Das Projekt eines deutsch-französischen Kampfflugzeugs ist tot. Damit reiht es sich ein in eine unrühmliche Galerie gescheiterter Rüstungsprojekte. Dabei hatte es gut angefangen. 2019 hatte das Future Combat Air System (FCAS) seinen ersten Auftritt – zumindest als lebensgroßes Modell. Auf der Flugschau vor den Toren von Paris präsentierten die beteiligten Firmen Dassault und Airbus, wie das Kampfflugzeug der sechsten Generation dereinst aussehen sollte. Dynamisch nach vorn gereckt stand die Studie ganz in Grau auf dem Asphalt und suggerierte: Es dauert nicht mehr lange, dann fliegt es auch. Nach Jahren der Entwicklung und wohl rund drei Milliarden investierten Euro wird es nun aber bei dem Modell bleiben.Gescheitert ist das Projekt einerseits an der Unfähigkeit der beteiligten Unternehmen, sich auf eine genaue Aufgabenteilung zu einigen. Andererseits aber auch an unterschiedlichen Anforderungen, die man in Berlin und Paris an das Flugzeug stellte. Auf die von Frankreich geforderte Fähigkeit, Atomwaffen zu tragen und auch auf Flugzeugträgern eingesetzt werden zu können, konnte Deutschland gut verzichten.Genau daran war auch schon vor 45 Jahren ein Kampfflugzeugprojekt fehlgeschlagen. 1979 fanden sich Deutschland und Großbritannien zusammen, um ein europäisches Kampfflugzeug zu entwickeln. Beteiligt waren die Unternehmen British Aerospace und Messerschmitt-Bölkow-Blohm. Kurz danach kam Frankreich in Gestalt von Dassault dazu, und man machte sich an die Arbeit, das European Combat Aircraft zu gestalten.Keine Zulassung für Flüge über bewohntem GebietDoch schnell kam es zu Meinungsverschiedenheiten, die mit Blick auf FCAS bekannt vorkommen. Dassault bestand auf der Nutzung französischer Technologie, worauf sich die anderen Staaten nicht einlassen wollten. Damit war das ECA schon nach zwei Jahren Geschichte.1983 versuchte man es abermals. Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich wollten ein Kampfflugzeug der Zukunft entwickeln. Schon im folgenden Jahr kam es zu ersten Verwerfungen, als wiederum Frankreich darauf bestand, das Flugzeug müsse auch auf Flugzeugträgern eingesetzt werden können. Damit hätte es kleiner und leichter werden müssen, als es die anderen Partnerländer haben wollten. 1985 endete das Projekt mit dem offiziellen Austritt Frankreichs. Paris konzentrierte sich im Weiteren auf den Bau der Rafale-Kampfflugzeuge. Die restlichen Staaten entwickelten das Projekt zum späteren Eurofighter weiter. Er wurde damit zu einem Beispiel wie zuvor schon der Tornado, dass europäische Rüstungskooperation durchaus erfolgreich sein kann.Während die bisher genannten Projekte höchstens im Modell gebaut wurden, gibt es die gescheiterte Aufklärungsdrohne Eurohawk sogar als flugfähiges Exemplar. Im Oktober 2001 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik eine Vereinbarung, der Bundeswehr eine Aufklärungsdrohne zu beschaffen. Diese sollte auf der Drohne RQ-4B des amerikanischen Herstellers Northrop Grumman beruhen und mit deutscher Aufklärungstechnik ausgerüstet werden. In den folgenden zehn Jahren wurde das Projekt vorangetrieben, und im Juli 2011 fand der Überführungsflug des Prototyps nach Deutschland statt.Eine Eurohawk-Drohne im Januar 2013 in ManchingdpaWas die Öffentlichkeit damals nicht wusste: Die Vereinigten Staaten hatten der Drohne den Überflug verboten. Sie musste von der Edwards Air Force Base in Kalifornien nach Westen über den Pazifik fliegen und von dort nach Kanada, wo sie über nicht bewohntem Gebiet nach Osten fliegen durfte. Ähnlich wie die Amerikaner hielt es dann auch die Flugsicherheitsbehörde der EU. Wegen eines fehlenden für die zivile Luftfahrt zertifizierten automatischen Kollisionssystems verwehrte sie der Drohne die Zulassung für Flüge über bewohntem Gebiet.Da die Nachrüstung nach den schon investierten bis zu 600 Millionen Euro noch einmal 500 bis 600 Millionen Euro gekostet hätte, beendete das Verteidigungsministerium das Projekt 2013. Die Drohne mit 40 Metern Spannweite fristet ihr Dasein nun im Militärhistorischen Museum in Berlin-Gatow – im nicht frei zugänglichen Depot.Feuerkraft gegen PanzerungGescheiterte Rüstungsprojekte gibt es aber nicht nur in der Luft, sondern auch auf See. Ende der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts fanden sich sieben NATO-Staaten – darunter Deutschland – in einer Projektgruppe zusammen, um eine neue Fregatte zu bauen. Zehn Jahre dauerte es, bis den Staaten der Entwurf für ein Schiff vorgestellt wurde. Dieses sollte eine Basis bilden und von den einzelnen Staaten je nach Anforderung verschieden ausgerüstet werden können. Diese Anforderungen waren allerdings sehr unterschiedlich: Die einen wollten einen U-Boot-Jäger, die anderen einen Schwerpunkt auf Flugabwehr. Auch gab es einen Dissens, ob europäische oder amerikanische Flugabwehrraketen eingebaut werden sollten. Großbritannien, Frankreich und Italien verließen daraufhin im Oktober 1989 das Projekt, gefolgt von Deutschland und Spanien im Dezember. Amerika, die Niederlande und Kanada legten es einen Monat später ebenfalls zu den Akten.Auch auf dem Land gab es gescheiterte Versuche einer Rüstungskooperation. Schon in den Fünfzigerjahren wollten Frankreich und Deutschland mit Italien einen gemeinsamen Panzer bauen. Von Anfang an gab es aber Differenzen bei den Spezifikationen. Frankreich wollte einen feuerstarken Panzer und dafür bei der Panzerung Abstriche machen, Deutschland sah es genau andersherum. Man kam überein, jeweils Prototypen zu entwickeln, sich dann für ein Modell zu entscheiden und dieses dann gemeinsam zu bauen. Als diese aber Anfang der Sechzigerjahre fertig waren, konnte man sich nicht auf ein Modell einigen. So ging man auseinander und baute seine eigenen Panzer, Frankreich den AMX30 und Deutschland den Leopard 1.Derzeit wollen Deutschland und Frankreich wieder einen gemeinsamen Panzer entwickeln. Ob er sich in diese Aufzählung einreihen wird, ist offen.