Hefte raus, Geschichtstest, liebe Leserinnen und Leser. Ja, diese Weltmeisterschaft ist kein Zuckerschlecken, das werden Sie schon bemerkt haben. Zum Zuckerlgeschäft kommen wir noch. Doch zunächst zurück zum Thema: die Napoleonischen Kriege. Nehmen wir uns heute mal eine schwere Niederlage der Truppen des diminutiven Korsen vor. Die Schlacht von Vertières. Eine Petitesse, gewiss, verglichen mit Jena, Auerstedt, Austerlitz? Das kommt auf die Perspektive an.Mit dem Sieg über die Franzosen, die sie versklavt hatten, auf dass sie den Europäern Zucker und immense Reichtümer produzieren, sicherten die Haitianer am 18. November 1803 ihre Unabhängigkeit. Schon im Winter in Italien hatten die Haitianer Pech mit dem Rückgriff auf ihren Freiheitskampf: Revolutionsheld Toussaint Louverture musste vom Olympia-Outfit verschwinden, im Begründer der ersten schwarzen Republik der Welt steckte zu viel Politik fürs Internationale Olympische Komitee.Ein Blick aufs Personal hätte den Haitianern verraten müssen, dass es mit einem vergleichbaren Ansatz anlässlich des ersten WM-Auftritts seit 1974 schwierig werden könnte: Gianni Infantino, IOC-Mitglied, FIFA-Präsident, wacht hier wie dort. Und ist bekanntlich Walliser, kein Korse, trägt nicht mal Hut, schiebt die Hand nicht in die Weste und war zudem wahnsinnig erfolgreich in Russland (siehe WM 2018, Freundschaftsorden von Putin). Wer also wollte diesem Mann einen Napoleon-Komplex nachsagen?Es kam, wie es kommen musste: Wenn Haitis Spieler am Samstagabend in Boston zum ersten Spiel auflaufen, ist die Darstellung der Schlacht von Vertières von ihren Trikots verschwunden. Und bleibt, abgebildet oder nicht, ein Ereignis, über das der Rest der Welt im Allgemeinen und Europa im Besonderen viel zu wenig weiß.