PfadnavigationHomePolitikDeutschlandThüringenMinisterpräsident Voigt verteidigt sich gegen KI-VorwürfeStand: 11:49 UhrLesedauer: 3 MinutenThüringer Regierungschef Mario VoigtQuelle: Martin Schutt/dpaReden und Gastbeiträge von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt stehen einem Bericht zufolge unter Verdacht, von KI erstellt worden zu sein. Nun nimmt der Politiker persönlich Stellung.Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) ist wegen der Nutzung von KI erneut in die Kritik geraten. Das Portal „Frag den Staat“ berichtete, dass einige Reden und Texte von Voigt mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt worden sein sollen, etwa eine Rede zum Holocaust-Gedenktag im Jahr 2025.„Wenn es wirklich einzelne Passagen gab, die auch mit Hilfe von KI erstellt worden sind, dann werde ich dafür keinem den Kopf abreißen. Grundsätzlich halte ich aber sowieso fast alle meiner Reden frei“, sagte Voigt dem „Tagesspiegel“. Ohnehin mache er sich für den Einsatz von KI stark. Auf dpa-Anfrage wollte sich Voigt zu den von „Frag den Staat“ geäußerten Fällen zunächst nicht äußern.Auffälligkeiten in Manuskripten„Frag den Staat“ hatte Manuskripte mithilfe der Analysetools Pangram und GPTZero überprüft. Deren Ergebnisse garantieren keine 100-prozentige Sicherheit, ob ein Text KI-erstellt ist, liefern aber Hinweise und Tendenzen. Beschrieben wurden in dem Artikel auffällige Formulierungen wie wiederholte Verneinungen oder merkwürdige Sprachbilder.In einer Rede anlässlich eines Gedenkakts für die Opfer des Nationalsozialismus beschrieb Voigt Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald etwa wie folgt: „Ihre Augen waren leer und zugleich unendlich tief.“ Zudem äußert „FragdenStaat“ den Verdacht, dass Experten-Zitate halluziniert wurden. In einem Gastbeitrag von Voigt für die „FAZ“ wurden demnach Zitate als Argumentation verwendet, deren Herkunft die Thüringer Staatskanzlei auf „FragdenStaat“-Anfrage nicht offenlegen wollte. Einer der zitierten Experten antwortete der Plattform, er glaube nicht, dass er den ihm zugeschriebenen Satz so wörtlich geschrieben habe.BSW-Politikerin Wolf nimmt Voigt in SchutzDie Thüringer Linke erklärte, Voigt verstoße beim KI-Gebrauch gegen die Dienstanweisung seines Digitalministeriums. Anders als dort festgehalten fehlten bei Voigts Reden und Zeitungstexten Hinweise auf den Gebrauch von KI. „Mit seinem Verhalten wird Mario Voigt zu einem Beispiel dafür, wie man KI nicht nutzt“, so die Landesvorsitzende Katja Maurer.Rückendeckung erhält er dagegen von seiner Stellvertreterin, der Finanzministerin Katja Wolf (BSW). „Die KI hat mittlerweile eine große Qualität, mir sehr genaue Zusammenfassungen und Analysen zu liefern, wenn ich etwas herausfinden will. Und sie kann mir auch perfekte Formulierungshilfen an die Hand geben“, sagte sie dem Tagesspiegel-Newsletter „Im Osten“. Lesen Sie auchFür selbst geschriebene und gehaltene Reden nutze sie die KI zwar nicht, versicherte Wolf. „Aber ob diejenigen, die mir zuarbeiten, das auch nicht tun, kann ich nicht ausschließen.“ Auf jeden Fall könne die Technik die Verwaltungsarbeit vereinfachen und etwa Bescheide besser machen. „Wir wären verrückt, wenn wir diese Möglichkeiten nicht nutzen würden, und müssen alle einen Umgang damit finden.“Bereits vor einer Woche wurden Auffälligkeiten in einem Gastbeitrag von Voigt und seinem Amtskollegen in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), in der WELT entdeckt. In dem Beitrag ging es um den Anteil deutschsprachiger Musik im Radio. Auch hier wurden Vorwürfe laut, Teile des Gastbeitrages könnten mithilfe von KI erstellt worden sein. Damals räumte Voigts Regierungssprecherin ein, dass „moderne digitale Werkzeuge, darunter KI-Anwendungen“, verwendet würden. Positionen, Argumente und Schlussfolgerungen stammten aber von den Autoren, seien von ihnen abgestimmt und verantwortet worden.Lesen Sie auchVoigt steht seit Monaten politisch unter Druck, weil ihm die Technische Universität Chemnitz seinen Doktortitel aberkannt hat. Der 49-Jährige wehrt sich gegen die Entscheidung mit einem Widerspruch und kündigte an, notfalls vor einem Verwaltungsgericht dagegen klagen zu wollen.lay mit dpa