Die Energieversorgung von Rechenzentren ist selbst für den reichsten Mann der Welt eine komplexe Angelegenheit geworden. Im Jahr 2024 ließ der Tesla-Chef Elon Musk im US-Bundesstaat Tennessee in rasantem Tempo für sein Unternehmen xAI eines der bis dato größten Rechenzentren für Künstliche Intelligenz errichten. Aber Musk hatte die Rechnung ohne das lokale Stromnetz gemacht, dessen Ausbau mit dem des Rechenzentrums nicht Schritt halten konnte. Also karrte xAI die fehlende Energie buchstäblich auf Rädern heran: Mit Gasturbinen beladene Lastwagen parkten neben dem Rechenzentrum, bis zu 35 von ihnen sicherten zwischenzeitlich den hohen Energiebedarf – zum Ärgernis der Anwohner, die sich über eine schlechtere Luftqualität beschwerten.Tennessee ist längst kein Einzelfall mehr. Die Analysten von Cleanview zählten im April in den Vereinigten Staaten 59 angekündigte Rechenzentren-Projekte „hinter dem Zähler“, die also nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen und privat versorgt werden – darunter Projekte von Meta, Microsoft, Amazon und Oracle. Diese verfügten über eine geplante Anschlussleistung von gut 90 Gigawatt. Zum Vergleich: Die Leistung aller deutschen Rechenzentren zusammen lag 2025 dem Digitalverband Bitkom zufolge bei knapp drei Gigawatt. Allerdings sind bislang der Auswertung von Cleanview zufolge erst zwei Gigawatt der Rechenzentren im Einsatz, ein Großteil befindet sich noch im Planungsstadium.Rechenzentren verbrauchen mehr, als Deutschland produziertDie Entkopplung der privaten KI-Infrastruktur von den öffentlichen Netzen hat einen einfachen Grund: Der Energiebedarf der Rechenzentren steigt noch schneller als gedacht. Die Analysten von Gartner schätzen in einem am Mittwoch erschienenen Bericht, dass Rechenzentren in diesem Jahr weltweit 565 Terawattstunden verbrauchen werden. Das wären 26 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Im Jahr 2030 rechnet Gartner nun mit einem Verbrauch von mehr als 1200 Terawattstunden – und korrigiert damit seine letzte Prognose um 20 Prozent nach oben. Die Prognose liegt damit über der Schätzung der Internationalen Energieagentur, die 2030 von 950 Terawattstunden Energieverbrauch durch Rechenzentren ausgeht. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2025 insgesamt knapp 438 Terawattstunden Strom ins Netz eingespeist.Treiber des steigenden Energieverbrauchs ist Gartner zufolge vor allem die Künstliche Intelligenz. In diesem Jahr würde fast ein Drittel des Rechenzentren-Energieverbrauchs durch KI-optimierte Server verursacht, im kommenden Jahr dürfte ihr Verbrauch erstmals denjenigen herkömmlicher Server übertreffen. „Die Kapazitäten im Bereich der Künstlichen Intelligenz werden mittlerweile durch die Verfügbarkeit von Strom begrenzt“, sagt die für den Bericht zuständige Gartner-Analystin Linglan Wang im Gespräch mit der F.A.Z. Die Stromversorgungssicherheit von Rechenzentren sei zum neuen Schauplatz des Wettstreits um Skalierung und Margensicherung im globalen KI-Wettlauf geworden.Investitionen in Kernenergie und ErneuerbareRechenzentren-Betreiber müssten in effizientere Technik investieren, sagt Wang. Vor allem für die Kühlung werde an Verbesserungen gearbeitet. Auch die Effizienz der KI-Server werde jedes Jahr um etwa ein Drittel besser. Allein: Die Nachfrage nach KI-Rechenkapazitäten vervierfache sich. Inwiefern Effizienzverbesserungen die steigende Nachfrage ausgleichen können, ist ungewiss. Langfristig würden Investitionen in Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien helfen, sagt Wang. Google baut in Texas einen Wind- und Solarpark mit einer Kapazität von 1,4 Gigawatt und daneben ein neues Rechenzentrum, das mit dem grünen Strom betrieben werden soll. Viele Techkonzerne investieren auch große Summen in die Entwickler kleiner modularer Atomreaktoren, die aber noch weit von der Marktreife entfernt sind.Die Energieversorgung wird so zum geopolitischen Standortfaktor im KI-Rennen. China etwa habe schon vor Jahren angefangen, seine Rechenzentren wo möglich in den Westen zu bauen, wo sich die meisten Energiequellen des Landes befinden, sagt die Gartner-Analystin Wang. Allgemein verfügten die USA und China über erhebliche Energieressourcen. Manche europäische Länder wie Deutschland hätten es als Rechenzentren-Standort wegen ihrer Energieversorgung schwerer, sagt Wang. Der energiepolitische Thinktank Ember berichtet, dass der Anschluss von Rechenzentren ans Stromnetz in den großen Hubs wie Frankfurt heute durchschnittlich sieben bis zehn Jahre dauert.Auch hierzulande gab es deshalb erste Versuche der Selbstversorgung von Rechenzentren. Das US-Unternehmen Edgeconnex plante im hessischen Maintal ein Rechenzentrum mit knapp 170 Megawatt Kapazität, das bis zur Fertigstellung des öffentlichen Anschlusses ans Stromnetz im Jahr 2037 durch ein eigenes Gaskraftwerk auf dem Gelände versorgt werden sollte. Das stieß auf den Widerstand der Anwohner. Aktuell liegt das Projekt auf Eis, Edgeconnex will ein überarbeitetes Konzept zur Energieversorgung vorlegen.
Gartner: Der Künstlichen Intelligenz fehlt der Strom
Der Energieverbrauch von Rechenzentren steigt schneller als gedacht, Strom wird im KI-Rennen zum Nadelöhr. Deshalb bauen Techkonzerne jetzt gleich ihre eigenen Kraftwerke.










