PfadnavigationHomeSportFußballWMGiovane Elber„Neymar ist nur noch eine Marketing-Maschine“Von Torsten RumpfStand: 07:18 UhrLesedauer: 4 MinutenAm 11. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. Statistik-Professor Achim Zeileis hat berechnet, wer am wahrscheinlichsten Weltmeister wird. „Brasilien hat nur eine 5-prozentige Wahrscheinlichkeit, das Turnier zu gewinnen“, sagt Zeileis bei WELT TV.Gelingt Brasilien bei dieser WM noch mal der große Wurf? Der legendäre Ex-Stürmer Giovane Elber ist eher pessimistisch – nicht zuletzt wegen Superstar Neymar. An das berühmte 1:7 gegen Deutschland hat er sehr gute Erinnerungen.Brasiliens Nationalteam mit Trainer Carlo Ancelotti startet am 14. Juni (0.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) mit dem Duell gegen Marokko in das Turnier. Weitere Gegner sind Haiti und Schottland. Für Aufsehen hatte gesorgt, dass Neymar, 34, doch noch ins Team berufen wurde. Der Brasilianer Giovane Elber spielte beim VfB Stuttgart, FC Bayern, und Borussia Mönchengladbach. Er schoss 133 Tore in der Bundesliga.Frage: Brasilien will in den USA, Mexiko und Kanada zum sechsten Mal Weltmeister werden. Glauben Sie an den Triumph Ihres Heimatlandes?Giovane Elber: Nein. Die Qualifikation war nicht gut, wir hatten in dieser Zeit drei Trainer. Bis ins Viertelfinale einziehen, das kann Brasilien schaffen. Aber den Pokal gewinnen, da muss schon vieles zusammenpassen – was in der Kürze der Zeit nicht passiert. Was vielleicht ein wenig Hoffnung macht: Unter Ancelotti tritt die Seleção wieder mehr als Mannschaft auf.Frage: Ancelotti hat für die WM Neymar berufen. Waren Sie überrascht?Elber: Nicht wirklich. Eine große Mehrheit forderte die Neymar-Nominierung. Selbst der Staatspräsident mischte sich ein und sprach sich öffentlich für ihn aus. Der Druck auf Ancelotti wurde immer größer, er konnte deshalb nicht anders. Es tut mir aber leid, ich hätte ihn nicht nominiert. Vielleicht überrascht Neymar mich und spielt so gut wie vor einigen Jahren. Aber daran glaube ich nicht. Neymar war mal ein Weltklasse-Fußballer, heute ist er nur noch eine Marketing-Maschine. Lesen Sie auchFrage: Wie erklären Sie sich das?Elber: Alles fing mit seinem Wechsel vom FC Barcelona zu Paris St. Germain 2017 an. Das war ein großer Fehler. Ich kenne die französische Liga aus meiner Zeit bei Olympique Lyon (Saisons 2003/04 und 2004/05, die Redaktion), sie ist sportlich zu schwach. Ab dem Zeitpunkt ging es mit ihm als Fußballer bergab. Frage: 2023 ging er dann zu Al-Hilal nach Saudi-Arabien.Elber: Das war nicht mehr als ein bezahlter Urlaub für Neymar. Seit Anfang 2025 spielt er wieder für den FC Santos in Brasilien und war oft verletzt, hatte lange keinen Spielrhythmus. Wie soll das nun bei der WM funktionieren? Aus meiner Sicht müssen die besten Spieler zur WM – und müssen auch fit sein. Für Neymar ließ Ancelotti Pedro vom FC Chelsea zu Hause, der eine gute Saison spielte. Das war nicht fair.Frage: Welche Rolle spielt Vinícius Júnior für Brasilien?Elber: Er spielt bei Real besser als in der Nationalmannschaft. Dort trainiert er jeden Tag mit seinen Mitspielern und kennt sie bestens. Bei der Seleção trifft er die Kollegen alle zwei, drei Monate. Das ist etwas anderes vom Ablauf. Grundsätzlich ist Vinícius Júnior nicht mein Lieblingsspieler in der brasilianischen Nationalmannschaft – und auch nicht bei Real. Er macht viel zu viel Theater, sorgt außerhalb des Platzes für zu viele Schlagzeilen. Er sollte sich mehr auf den Fußball fokussieren. Lesen Sie auchFrage: Wer ist Ihr Lieblingsspieler?Elber: Raphinha vom FC Barcelona. Er spielt gut, redet nicht viel, macht kein Theater. So muss es sein. Aber der Fußball und das ganze Drumherum ändern sich. Allein die Nominierung glich einer Oscar-Verleihung, rund 1000 Gäste waren geladen. So etwas habe ich noch nie gesehen.Frage: Wie schätzen Sie den Kader ein?Elber: Wir haben schon gute Spieler. Aber: Früher hatten wir Top-Spieler in jeder Top-Liga. Angefangen vom Torwart bis zum Mittelstürmer. Seit ein paar Jahren ist das anders. Allein in Deutschland haben wir keinen Brasilianer mehr mit Top-Format. Und wenn ich an meine Zeit denke, da war es unheimlich schwer, in die Nationalmannschaft zu kommen. Da hießen meine Konkurrenten Romário, Bebeto, Ronaldo oder Ronaldinho. Das waren alles Weltstars. Heute wäre es für mich viel einfacher gewesen. Frage: Im Viertelfinale kann es zum Duell Brasilien gegen Deutschland kommen. Wie sehr schmerzt noch die 1:7-Halbfinal-Niederlage bei der WM 2014?Elber: Das Spiel wird man niemals vergessen, es tat und tut jedem Brasilianer immer noch sehr weh und steckt in den Köpfen. Ich war damals in Belo Horizonte im Stadion mit den Eltern von Thomas Müller. Ich habe mit ihnen richtig gefeiert. Die Daumen drückte ich mehr für Deutschland als für Brasilien.Frage: Warum?Elber: Ich bin in Europa, vor allem in Deutschland, als Fußballer groß geworden. Darum fühle ich mich mehr als Deutscher, weniger als Brasilianer. Ich trug eine Deutschland-Kappe, hatte mir die Nationalfarben Schwarz, Rot, Gold aufs Gesicht gemalt. Nur meine Frau war im brasilianischen Trikot dabei. Nach dem zwischenzeitlichen 0:3 sagte sie zu mir: „Ich habe keinen Spaß mehr.“ Ich dagegen genoss es. Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
Fußball-WM 2026: Giovane Elber – „Neymar ist heute nur noch eine Marketing-Maschine“ - WELT
Gelingt Brasilien bei dieser WM noch mal der große Wurf? Der legendäre Ex-Stürmer Giovane Elber ist eher pessimistisch – nicht zuletzt wegen Superstar Neymar. An das berühmte 1:7 gegen Deutschland hat er sehr gute Erinnerungen.














