„Bei den Bundesjugendspielen in Hessen kann alles bleiben, wie es ist.“ So erläutert der Sprecher des Bildungsministeriums in Wiesbaden die Entscheidung, die gestern bei der Konferenz der zuständigen Fachminister der Länder mitgeteilt wurde. Danach können in den dritten und vierten Klassen vom nächsten Schuljahr an deutschlandweit wieder Zeiten und Weiten genommen werden.Der Wettkampf war zum Schuljahr 2023/24 in einer nationalen Reform zugunsten des Wettbewerbs zurückgedrängt worden. In den dritten und vierten Klassen finden die Spiele ohne Leistungstabellen und ohne auf Urkunden dokumentierte Platzierungen statt. Sie sollten wieder „kindgemäßer“ werden.Zonen statt ZentimeterSeitdem werden die Leistungen nicht mehr genau gemessen. Stattdessen gibt es beispielsweise beim Weitsprung nur noch Zonen, für die Punkte vergeben werden. In der Konferenz der Bildungsminister soll der Entscheidungsprozess damals nur am Rande eine Rolle gespielt und in seiner Bedeutung verkannt worden sein.Zwar haben die Politiker in ihrer Verantwortung für die Schulen bei der Konzeption der Bundesjugendspiele ein wichtiges Wort mitzureden. Aber das jedenfalls formal entscheidende Gremium ist ein Kuratorium, in dem auch der Deutsche Sportbund und das Bundesbildungsministerium vertreten sind.Als der hessische Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) im Januar 2024 ins Amt kam, nahm er an der Reform Anstoß. Weil er aber unter seinen Kollegen keine Mehrheit dafür zusammenbekam, sie rückgängig zu machen, entschied er sich für einen hessischen Alleingang.Hessischer AlleingangIn seiner Regierungserklärung betonte er den Leistungsgedanken. Zum Sport gehörten auch die Anstrengung, die Freude über Siege und das Verkraften von Niederlagen. „Durch Wettkampf und Platzierungen setzen wir uns deutlich von anderen Ländern ab“, sagte Schwarz. Jede Sekunde und jeder Meter zählten. „Solange es hier keine vernünftige Einigung auf Bundesebene gibt, machen wir hessische Landesjugendspiele.“Die Opposition reagierte kritisch. Die Grünen warfen dem Minister vor, er führe eine Scheindebatte. „Was seiner Meinung nach für Zehnjährige beim Weitsprung zählen soll, muss vielmehr für die Arbeit der Landesregierung selbst gelten“, sagte der Abgeordnete Daniel May. „Dabei sein ist nicht alles.“Die Debatte nahm deutschlandweit Fahrt auf. Im Februar des vergangenen Jahres sprach sich der damalige Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) dagegen aus, anstelle von Siegerurkunden nur noch Teilnahmebescheinigungen auszustellen. Er beklagte in diesem Zusammenhang, dass Deutschland im Jahr 2024 bei den Olympischen Spielen in Frankreich nur den zehnten Rang belegt hatte.Die Schulen haben die WahlInzwischen hat sich der Wind auf der nationalen Ebene gedreht. Die amtierende Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, die bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler), betonte, dass nun wieder zwei Austragungsformen zulässig seien: „Wettbewerb, aber eben auch Wettkampf.“ Die Schulen hätten die Wahlfreiheit.Die in dieser Woche offiziell verkündete Entscheidung war in dem Kuratorium der Bundesjugendspiele vorbereitet worden. Mit der Kenntnisnahme durch die Bildungsministerkonferenz sei die letzte Hürde genommen worden, sagte ein Sprecher der Konferenz am Freitag.„Nach der neuen Entscheidung ist zum nächsten Schuljahr der hessische Weg wieder bundesweiter Maßstab“, konstatierte Schwarz. Er werde seinen Grundschulen weiterhin empfehlen, in den dritten und vierten Klassen die Wettkampfform dem Wettbewerb vorzuziehen.