Etwa eine Stunde bevor der Trubel beginnt, sitzt Egon Krenz in einem vietnamesischen Restaurant unweit vom Kino Babylon in Berlin-Mitte. Eine kleine Stärkung wird mir gut tun – so oder so ähnlich wird er gedacht haben. Schließlich wird er später viele Hände schütteln und - wie so oft – kritische Fragen beantworten müssen. Für einen Fast-90-Jährigen wohl schon ein erschöpfender Akt.Doch Krenz ist es gewohnt. Der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR hat Fans und Kritiker in wohl gleichem Maße. Besonders gut zeigt sich dies beim Start einer Filmbiografie über ihn im Babylon. Regisseur Lutz Pehnert liefert eine politische Ost-Biografie über den einst führenden Genossen. Bevor der Film beginnt, liest Pehnert einen Text vor, den er nach der Uraufführung vom „Kommunist“ in Schwerin verfasst hat.Darin schildert Pehnert seine persönliche Motivation, die DDR-Geschichte jenseits einseitiger Narrative und staatlicher Aufarbeitungskommissionen darzustellen. Der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur wirft dem Werk eine Verharmlosung der Diktatur und manipulative Bildsprache vor.Pehnert erklärt die Wahl des Filmtitels damit, dass in der Biografie von Egon Krenz auch das Schicksal vieler anderer stecke: „In der Biografie von Egon Krenz, in seinem Scheitern als Kommunist, steckt für mich auch das Scheitern von über zwei Millionen Kommunisten mit SED-Parteibuch.“