Jeffrey Epstein habe ihn erpressen wollen, sagt Bill Gates vor dem KongressausschussDer Philanthrop galt als der am meisten bewunderte Mensch der Welt. Dann wurden erst seine Affären und schliesslich sein enger Draht zu Epstein bekannt. Und nun soll auch sein bescheidenes Auftreten nichts als eine Show sein.11.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer typische Pullover musste dem Anzug weichen: Bill Gates bei seinem Auftritt vor dem Kongress am Mittwoch.IMAGO/BONNIE CASH / ImagoDie Brille ist längst vergriffen. «Wir bekommen sehr viele Anfragen für die Fassungen, die Bill Gates trägt», so schrieb das New Yorker Optikergeschäft Silver Lining Opticians bereits 2018 auf seiner Website. Man solle schnell zugreifen, heisst es in dem Beitrag, der immer noch aufgeschaltet ist. «Es gibt nur noch ein paar Reststücke.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damals war Bill Gates der am meisten bewunderte Mensch der Welt. Das hatte eine YouGov-Umfrage ergeben. Zu seiner Beliebtheit beigetragen hatte das bescheiden wirkende Auftreten mit der unaufdringlichen Gleitsichtbrille. Aber auch die V-Neck- oder Rundhalspullover in gedeckten Farben (Flieder, Pastelltöne), aus denen brav der Hemdkragen herausschaut, machten den Milliardär gewissermassen massentauglich.Mittlerweile hat Gates’ Ansehen schwer gelitten. Nach der Scheidung von seiner Frau, Melinda French Gates, im Jahr 2021 wurde eine erste von offenbar mehreren Affären bekannt. Wegen der Epstein-Akten, die ihn x-fach im Zusammenhang mit dem Sexualstraftäter erwähnen, scheint der Ruf definitiv ramponiert. Darüber hinaus will das «Wall Street Journal» nun herausgefunden haben, dass seine unprätentiöse Erscheinung vorgegaukelt sei.Ein Gebäude mit PullovernAngeblich testen zahlreiche Mitarbeiter die Outfits von Gates jeweils an einer speziell angefertigten Schaufensterpuppe. In einem externen Gebäude seiner Stiftung sollen haufenweise Pullover, Stoffhosen und Brillen gelagert werden. In der Regel, so schreibt die Zeitung, würden die Mitarbeiter vor öffentlichen Auftritten «drei Entwürfe zur Genehmigung an die Geschäftsleitung einreichen».Nun mag das keine weltbewegende Enthüllung sein. Dass sich prominente Menschen Stilberater zulegen, ist nichts Ungewöhnliches. Und wenn Gates «seine Vergangenheit als Microsoft-Monopolist gegen das positive Image eines globalen Philanthropen eintauschen» wollte, wie es im Artikel heisst, ist daran noch nichts Verwerfliches.Doch drängt sich der Eindruck auf, dass sich Bill Gates sehr gezielt Gedanken über seine Wirkung in der Öffentlichkeit macht. Umso mehr mag man sich wundern, wieso er sich seinerzeit in den Dunstkreis von Jeffrey Epstein begeben hat. Vor allem aber stellt sich die Frage: Ist es glaubwürdig, wenn der Mann, der jedes Bündchen seines Pullovers in der Marktforschung testet, nun sagt, er habe von den Verbrechen des Financiers nichts gewusst?Bei einer Anhörung im Kongress gestand Gates am Mittwoch zwar, dass ihm Epsteins «frühere rechtliche Probleme» bekannt gewesen seien. «Aber ich verstand das Ausmass der Verbrechen, die er begangen hatte, nicht vollständig.»Unter Ausschluss der ÖffentlichkeitWomöglich um einer Vorladung zuvorzukommen, hatte sich Gates freiwillig zu einer Aussage vor dem Gremium im Repräsentantenhaus erklärt. Handfeste Beweise auf ein strafbares Fehlverhalten von ihm liefern die Epstein-Akten nicht. Allerdings beziehen sich über 1000 E-Mails auf Gates, seine Stiftung oder Personen, die für ihn arbeiteten.Die Sitzung im Kongress fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vorab veröffentlichte der Philanthrop jedoch sein Eröffnungsstatement. Darin erklärt er, dass er dem Vermögensverwalter 2011 vorgestellt worden sei. Epstein habe ihm in Aussicht gestellt, Milliardenbeträge für Wohltätigkeitsprojekte aufbringen zu können. Gates gibt vor, ihm auf den Leim gegangen zu sein.Seit bald zwei Jahrzehnten setze er seine Ressourcen für Bildung und Gesundheit ein, sagt Gates. «Doch mein Vermögen allein kann die enorme Finanzierungslücke, die noch besteht, nicht füllen.» Deshalb versuche er, andere wohlhabende Menschen für seine Belange zu gewinnen. So wie damals Jeffrey Epstein.Dass dieser 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution zu 13 Monaten Haft verurteilt worden war, will Gates nur am Rande registriert haben. Bei seiner Aussage im Kongress betonte er auch, dass er nie Zeuge eines Verbrechens von Epstein geworden sei. «Ich war nie auf seiner Insel, seiner Ranch oder seinem Haus in Florida. Ich habe mich nie jemandem gegenüber ungebührlich verhalten.»Affären mit Russinnen?Nicht nur wies Gates jede Schuld von sich. Vielmehr sieht er sich als Geschädigten. Epstein, so suggerierte er in seinem Statement, habe ihn erpresst. Nachdem er 2014 den Kontakt abgebrochen habe, sei ihm mit der Veröffentlichung von inkriminierendem Material gedroht worden. Weshalb Epstein über mehrere Affären von Gates offenbar Bescheid wusste, wird aus den Aussagen des Philanthropen nicht klar.Doch wie aus den Epstein-Akten ersichtlich ist, setzte der Sexualstraftäter 2013 einen E-Mail-Entwurf auf, in dem er behauptete, dass Gates mit «russischen Girls» geschlafen habe. Eine Geschlechtskrankheit sei die Folge gewesen, weshalb Gates um Antibiotika gebeten habe. Angeblich hatte er vor, diese heimlich seiner Frau zu verabreichen.«Er wollte Druck aufbauen, damit ich mich wieder mit ihm beschäftige», erklärt sich Gates die E-Mail, deren Inhalt er als fabriziert bezeichnet. Während der Financier vermutlich an einer persönlichen Beziehung zu ihm interessiert gewesen sei, habe er nie dessen Freund sein wollen, sagt er auch.Sich mit Epstein abgegeben zu haben, bezeichnet Bill Gates als «schwerwiegende Fehleinschätzung». Wenn weiter nichts war, so ist man versucht zu sagen, sollte er sich seine Bekanntschaften in Zukunft sorgfältiger aussuchen – so sorgfältig wie seine Pullover.Passend zum Artikel
Bill Gates: Epstein wollte mich erpressen, erklärte er vor dem Kongress
Der Philanthrop galt als der am meisten bewunderte Mensch der Welt. Dann wurden erst seine Affären und schliesslich sein enger Draht zu Epstein bekannt. Und nun soll auch sein bescheidenes Auftreten nichts als eine Show sein.










