PfadnavigationHomeSportReformBundesjugendspiele sollen wieder mehr Wettkampf ermöglichenStand: 13:30 UhrLesedauer: 3 MinutenEine Ehrenurkunde oder Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen mit Punkten für Weiten und Zeiten – so soll es wieder seinQuelle: picture alliance/CHROMORANGE/Christian OhdeDie Kultusminister sind sich offenbar einig: Die Bundesjugendspiele müssen wieder leistungsbezogener werden. Das geht aus einem Beschlusspapier hervor. Es gibt jedoch einen Haken.Die Bundesjugendspiele zählen zu den polarisierenden Themen des Schulalltags. Als Bund, Länder und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vor drei Jahren den klassischen Wettkampf an Grundschulen weitgehend abschafften, war die Kritik erheblich. Eltern, Lehrer und Sportler warfen den Verantwortlichen vor, Leistung zu relativieren und Wettbewerb aus den Schulen zu verdrängen. Nun zeichnet sich eine Kehrtwende ab. Nach Informationen der „Bild“ wollen die Bildungsminister der Länder bei ihrer Sitzung an diesem Donnerstag und Freitag in München wieder mehr Wettkampf ermöglichen.Für Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen soll in den Disziplinen Leichtathletik und Schwimmen der klassische Wettkampfmodus künftig wieder als Option gelten. Damit könnten in diesen Jahrgangsstufen etwa Weitsprungleistungen wieder zentimetergenau gemessen und Sprintzeiten exakt gestoppt werden.Genau das war mit der Reform abgeschafft worden. An die Stelle präziser Messungen traten stärker „spielerische Alternativen“ – etwa der „Zonenweitwurf“ statt exakter Wurfweiten oder der „Zeit-Schätzlauf“, bei dem Kinder eine vorgegebene Zeit möglichst genau einhalten sollten. Sieger- und Ehrenurkunden blieben zwar erhalten, teils jedoch ohne Punktezahl.Bildungsministerin Prien für stärkere Orientierung am Leistungsprinzip Das soll sich ändern. In dem Beschlusspapier, das „Bild“ vorliegt, heißt es, der neue Aufruf für die Bundesjugendspiele hebe den „Wettkampfcharakter ausdrücklich hervor“.Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) spricht sich für eine Orientierung am Leistungsprinzip aus. Wer lerne, mit Rückschlägen umzugehen, werde stärker, sagte Prien der Zeitung: „Schule kann hier anleiten, mit Misserfolgen umzugehen, Frust tolerieren zu lernen, damit Kinder resiliente Erwachsene werden.“ Lesen Sie auchDazu gehöre auch, überdurchschnittliche Leistung sichtbar zu machen. Sie habe sich deshalb dafür eingesetzt, „dass die Bundesjugendspiele wieder als echter Wettkampf“ ausgetragen werden. „Ab kommendem Schuljahr wird dieser wieder zulässig sein“, sagte Prien, „besondere Leistung darf und muss anerkannt werden.“Lesen Sie auchDie Bundesjugendspiele wurden 1951 eingeführt. Die Reform von 2023 stieß auch im Spitzensport auf deutliche Kritik. Der dreifache Olympiasieger Felix Loch (Rodeln) etwa veröffentlichte in sozialen Netzwerken die Ehrenurkunde seines Sohnes, auf der keine Punkte eingetragen waren, und nannte das Konzept „Augenwischerei“.Der klassische Wettkampf beruht auf standardisierten Disziplinen wie Sprint, Weitsprung oder Wurf. Zeiten, Weiten und Höhen werden exakt erfasst und nach bundesweit einheitlichen Leistungstabellen bewertet. Je nach Ergebnis erhalten Schülerinnen und Schüler eine Ehren-, Sieger- oder Teilnehmerurkunde.Die Umsetzung der Reform fiel in den Ländern dem Bericht zufolge unterschiedlich aus, wie eine Umfrage ergab. Rheinland-Pfalz und Hamburg führten den Wettbewerbsmodus ein, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein überließen die Entscheidung ihren Schulen. Hessen ging einen Sonderweg und hielt an klassischen Wettkämpfen fest. Die Folge war ein uneinheitliches Bild.„Kinder wollen sich messen“Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) begrüßt die Kehrtwende: „Es ist richtig, das Rad wieder zurückzudrehen. Für das Funktionieren unserer Gesellschaft hat das Leistungsprinzip eine grundlegende Bedeutung. Kinder wollen sich messen.“ Auch Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) hob hervor, wie wichtig der Wettkampfcharakter sei. „Wer deutsche Olympiasieger haben möchte, sollte auch keine Angst vor Wettkämpfen in der Schule haben“, sagte er.Eine verbindliche Rückkehr zum Wettkampf für alle gibt es jedoch nicht; das ist der Haken daran. Dazu konnte sich die Bildungsministerkonferenz nicht durchringen. Ob an Grundschulen wieder stärker wettkampfbezogene Bundesjugendspiele stattfinden, entscheiden am Ende Länder, Schulen und Lehrkräfte.Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Jung (CDU) will bereits vorangehen. Im Südwesten sollen für die nächsten Bundesjugendspiele verbindliche Regeln für alle Schulen gelten. In den dritten und vierten Klassen sollen in Leichtathletik und Schwimmen wieder präzise Leistungen gemessen werden. Die bisherigen Urkunden werden durch „Goldurkunde“, „Silberurkunde“ und „Bronzeurkunde“ mit genauer Punktezahl ersetzt. „Es gehen nur Gewinner vom Platz“, sagte Jung, „aber es ist auch ein Wettkampf.“ Er sei überzeugt, sagte der 51-Jährige, dass „Kinder sich messen wollen – und damit umgehen können“.pk
Bundesjugendspiele: Reform – Kultusminister wollen wieder leistungsbezogener bewerten - WELT
Die Kultusminister sind sich offenbar einig: Die Bundesjugendspiele müssen wieder leistungsbezogener werden. Das geht aus einem Beschlusspapier hervor. Es gibt jedoch einen Haken.












