„vielleicht ein nickerchen zwischendurch? oder der minutenschlaf? am bürotisch! oder schlafen in geparkten autos, auch schon gemacht: in tiefgaragen, in parkhäusern. manche sagen ja, sie schliefen im stehen“, schreibt Kathrin Röggla in „Wir schlafen nicht“ (2004). Die Autorin dokumentiert darin Gespräche mit Menschen aus der Consulting- oder Medienbranche. Sie zeigt, wie sie arbeiten und nicht schlafen. Alles ist klein geschrieben und klingt abgehakt, so, als würden die Formen in dem benebelten Zustand, in dem sich die Figuren befinden, zerfließen.Seit 2004 hat sich das Problem mit dem Schlafen verstärkt. Das zeigen zumindest die am 3. Juni veröffentlichten Daten des Robert-Koch-Instituts. Aus ihnen wird deutlich, dass die Deutschen 2026 schlechter schlafen, als sie es noch vor fünfzehn Jahren taten.Auch Marcel Proust litt unter SchlafproblemenDen Schlaf machte auch Marcel Proust zu einem seiner zentralen Themen, autobiographisch inspiriert. Auch er litt unter Schlafproblemen. Immerhin nutzte er die nächtlichen Leiden als Inspirationsquelle für sein Romanwerk. Der erste Band seines Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beginnt mit einem der berühmtesten Sätze der Literaturgeschichte: „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal, die Kerze war kaum gelöscht, fielen mir die Augen so rasch zu, dass keine Zeit blieb, mir zu sagen: Ich schlafe ein.“ Dann verschwimmen die Traum- und Wachzustände, und eine ganz eigene Zeitrechnung beginnt.Dem Robert-Koch-Institut zufolge hat fast ein Drittel der Deutschen (32 Prozent) Probleme damit, durchzuschlafen. Sechzehn Prozent haben Probleme beim Einschlafen und dreizehn Prozent sind von beidem betroffen. Die Nutzung der Smartphones wird häufig als Ursache dafür genannt, aber auch die globalen Krisen, die derzeit viele Menschen nachts besorgt wachhalten. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.Ein Eigenleben im benebelten HalbschlafZersplittert sind auch die Erinnerungsschnipsel der Protagonistin in Ottessa Moshfeghs „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“ aus dem Jahr 2018. Sie versucht mithilfe von Schlafmitteln und Medikamenten ein Jahr lang nur noch zu schlafen. So recht gelingt das nicht, denn sie entwickelt im benebelten Halbschlaf ein Eigenleben, an das sie sich nur bruchstückhaft erinnern kann. Aus ihr spricht eine schwere Erschöpfung.Siri Hustvedt formuliert die nächtlichen Wachphasen ihrer Protagonistin in „Die unsichtbare Frau“ (1992). Es sind Passagen des Sichgruselns: „Diesmal konnte ich nicht wieder einschlafen und lag irgendwie gequält stundenlang wach, während mir von Erschöpfung und Hitze zersplitterte Bilder durch den Kopf geisterten.“Ist den Schlaflosen so geholfen? Ein literarischer Text mag die eigenen Schlafprobleme vielleicht nicht beseitigen, möglicherweise aber alle Nachtwandler trösten. Denn sie sind nicht allein. Und auch wenn Schlaflosigkeit ein Martyrium sein kann, klingt es fast poetisch.