Die Nahaufnahme fokussiert eine makellos glatte Oberfläche aus tausenden, winzigen Perlen. Es ist völlig still. Dann nähert sich die Löffelspitze – und mit einem satten, filmreifen „Crrrunch“ bricht der bunte Zuckerpanzer auf, um den Blick auf einen soften, cremigen Kern freizugeben. Die Rede ist vom Dot Cake, dem aktuell unangefochtenen Dessert-Hype des Sommers.

Wer in den letzten Tagen digitale Plattformen wie TikTok oder Instagram genutzt hat, kam an diesem oder einem ähnlichen Szenario kaum vorbei. Die kleinen, kompakten Kuchen im Becher, dick umhüllt von einer perfekt glatten Decke aus winzigen Nonpareille-Perlen (den klassischen, runden Zuckerstreuseln), haben in New York bereits eine regelrechte Hysterie ausgelöst. Das Geräusch beim Durchbrechen der Streuselschicht liefert feinstes ASMR-Material – und sorgt weltweit online für Millionen Klicks.

Der Ursprung der Streusel-Hysterie

Der Ursprung des Trends liegt in der New Yorker Bäckerei „The Dotcakes“ auf Long Island, gegründet von einem Mutter-Tochter-Duo, brachte die sogenannten Dotcups groß raus. Als der New Yorker Nobel-Feinkostladen „Butterfield Market“ die bunten Becher ins Sortiment aufnahm, gab es auf der Upper East Side kein Halten mehr. Menschen stehen dort stundenlang in der Hitze Schlange, um die Becher zu ergattern. Im Netz wird heiß diskutiert: Handelt es sich um den genialsten Geniestreich der aktuellen Food-Szene oder einfach nur um einen glorifizierten Cupcake? Die Wahrheit liegt wohl genau dazwischen, die größten Hypes entstehen bekanntlich, wenn man Altgeliebtes neu verpackt.Ein Déjà-vu beschleicht dabei jeden, der die Food-Hypes der letzten Jahre verfolgt hat: Schon Christina Tosis berühmter „Birthday Cake“ aus der New Yorker Milk Bar löste nach ihrer Episode in der Netflix-Serie „Chef’s Table“ eine ähnliche, fast schon religiöse Begeisterung für bunte Streusel, Vanilleteig und kindliche Nostalgie aus – ein Kuchen, den hierzulande etwa Cynthia Barcomi in ihrem Berliner Deli in Mitte und Kreuzberg in einer eigenen Interpretation populär machte und damit ganze Generationen an Hobbybäckerinnen prägte.