Graue Fassaden, bröckelnder Putz, Gesichter im Vorbeigehen – Helga Paris hat Halle Mitte der 1980er-Jahre so fotografiert, wie es kaum jemand sehen wollte. 101 Schwarz-Weiß-Fotografien zeichnen das Porträt einer vom Verfall geprägten Stadt und zugleich ein Zeitdokument der späten DDR. Besonders prägnant ist der Kontrast zwischen den bröckelnden Altbauten und den Menschen, die Paris in ihnen begegnet. Halle erscheint darin nicht als repräsentative Bezirksstadt, sondern als lebendiger Ort voller Brüche, Eigenheiten und Geschichte. Im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) sind die Arbeiten von Helga Paris nun in einer aktuellen Ausstellung zu sehen.
Gezeigt werden sollten die Arbeiten erstmals 1986 in der vom Verband Bildender Künstler der DDR geführten Galerie Marktschlößchen in Halle (Saale). Doch es kam zum Eklat: Die Fotografien zeigten den baulichen Verfall der Innenstadt so deutlich, dass sie aus Sicht der Kulturpolitik – unbeabsichtigt von der Fotografin – die städtische Planungspolitik infrage stellten. Die Ausstellung wurde daraufhin politisch unterbunden, Katalog und Plakate wurden eingezogen.
Doch dabei blieb es nicht. Der Verband und die Künstlerin versuchten, die Präsentation erneut durchzusetzen. Es folgte ein jahrelanges kulturpolitisches Tauziehen um die Sichtbarkeit der Bilder: überarbeitete Katalogfassungen wurden erneut nicht genehmigt, Eröffnungstermine angesetzt und wieder verworfen. Selbst ein letzter Versuch im Sommer 1987 scheiterte – auch ohne Katalog. Im Mai 1989 erwarb das hallesche Kunstmuseum schließlich den Fotobestand von Helga Paris – ausgestellt werden konnte er jedoch erst 1990, nach dem politischen Umbruch.








