Da ist zum einen die Hitze. Aufgeplatzte Autobahndecken, geschmolzene Fugenmasse in den Schienen der Leipziger Straßenbahn, Wasserwerfer der Polizei zum Abkühlen in Berlin, eine Debatte über den Mangel an Klimaanlagen, mehr als 5.000 hitzebedingte Tote innerhalb weniger Tage Ende Juni allein in Deutschland.

Da ist zum anderen die Industrie. Mitte Juni warnten 39 Konzerne, darunter BASF und Thyssenkrupp, die EU in einem Brief vor den Folgen des Klimaschutzes. Würde das bestehende System des europäischen Emissionshandels fortgesetzt, werde man die Produktion ins Ausland verlagern und Werke schließen müssen. Es drohten

»Arbeitsplatzverluste, geringere Investitionen und ein schwächeres Wirtschaftswachstum«.

Die Hitze, die Wirtschaftskrise. Durch die Gleichzeitigkeit drängt sich eine Frage immer mehr auf: Natürlich ist Klimaschutz notwendig, aber was nützt er, wenn der Rest der Welt nicht mitmacht?

Der Emissionshandel, kurz ETS, ist das zentrale Klimaschutzinstrument in Europa. Er funktioniert so: Wenn Firmen klimaschädliche Emissionen ausstoßen, brauchen sie dafür ein Zertifikat. Die Zertifikate werden versteigert, Unternehmen dürfen untereinander mit ihnen handeln. Ihre Menge wird Jahr für Jahr reduziert, dadurch steigt ihr Preis. Und für die Unternehmen der Anreiz, ihre Emissionen zu senken.