstoß mit einem Preis – je strikter die Klimaziele, desto höher. Wer diesen Preis nicht zahlen will, muss die Emissionen reduzieren. Wie Unternehmen, Energieerzeuger oder Haushalte das machen, bleibt ihnen überlassen. Unpopuläre Verbote wie das Heizungsgesetz oder das Verbrenner-Aus sind unnötig. Es ist auch effizienter. So weit die Theorie.Lange hat dieser Ansatz gut funktioniert. Die EU hat ihren CO₂-Ausstoß seit der Einführung des Emissionshandels für die Industrie und Energieerzeuger vor mehr als zwei Jahrzehnten stark reduziert. Die Wirtschaft ist dennoch gewachsen. Klimaschutz und Wohlstand schienen keinen Widerspruch zu bilden. Selbst die Grünen, die den Emissionshandel lange als Ablasshandel kritisierten, gehören inzwischen zu seinen Anhängern.Die EU steht vor einem DilemmaZur Wahrheit gehört aber auch, dass die Früchte im Klimaschutz bisher niedrig hingen. Der Ausstoß war relativ leicht zu reduzieren. Einen Beitrag hat nicht zuletzt der Zusammenbruch der Wirtschaft in den ehemaligen Ostblockstaaten geleistet. Zugleich hat sich die geopolitische Lage geändert. Die Wirtschaft kann im Wettbewerb mit China und den USA kaum noch mithalten. Und die Verbraucher reagieren empfindlich auf noch höhere Preise für Benzin, Diesel und fossile Heizstoffe.Die EU steht damit vor einem Dilemma: Gibt sie den Emissionshandel auf, kann sie auch ihre Klimaziele streichen. Diese zu erreichen, wird dann kaum noch möglich sein. Hält sie hingegen stur an den bisherigen Vorgaben fest, droht die Abwanderung der besonders exponierten Wirtschaftszweige. Die Verbraucher wiederum werden ihren Unmut bei den Wahlen an den rechten Rand tragen.Deshalb ist der Preispuffer, den Europaparlament und Ministerrat nun für den Emissionshandel für Heizen und Fahren vereinbart haben, genau der richtige Schritt. Er nimmt Druck von den Verbrauchern, ohne den CO₂-Preis insgesamt infrage zu stellen. Solche überschaubaren Erleichterungen muss die EU-Kommission auch für die Industrie auf den Weg bringen. Nur so lässt sich das beste Klimaschutzinstrument auch in der Praxis bewahren.