PfadnavigationHomeSportFußballWMTrocken und ungewohnt„Boah, der Rasen ist aber stumpf. Das ist richtig anstrengend“Stand: 10.06.2026Lesedauer: 6 MinutenDie Generalprobe für die Weltmeisterschaft ist geglückt, doch gegen die USA tat sich die deutsche Nationalmannschaft deutlich schwerer als zuletzt gegen Finnland. Europameister Thomas Helmer hat dafür gleich mehrere Erklärungsansätze.Für die WM haben Experten einen speziellen Rasen entwickelt. Ob das Grün gut genug ist, wird sich zeigen. Anders ist es in jedem Fall, erste Warnungen gibt es bereits. Deutschland hat seinen eigenen Greenkeeper eingeflogen.Kurz vor elf Uhr ist es am Dienstagvormittag in Winston-Salem, als auf einer Hälfte des Trainingsplatzes der Fußball-Nationalmannschaft vier Rasensprenger anspringen. Nach fünf Minuten ist die andere Seite dran. Das Grün, auf dem Hütchen, Stangen und Bälle für die anstehende Übungseinheit verteilt worden sind, muss bewässert werden. Bei den Temperaturen um 29 Grad ist das wichtiger denn je.Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sind sie sich dessen bewusst – und guter Dinge, wenn auch der Rasen des Trainingsplatzes an der Wake Forest University am Dienstag sehr trocken aussah und es den Anschein hatte, als müsse dieser an einigen Stellen schon geflickt werden. Sebastian Breuing, der jahrelang bei Werder Bremen für den Rasen verantwortlich war, ist beim DFB hauptamtlicher Greenkeeper. Er weilt bereits seit 20. Mai in Winston-Salem, um sich mit einem kleinen Team um die Pflege des Rasens zu kümmern.Lesen Sie auchAuf die Frage, ob es ein Problem mit dem Rasen bei der WM geben könnte, sagte Sportdirektor Rudi Völler: „Man braucht Wasser. Das ist das Problem bei den Temperaturen – zum Trinken und eben auch auf dem Platz. Und das wird ja gemacht. Die Leute hier geben sich unglaublich viel Mühe. Es ist toll zu sehen, wie geholfen wird. Und das gilt ja auch für die Spiele. Natürlich kann der Platz härter und trocken sein. Aber die Bedingungen sind recht gut. Wir haben nichts zu lamentieren.“In Chicago mit dem Gartenschlauch gewässertUnd dennoch ist es ein ungewohnter Untergrund, auf dem sich die deutschen Spieler und die weiteren 47 WM-Teilnehmer erst einmal zurechtfinden müssen. Experten vermuten, dass der Rasen für Probleme sorgen könnte. Da in den USA, Kanada und Mexiko für Football und andere Sportarten meist Kunstrasen genutzt wird, wurde für das Turnier Naturrasen auf Plastikfolien verlegt. Dieser temporäre Hybridrasen ist oft uneben und führt zu ungewöhnlichem Ballverhalten.Für Lothar Matthäus, der am vergangenen Samstag in Chicago beim Test der DFB-Auswahl gegen die USA (2:1) als Experte für RTL arbeitete, war der Rasen zumindest ein Grund dafür, warum das Spiel der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann etwas behäbig wirkte. So erzählte der Moderator Florian König nach dem Spiel in Chicago (kein WM-Spielort): „Leroy Sané war gerade hier am Tisch, hat dir ‚Hallo‘ gesagt und hat gesagt: ‚Boah, der Rasen ist aber stumpf. Das ist richtig anstrengend.‘“Für Matthäus, der an vier Weltmeisterschaften teilgenommen hat, darunter an der 1994 in den USA, war das keine Überraschung. „Absolut, der Ball ist langsamer, kommt langsamer an. Der geht nicht so glatt über den Rasen“, erklärte der 150-malige Nationalspieler: „Auch dieses Sprengen des Rasens vor dem Spiel. Mit dem Gartenschlauch. Das haben meine Eltern vor 50, 60 Jahren gemacht.“Lesen Sie auchTatsächlich wurde der Rasen beim Spiel in Chicago in der Halbzeitpause mit einem Gartenschlauch gewässert. Mehrere Mitarbeiter zogen ihn über den Rasen, während am Ende des Schlauchs einer von ihnen die Spritzrichtung änderte. Die Infrastruktur, hieß es im Nachgang, sei nicht darauf ausgelegt, den Platz vor dem Anpfiff gleichmäßig zu bewässern. „Dadurch ist das Spiel langsamer“, sagt MatthäusHinzu kommen die klimatischen Bedingungen. Aufgrund der hohen Temperaturen trockne der Untergrund schnell aus. „Dadurch ist er stumpf. Dadurch ist das Spiel langsamer. Die Passagen werden langsamer“, so Matthäus. Die Nationalmannschaft, resümiert er, müsse sich darauf einstellen, während des Turniers mit sehr unterschiedlichen Platzbedingungen zurechtzukommen.Auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel äußerte zuletzt deutliche Bedenken hinsichtlich der Platzqualität in den USA. Die ungewohnten Untergründe seien teilweise deutlich härter als gewohnt und könnten das Verletzungsrisiko erhöhen.Was den Rasen an den 16 Spielorten in den USA, Kanada und Mexiko betrifft, hat der Weltverband Fifa mit Blick auf das Turnier und die 104 Spiele nichts dem Zufall überlassen. John Rogers, Professor für Turfgrass-Forschung (Rasenwissenschaft), hat sich mit einem Team um den WM-Rasen gekümmert und ihn entwickelt. Erst am 4. Juni wurde der letzte Rasen verlegt. Im Stadion von Houston, wo die deutsche Mannschaft am Sonntag (19 Uhr/ARD und MagentaTV sowie im WELT-Liveticker) gegen Curacao ihr erstes Gruppenspiel bestreitet. Rogers hatte bereits für das WM-Turnier 1994 in den USA den Rasen gezüchtet.Zwei Jahre lang verschiedene Mischungen getestetSeither ist das Grün, auf dem es um Tore, Siege oder Niederlagen geht, zum Hightech-Produkt geworden. Ein Rasen, in den Plastikfasern eingearbeitet sind, um ihn zusätzlich zu stabilisieren. Sie werden meist direkt im Stadion mit einer Maschine in den Boden eingestickt.Nach Angaben der Fifa wurde der in jedem Stadion und auf jedem Trainingsgelände verwendete Naturrasen zwischen März und August 2025 auf dem gesamten Kontinent angebaut, um die Logistik zu vereinfachen, obwohl lange Transportwege manchmal trotzdem notwendig waren. Lesen Sie auchDie weiteste Transportstrecke vom Anbauort bis zur Verlegung betrug etwa 2250 Kilometer. Das Team für Rasenpflege musste zudem zwei verschiedene Grasarten verwenden. Bermudagras für Plätze in heißeren Regionen – und eine Mischung aus Kentucky-Bluegrass und Weidelgras für Spielfelder in kälteren Gebieten.650 Platzpfleger sind im Namen der Fifa unter der Leitung von Senior Pitch Management Manager Alan Ferguson und Head of Pitch Infrastructure Ewen Hodge während des Turniers im Einsatz – noch einmal 650 kümmern sich um die 77 Trainingsplätze, die sich auf die 48 Teamquartiere verteilen.Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify oder Apple Podcasts.John Rogers erzählte jüngst in einem Gespräch mit der „Zeit“, dass in zehn von 16 WM-Stadien auf die gleichen Pflanzen wie vor 20 Jahren gesetzt worden sei, „aber in einem anderen Verhältnis: 84 Prozent Wiesen-Rispengras und 16 Prozent Weidelgras.“ Das Verhältnis stamme aus der Arbeit seiner Doktorandin Jackie Lyn Guevara: „Sie hat zwei Jahre lang verschiedene Mischungen getestet. Ziel war es, die Zeit bis zur Ernte des Rasens zu verkürzen. Wiesen-Rispengras wächst nur langsam. Wir haben uns also gefragt: Können wir eine möglichst kleine Menge Weidelgras hinzufügen, um das Wachstum zu unterstützen? Um diesen Wert herauszufinden, hat Jackie mit kleinen Rasenparzellen experimentiert.“Die Spiele werden zeigen, wie gut die Mannschaften mit dem entwickelten Grün zurechtkommen. Die erste Partie steigt am Donnerstag im Aztekenstadion zu Mexiko-City, wo Co-Gastgeber Mexiko auf Südafrika trifft.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit einer Woche sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.
WM 2026: Stumpf, trocken, ungewohnt – Die unterschätzte Herausforderung der WM - WELT
Für die WM haben Experten einen speziellen Rasen entwickelt. Ob das Grün gut genug ist, wird sich zeigen. Anders ist es in jedem Fall, erste Warnungen gibt es bereits. Deutschland hat seinen eigenen Greenkeeper eingeflogen.













