Sofort nach seiner Landung fuhr Leo XIV. am Donnerstag in den kleinen Hafen von Arguineguín, wo gut tausend Migranten auf ihn warteten. Der Besuch auf den Kanaren war für den Papst eine Herzensangelegenheit: „Ich möchte mich vor eurer Würde verneigen. Ihr seid keine Zahlen und keine Aktennummern. Ihr seid Menschen mit einer Familie und einem Zuhause“, sagte er während des Treffens. Leo signalisierte damit Kontinuität. Schon sein Vorgänger Franziskus wollte auf die spanischen Inseln reisen, auf denen in den vergangenen Jahren Zehntausende Migranten nach lebensgefährlicher Überfahrt gelandet sind.Auf der einstigen „Mole der Schande“ dankte der Papst den hilfsbereiten Spaniern. Mit seiner Präsenz wollte er dazu beitragen, sie in eine „Mole der Hoffnung“ zu verwandeln. Tausende Migranten hatten sich zu Beginn der Pandemie unter chaotischen Bedingungen in den kleinen Atlantikhafen gedrängt. Inseln wie El Hierro, die westlichste der Kanarischen Inseln, seien zwar „klein, aber groß an Menschlichkeit“, sagte der Papst, bevor er sich an die Politiker wandte. „Es reicht nicht aus, Ankünfte zu verwalten, Zahlen zu verteilen, Grenzen verstärkt zu sichern oder Todesfälle zu beklagen“, sagte Leo vor dem Hintergrund des Hafens auf einer Bühne, die an eine auf ein Kreuz gestützte Welle erinnerte.Papst Leo XIV. wirft am Donnerstag, wie schon sein Vorgänger in Lampedusa, Blumen ins Meer, um an die vielen ertrunkenen Flüchtlinge zu erinnern.AFP„Die Menschenwürde hat keinen Reisepass und verliert ihren Wert beim Überqueren der Grenzen nicht“, mahnte der Papst und verlangte „legale und sichere Wege, Rettung und Hilfe“. Das Migrationsdrama sei eine Gewissensprüfung für alle: Europa könne nicht die Menschenwürde proklamieren und sich dabei nicht daran gewöhnen, „dass das Mittelmeer und der Atlantik zu Friedhöfen ohne Grabsteine werden“.Blumen im Gedenken an die zahllosen ErtrunkenenWie sein Vorgänger Franziskus 2013 auf Lampedusa warf auch Leo einen bunten Blumenkranz ins Meer, um an die vielen Migranten zu erinnern, die auf dem Weg nach Europa ertrunken sind. Danach segnete er ein Kreuz aus blauen Holzplanken eines Cayucos; so werden die einfachen, stets überfüllten Boote genannt, auf denen die Migranten manchmal wochenlang unterwegs sind.Am Freitag wird der Papst auf Teneriffa vor seinem Rückflug nach Rom noch das Aufnahmezentrum „Las Raíces“ besuchen. Während die meisten erwachsenen Migranten zügig aufs Festland gebracht werden, bleiben die Minderjährigen länger auf den Inseln. Momentan sind es etwa 6000, was die Regionalregierung und Hilfsorganisationen seit Jahren an ihre Grenzen bringt. Insgesamt kommen deutlich weniger Migranten auf den Kanaren an. In diesem Jahr waren es nur etwa 3100 – also ein Drittel der Zahl, die man 2025 im ersten Halbjahr verzeichnete. Insgesamt waren es 2025 mehr als 17.500 Migranten, nach knapp 44.000 im Jahr davor.
Papst Leo XIV auf den Kanaren: Vor der Würde der Migranten verneigt
Bei seinem Besuch auf den Kanaren wollte Papst Leo den Migranten und ihren Helfern nahe sein. Er mahnte die europäischen Regierungen, sie würdig zu behandeln und nicht nur als „Zahlen und Aktennummern“.
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